Flop 10: Google-Projekte, die eingestellt wurden – von Buzz bis Knol

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Nicht alles, was Google anfasst, wird zu Gold. In den 15 Jahren hinterließ der Gigant immer wieder Unverständnis bei eingestellten Projekten – und einige deutliche Fehlschläge. Bei der letzten Streichrunde musste auch der Google Reader dran glauben, die Gründe bleiben im Dunkeln. Wir erinnern an die Top 10 der Google-Flops und eingestellten Dienste – von Wave bis Labs, Buzz bis Knol.

Flop 10: Google-Projekte, die eingestellt wurden – von Buzz bis Knol

1. Google Wave

google wave
Mit Google Wave sollte die Echtzeit-Zusammenarbeit revolutioniert werden, als Mittelding zwischen Docs, Mail, Chat und Instant Messager. In der Praxis haben wir das Tool in der Redaktion auch zur Themenplanung genutzt, im Endeffekt stellte Wave aber zu hohe Anforderungen – man musste sich von den herkömmlichen Formaten wie Mail oder Chat wegdenken. Wave konnte zu viel und war nicht auf einen Blick verständlich – was sonst ja oft das Geheimnis von Googles Erfolg ist. Erst im Mai 2010 für die Öffentlichkeit freigegeben, wurde das Projekt ab August 2010 schon nicht mehr weiter entwickelt, um dann schließlich im Januar 2012 auf read only gestellt zu werden. Der Name wurde übrigens aus Joss Whedons Sci-Fi-Serie Firefly übernommen, wo Video-Gespräche als “Wave” bezeichnet werden.

2. Google Buzz

Stimmt, Google Buzz gab es ja auch noch: Buzz erweiterte Google Mail um eine Art abgespeckte Facebook-Funktionalität. Man konnte Links/Videos/Worte teilen, Kontakten folgen und deren Nachrichten liken. Lebensspanne: Von Februar 2010 bis Oktober 2011 – dann konzentrierte sich die weitere Entwicklung komplett auf Google Plus.

3. Google Video

Wenn das eigene Projekt keine Fahrt aufnimmt, einfach den Konkurrenten aufkaufen: Im Januar 2005 startete Google seine Youtube-Alternative. Google Video war einerseits eine Video-Suchmaschine, User konnten aber auch ihre Videos hochladen, andere Seiten konnten sie einbetten. 2006 kaufte der Konzern dann Youtube, die Suche und die Dienste wurden verschränkt, und ab 2009 konnte man keine Filme mehr beim ursprünglichen Dienst hochladen.

jaiku-logo
4. Jaiku

Auf dem Microblogging-Sektor wollte Google schnell einsteigen – und kaufte 2007 den gerade mal ein paar Monate alten Twitter-Clon Jaiku auf. Noch nie davon gehört? Was daraus wurde? Im Januar 2012 wurde Jaiku.com vom Netz genommen.

5. Picnik

Picnik war ein Online-Foto-Editor, der in reduzierter Version bei Flickr als Standard genutzt wurde, aber auch alleine in Premium- und Free-Versionen verfügbar war. Google kaufte Picnik 2010, zog aber nach zwei Jahren die Reißleine und stellte den Dienst im April 2012 ab. Einzelne Funktionen wurden in die Bildbearbeitung von Google+ integriert.

6. Google Lively

Lively
Ein paar Monate lang hatte Google auch sein eigenes Second Life: Google Lively bot eine virtuelle 3D-Umgebung, in der man mit einem Avatar herumlaufen konnte, eigene Räume einrichten, und mit bis zu 20 Leuten chatten. Im Juli 2008 gestartet, wurden die Server im Dezember 2008 schon wieder abgeschaltet.

7. Google Answers

Die Frage/Antwort-Community von Google hatte einen Clou: Wer fragte, konnte einen Preis für die Beantwortung ausloben (zwischen 2 und 200 Dollar). Google bekam davon 25% Provision, die Qualität der Texte war aber dafür relativ hoch. Von 2002 bis 2006 existierte Google Answers, das Archiv ist noch bis heute verfügbar.

8. Knol

google knol
Zum Start 2008 wurde Knol (ausgesprochen wie im englischen “knowledge”) vor allem als Wikipedia-Konkurrent wahrgenommen. Dabei setzte Google nicht auf die Crowd-Intelligenz, sondern auf Expertenmeinungen. Daraus entstanden eher Artikel zu einzelnen Fachthemen als ein übergreifendes Lexikon. Innerhalb eines Jahres waren bereits 100.000 “Knols” geschrieben, große Aufmerksamkeit konnte das Projekt jedoch nie erreichen – und wurde im Mai 2012 eingestellt.

9. iGoogle

iGoogle wird zwar erst im November 2013 eingestellt, gehört aber auch in die Liste von Google-Projekten, die eine Online-Nutzung revolutionieren sollten, aber eher auf der Strecke blieben. Dabei steht hinter iGoogle eine schöne Idee: Beim Öffnen des Browsers kommt man auf seine eigene Startseite, die eigene Interessen und Gewohnheiten widerspiegelt, lokale News und gleich die neuen Mails anzeigt. Wurde dann aber doch nicht genutzt.

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10. Google Labs

Nicht direkt ein Online-Projekt, sammelte Google Labs von Anfang an experimentelle Google-Plugins und -Seiten, die schon mal durchprobiert werden konnten. Im Juli 2011 verkündete der Konzern, die Seite einzustellen und die Weiterentwicklung bei den einzelnen Projekten wie Maps, Mail etc. anzusiedeln.

Googles Antwort auf die Zukunft: Google+

Aus der Zeit seit der Gründung von Google Inc. 1998 gibt es also nicht nur Erfolgsgeschichten zu erzählen – die englischsprachige Wikipedia liefert noch eine ausführlichere Liste der eingestellten Google-Projekte. Das Ende vom Reader bleibt immer noch fragwürdig, und wurde von vielen Seiten als Googles Abkehr von der Idee eines freien Internets interpretiert. Andererseits ließ sich der Reader offenbar seit seinem Start 2005 (damals die Nachricht auf GIGA) nicht monetarisieren.

Anstelle von RSS-Feeds empfiehlt das Unternehmen nun sein soziales Netzwerk Google plus, bei dem immer noch nicht klar ist, ob es ein Erfolg oder Flop ist. Momentan tut der Konzern alles, um sein Netzwerk zu etablieren, aktuell mit dem neuen Kommentarsystem auf YouTube. Denn auf diesem Feld finden die Verteilungskämpfe um die Internet-Zukunft und -Märkte statt (na gut, neben dem mobilen Sektor, wo Google mit Android sehr gut positioniert ist). Es sei denn, aus dem Netz heraus entwickelt sich eine Art soziales Upgrade von RSS, eine brauchbare Alternative, die nicht von Unternehmen kontrolliert wird.

(Der Artikel erschien erstmals am 15.3.2013 und wurde zum Google-Jubiläum überarbeitet)

Weitere Themen: Google Plus, google video, Google Wave, Google Buzz, Android One, Project Tango, Nexus 10 FHD (2013), Nexus 5, Motorola X Phone, Google

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