Google X: Die geheime Moonshot-Fabrik

Beschreibung

Im Zusammenhang mit neuen Technologien aus Mountain View fällt immer wieder der Begriff Google X. Doch was verbirgt sich hinter diesem ominösen Namen? Wir werfen einen Blick auf die bisherigen und zukünftigen Projekte der X-Labs.

Google hat den Technologiemarkt schon in mancher Hinsicht stark beeinflusst oder gar revolutioniert. Allerdings handelt es sich bei Chrome, Android und Google Now trotz ihres globalen Einflusses nur um Endnutzertechnologien, die für den Alltag geeignet sind, nicht um Entwicklungen, die möglicherweise das Leben von Millionen oder gar Milliarden Menschen nachhaltig beeinflussen.

Für solche Projekte hat das Unternehmen abseits des Haupt-Campus eine Abteilung namens Google X gegründet. Hier werden viele der sogenannten „Moonshots“ entwickelt, also Projekte, die ähnlich ambitioniert – und möglicherweise unrealistisch – klingen, wie die Mondlandung 1961. Es ist nicht bekannt, an wie vielen Projekten hier tatsächlich gearbeitet wird, finden doch nur wenige, schon weiter fortgeschrittene Arbeiten ihren Weg an die Öffentlichkeit.

Bekannte Projekte von Google X

Das wohl populärste Projekt von Google X ist Google Glass, die Cyberbrille, die kontextrelevante Information ins Sichtfeld ihres Trägers projiziert und im Februar 2013 vorgestellt wurde. Seit Anfang 2015 wird Glass in einer eigenständigen Abteilung außerhalb von Google X weiterentwickelt.

Für Schlagzeilen sorgte auch Googles selbstfahrendes Auto, das ganz ohne Lenkrad und Pedale auskommt. Die darin verwendete Technologie wurde zuvor bereits in andere Fahrzeuge integriert und im Alltag getestet: Laut Eigenaussage vom August 2012 sind in Kalifornien rund um die Uhr ungefähr 12 solcher Autos unterwegs und schon über 300.000 Meilen unfallfrei gefahren. Das Unternehmen setzt sich in diesem Zusammenhang stark für die Straßenzulassung autonomer Fahrzeuge ein und hat damit in Kalifornien schon einige Erfolge erzielt.

Google Lenses: Smarte Kontaktlinsen für Diabetiker sind nächster Google X-„Moonshot“ Bild

Augenzentriert wie Google Glass sind die smarten Kontaktlinsen Googles, eine Entwicklung der Biowissenschaftsabteilung von Google X. Diese Geben dem Träger durch Analyse der Tränenflüssigkeit Auskunft über den Blutzuckerspiegel und können so Diabetiker vor zu hohem oder zu niedrigem Blutzucker warnen, bevor Symptome akut werden. Viel mehr ist über das Projekt, das im Januar 2014 vorgestellt wurde, nicht bekannt.

Ebenfalls der Biowissenschaftsabteilung entstammt der Liftware Spoon. Ursprünglich vom Unternehmen Lift Labs entwickelt, hilft dieser Löffel Menschen mit Tremor-Erkrankungen, wie etwa Parkinson, beim Essen, indem ein intelligenter Chip im Griff die Zitterbewegungen ausgleicht.

Project Loon ist Googles Versuch, das Internet auch in weiter abgelegenen Regionen der Erde und Gegenden ohne entsprechende Infrastruktur zugänglich zu machen. Hierzu sollen Ballons geostationär in der Stratosphäre schweben, also etwa 32 km über der Erdoberfläche, und so ein stabiles, mobiles Netzwerk mit Verbindungsgeschwindigkeiten auf 3G-Niveau etablieren. Die einzelnen Ballons sollen rund um die Uhr im aktiv sein und sind mit einem Akku ausgestattet, der von Solarzellen geladen wird. So kann der Einsatz auch bei Nacht gewährleistet werden. Erste Entwicklungen an Project Loon begannen 2011, derzeit ist das System an mehreren Orten weltweit im Testeinsatz.

