Google Android: iPhone-Herausforderer mit eigenen Qualitäten

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Da geht es uns Redakteuren auch nicht immer anders als der Anwenderfront: In der Mac-Szene sieht man die Dinge gerne aus der Apfelperspektive. Darunter leidet mitunter auch die Berichterstattung über Googles Smartphone-Betriebssystem Android Es sieht – nach Meinung des Autors – nicht annähernd so gut aus wie ein Apple Gerät. Da kann einem schnell die Lust vergehen, einen zweiten Blick darauf zu werfen. Im Online-Magazin Lifehacker allerdings sieht man die Dinge etwas anders, dort schreibt eine iPhone Besitzerin aus der Open Source-Szene über den Neuling und zeichnet ein ausgewogenes Bild: Neuling HTC G1 kann einiges auch besser.


HTC: Erster!

Lifehacker schaut sich sowohl die Hardware als auch die Software an: Den einzigen Knopf des iPhone findet die Autorin eleganter, allerdings lobt sie den kleinen Trackball, den das G1 bietet. Sie bewege sich damit viel schneller durch Webseiten und große Dokumente, als dies mit einem hektisch über den Touchscreen geführten Finger möglich sei.

Die Tastatur des HTC G1 lasse zwar zu Wünschen übrig, da die Tasten beim Drücken nur wenig Widerstand bieten, allerdings macht die iPhone-erprobte Lifehacker-Autorin Gina Trapani nach eigenen Angaben beim Tippen dennoch weniger Fehler. Dass der berührungsempfindliche Bildschirm des G1 allerdings nur mit einem Finger zu bedienen ist und keine Multitouch-Eingaben annimmt, das dürften nicht nur iPhone-Besitzer enttäuschend finden. Zoomen mit zwei Fingern kann man nur auf Apples Gerät. Dafür ermöglicht die QWERTY-Tastatur die schnelle Steuerung über Tastaturkürzel und das von vielen iPhone-Anwendern so schmerzlich vermisste Copy-and-paste.

It”s all in the software

<p Microsoft mag man einiges vorwerfen – der Windows Hersteller kann aber sicherlich nur wenig dafür, wenn Dell und Konsorten hässliche Rechner bauen (auch dieser Eindruck ein subjektiver). Und so lässt sich das neue G1-Telefon von Hersteller HTC auch schlecht mit dem iPhone vergleichen, denn es ist nur ein erstes Smartphone unter Dutzenden, die schon bald mit Googles Betriebssystem auf den Markt kommen werden. Auch wenn Apple beim iPhone wie beim Mac Hardware an Software bindet: Vergleichen sollte man vor allem das OS X auf dem Smartphone mit Googles Betriebssystem Android.

Google schaut zu

Was die Lifehacker-Autorin Trapani als einen Vorteil anpreist, wird allerdings gerade in Europa nicht jedem gefallen: die nahtlose Integration der Google Dienste Gmail, GCal, Google Talk, Maps und YouTube weitere wie ein RSS-Reader sowie Text & Tabellen sollen folgen. Screenshots der Dienste unter Android hinterlassen zwar einen Eindruck hervorragender Bedienbarkeit, man muss seine Daten dem Internet-Giganten aber anvertrauen wollen. Adressen, Mails und Kalender sowie weitere Daten synchronisieren sich dann jederzeit über das Handy-Netz, ein Anschluss an einen Computer ist nicht nötig. Noch nicht in Android integriert hat Google den hauseigenen Browser Chrome zumindest heißt er noch nicht offiziell so. Das Urteil bei Lifehacker lautet klar: Mobile Safari ist bislang besser.

Vom richtigen und vom falschen Weg

Auch ein weiterer Punkt, den Trapani anpreist, dürfte in Deutschland Datenschützer auf die Barrikaden treiben: Android zeigt auf dem G1 Kartenmaterial auch in der Street View-Ansicht an, in der man sich in drei Dimensionen so durch Straßenzüge bewegen kann, wie man sie gerade vor sich sieht, den Dienst gibt es in Deutschland bislang noch nicht. HTC hat dem G1 dafür eigens einen Kompass spendiert. Es mag zwar nicht jedermanns Wunsch sein, sich und sein Haus auf Street View wieder zu finden, wer sich aber in einer unbekannten Stadt verliert und den richtigen Weg sucht, der kommt mit Street View wohl besser ans Ziel.

Gut gelöst ist unter Android auch die Anzeige von Statusinformationen wie eingehenden Mails und SMS: Sie poppen nicht auf und stören beim Surfen, Spielen oder Orientieren, das System blendet sie dezent, aber gut sichtbar, in einer Statusleiste am oberen Bildschirmrand ein.

iPods gibt es nur bei Apple

Nur wenig Lob bekommt der mitgelieferte Musikplayer: Das iPhone ist ein iPod und ein Android-Telefon ist keiner, das scheint auch die Open Source-Szene so zu sehen. Das heißt: weniger Spaß beim Musikhören und keine komfortable Verwaltung über iTunes aber auch kein DRM-geschützes Musik-Angebot. Android greift in den USA auf Amazons MP3-Angebot zu, für den iPod gekaufte DRM-geschützte Titel lassen sich auf Android-Geräten nicht abspielen.

Mein iPhone bleibt!

Android hat bereits in einer ersten offiziellen Version viel gelernt. Von Apple abgeschaut hat sich Google die vielleicht zwei wichtigsten Aspekte des iPhone und sie ins eigene Modell integriert: Es gibt eine direkte Anbindung an einen Music Store und den Android Market, der sich an Apples App Store anlehnt. Von deren Erfolg dürfte maßgeblich abhängen, wie erfolgreich Android wird. Das Betriebssystem selbst scheint in einigen Punkten bereits das Zeug zum Marktführer zu haben.

Dennoch bleibt iPhone ein iPhone – und selbst Lifehacker-Autorin Gina Trapani entscheidet sich am Ende trotz aller Liebe zur Open Source dafür, ihr Apple-Smartphone noch nicht gegen ein Android-Telefon einzutauschen. Sie wartet lieber auf Android 2.0 – dann, liebe Gina, könnte Apple allerdings schon das iPhone 3.0 vorgestellt haben.

Bild: Lemoncat1: “Android in my Basement”. Some rights reserved. Flickr

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