Facebook Messenger, iMessage, Google+ - Der Angriff auf die Telkos: Kurznachrichtendienste lösen die SMS ab

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Mit der gestrigen internationalen Veröffentlichung des Facebook Messenger hat nun auch das größte Social Network ein heißes Eisen im Feuer, um sich eine große Scheibe des Kurznachrichtenkuchens abzuschneiden. Doch Facebook ist nicht allein: Blackberry hat BBM, Apple bietet iMessage und Google offeriert gleich mehrere Anwendungen, die um die Gunst der Anwender buhlen.

Facebook Messenger, iMessage, Google+ - Der Angriff auf die Telkos: Kurznachrichtendienste lösen die SMS ab

Bereits vor einigen Monaten launchte Facebook in den USA einen eigenständigen Messenger für iOS und Android. Seit gestern Abend ist es aber auch ohne Umwege in Deutschland erhältlich. Das kleine Programm ist im Gegensatz zur normalen Facebook App bedeutend schneller und konzentriert sich dabei auf eine Sache: das Versenden von (Kurz-)Nachrichten über Facebooks Nachrichtendienst. Aber auch das Chatten mit gerade anwesenden Facebook-Kontakten ist mit dem Messenger möglich.

Der Vorteil ist klar: Häufig will man sich eben nicht durch zig Menüs hangeln, nur um auf eine Nachricht zu antworten. Und da die Freunde sehr wahrscheinlich einen Facebook-Account haben, kann man sich das Versenden teurer SMS auch gleich schenken.

Was bei den Providern lange Zeit ein wahrer Goldesel war, wird endlich durch zeitgemäße Technik mit angemessenen Preisen ersetzt. Bei teilweise mehr als 20 Cent für eine Datenübertragung von wenigen Bytes ist es eigentlich ein Wunder, warum die Kunden nicht schon lange auf die Barrikaden gegangen sind.

Das Problem, das wir allerdings heutzutage sehen, ist das Überangebot an verschiedenen SMS-Ersatzdiensten. Lange vor anderen Konkurrenten sorgte RIM mit dem hauseigenen Blackberry Messenger, kurz BBM, für Kontaktmöglichkeiten zwischen den Besitzern der Geräte. Und damit haben wir schon das erste Problem: Die Einschränkung auf die Smartphones eines Herstellers.

Ähnlich sieht es bei Apple mit iMessage aus. Auch hier können Nachrichten nur zwischen iOS-Geräten ausgetauscht werden. Die Integration ist dabei aber so nahtlos, dass man als Anwender häufig gar nicht mitbekommt, dass statt einer SMS eine quasi kostenlose iMessage verschickt wurde. Lediglich ein kurzer Text und der Wechsel der Farbe des Senden-Buttons von grün auf blau verrät, dass keine SMS verschickt wird, sondern am anderen Ende ein Benutzer mit einem iOS-Gerät wartet.

Google hat für Android gleich mehrere potentielle SMS-Killer im Angebot. Neben GTalk, dem auf Jabber basierenden Instant-Messaging-Dienst, gibt es als Bestandteil von Google+, den erst kürzlich von Huddle auf Messenger umgetauften Kurznachrichtendienst. Im Vergleich zu iMessage hinterlassen aber beide Dienste nicht den Eindruck, dass sie die SMS wirklich ablösen wollen. Für GTalk muss man sich erst registrieren, sofern man nicht schon einen Google (Mail) Account hat. Gleiches gilt für Google+, dort muss man aber ähnlich wie bei iMessage auf einen Desktop-Client verzichten; die Messenger-Unterhaltungen tauchen derzeit nirgends in der Browser-Sicht von Google+ auf.

Google+ Messenger

Eine Wildcard ist Microsofts Windows Phone 7. Nach der Übernahme von Skype darf man hier für die kommenden Monate einige interessante Updates erwarten, die möglicherweise nicht nur die SMS ablösen, sondern auf lange Sicht auch klassische Telefonanrufe angreifen könnte.

Der Trend zu ausschließlich datengebundenen Tarifen ist klar zu erkennen. Die Frage ist allerdings ab wann und vor allem wie die Provider darauf reagieren. Mit der Volumen-Beschränkung ihrer “Flatrates” und dem Verbot von Diensten wie VoIP haben sie den Trend bisweilen erfolgreich ausgebremst, verhindern lässt er sich jedoch wohl nicht mehr. Irgendwann werden auch die Telkos erkennen müssen, dass sie nicht mehr sind als Stromanbieter: Sie bieten einen Dienst an, der für alle erdenklichen Zwecke genutzt wird. Das Verbieten von bestimmten Diensten der Telekommunikations-Provider wirkt ein wenig wie ein Nutzungsverbot von Waschmaschinen oder Kühlschränken.

Welche Apps verwendet ihr, um mit euren Freunden mobil zu kommunizieren? Verwendet ihr die Apps der Handy-Hersteller oder benutzt ihr Tools wie WhatsApp, etc? Welche Vor- und Nachteile seht ihr im Alltag? Diskutiert mit uns in den Comments!

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