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Google Project Wing

Project Wing schließlich strebt ähnlich Amazons Drohnenprogramm den Warenversand durch autonome Luftfahrzeuge an und befindet sich seit 2012 in der Entwicklung. Derzeitige Prototypen starten propellergetrieben senkrecht in die Luft und fliegen dann eine Kurve, um sich vertikal fortzubewegen. Am Zielort vollführt die Drohne eine weitere Drehung, um wieder in vertikaler Position über der Abwurfzone zu schweben und die Lieferung per Seilwinde zuzustellen.

Eine weitere Unternehmung in den Lüften wird von der Google-Tochter Makani Power vorangetrieben. Diese entwickelt Windkrafträder, die von Flügeln getragen durch die Luft gleiten und über ein Kabel erzeugte Energie zur Erde senden.

Außerdem arbeitet Google X in nicht weiter spezifizierten Projekten an Technologien des Internet of Things, also der Vernetzung von Alltagsgegenständen, wie sie etwa im Tochterunternehmen Nest schon ansatzweise praktiziert wird, sowie an künstlichen neuronalen Netzwerken, die die Funktionalität des menschlichen Gehirns nachzuahmen versuchen.

Unterabteilungen und Tochterunternehmen von Google X

Google X sind mehrere Abteilungen und Tochterunternehmen untergeordnet. Die Life Sciences Division of Google X beschäftigt sich, wie der Name schon sagt, mit Biowissenschaften. Neben der eigenen Forschungsarbeit, etwa an der erwähnten Kontaktlinse oder im Tochterunternehmen Lift Labs, tätigt diese Abteilung Investitionen in Forschungsunternehmen aus dem Gesundheitsbereich. So finanziert Google X etwa die Weiterentwicklung von Medikamenten, Software zur Unterstützung von Patienten und die Automatisierung medizinischer Prozesse wie der Genotypisierung von Mäusen und dem Verwalten von Biobanken.

Unter den Tochterunternehmen von Google X finden sich mit Gecko Design ein Spezialist für Produktdesign und mit Makani Power ein innovatives Energieunternehmen, das am bereits oben erwähnten Turbinenprojekt arbeitet.

Nicht weiter verfolgte Projekte

Da es sich Google X zum Ziel gemacht hat, Technologien zu erforschen, die wie Science-Fiction klingen, ist es nicht weiter verwunderlich, dass einige der Projekte gescheitert sind oder nach anfänglicher Betrachtung fallen gelassen wurden. Darunter finden sich Dinge wie ein JetPack für den Personentransport, der sich als zu wenig Energieeffizient herausstellte, ein Hoverboard, das für seinen Nutzen zu teuer wäre, ein Weltraumlift, für dessen Umsetzung noch keine brauchbare Technologie in Aussicht steht sowie die Teleportation, die schlicht gegen die Gesetze der Physik verstößt.

Gerade letzteres Projekt hat wohl wenig mit tatsächlicher Forschung zu tun; insgesamt zeigen die genannten Themen aber, welch ambitionierte Ziele die Innovationsschmiede Googles verfolgt.

Moonshots außerhalb von Google X

Wie eingangs erwähnt, fällt der Name Google X häufig in Verbindung mit sogenannten Moonshots, doch stehen nicht all diese Projekte in Zusammenhang mit der Forschungseinrichtung. Prominent ist unter den Moonshots außerhalb von Google X die Forschungsarbeit von Calico, einem unter anderem von Google gegründeten Biotechnologieunternehmen. Dieses erforscht den Alterungsprozess des Menschen und die damit einhergehenden Krankheitsbilder mit dem Ziel, letztere zu bekämpfen.

Weiterhin arbeitet das Unternehmen aus Mountain View an Robotern für den Unternehmenseinsatz. Hierfür wurde unter anderem die gleichermaßen fortschrittliche wie umstrittene Roboterschmiede Boston Dynamics eingekauft, die stark vom US-Verteidigungsministerium finanziert wird und deren Leitung zeitweise Android-Erfinder Andy Rubin inne hatte, bevor er das Unternehmen ganz verlies.

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