Google+ vs Facebook - Frei für alle! Google reagiert auf schwache Prognosen

Tobias Heidemann
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Googles soziale Netzwerk-Offensive gerät offenbar ins Straucheln. Nachdem mehrere Webstatistikdienste Google+ fallende Besucherzahlen attestiert hatten, wird man heute auf der meistbesuchtesten Webseite der Welt zu seinem Glück gezwungen. Ein blauer Pfeil weist dort den Weg zur Google+ Anmeldung. Waren zuvor nur technikbegeisterte Early Adopters und deren eingeladene Gefolgschaft zum neuen Netzwerk zugelassen, dürfen sich nun also auch Normalsterbliche ein Bild vom Facebook-Konkurrenten machen. Bleibt der erhoffte Ansturm aus, hat Google allerdings ein Problem.

Google+ vs Facebook  - Frei für alle! Google reagiert auf schwache Prognosen

Mit Google+ startete der Onlineriese vor zwei Monaten den Versuch, sich als Alternative zu Facebook zu positionieren. Der von der Netzwelt aufmerksam verfolgte Konkurrenzkampf stand dabei von Beginn an unter keinem guten Stern (wir berichteten). Zwar hatten die beeindruckenden Wachstumszahlen des klassischen Me-too-Produktes einen veritablen Hype produzieren können (mehr als 25 Millionen Nutzer in wenigen Wochen), bei genauerer Betrachtung musste die Massentauglichkeit von Google+ aber noch mit einem fetten Fragezeichen versehen werden.

Google+ schwächelt

So gelang es dem Weltkonzern, das durchaus vorhandene Abwanderungspotential genervter Facebook-Nutzer zum Beispiel durch die Debatte um den Klarnamenzwang, die legere Haltung zum Thema Privatsphäre und die geplanten Werbestrategien in digitales Wohlgefallen aufzulösen.


Die schlechten Prognosen, die in der vergangenen Woche von Webstatistikdiensten wie DreamGrow und Experian Hitwise lanciert wurden, scheinen diese Einschätzung nun zu untermauern. Google+ schwächelt – so lautet das einfache Credo der statistischen Untersuchungen. Demnach sei das Interesse an Google+ im August und in der Septemberwoche nicht angestiegen, sondern bereits wieder abgeebbt. Experian Hitwise sah die Besucherzahlen für die letzte Augustwoche um 5,5 % sinken. DreamGrow sah den Anteil des Google+ Datenverkehrs gar um ein Drittel einbrechen und ließ verlautbaren: “Wenn dieser Trend anhält, wird Google ein Problem bekommen”.

Ein “Problem” hatte Google+ von Anfang an, denn der Konzern rennt Social Media-Primus Facebook im Prinzip nur hinterher. Das als “Facebook mit Ringen” verschriene Nachahmerprodukt, braucht echte Innovationen und genau an diesen fehlt es bisher. Während Facebook in dieser Woche mit seinen neuen Multimedia-Features und Gerüchten nach auch mit einer kompletten Überarbeitung der Like-Buttons den Abstand zum Verfolger Google+ größer werden lässt, droht der Herausforderer abgeschlagen zu werden.

Der Herausforderer reagiert

Grund genug also für Google jetzt mächtig aufs Gas zu drücken und etwaige Asse im Ärmel zeitnah auszuspielen. Genau das ist heute passiert. Wer die Startseite von Google öffnet, wird mittels eines animierten Pfeils direkt auf das bisher verdeckte Poker-Blatt verwiesen. Das Unternehmen öffnet ab heute sein Netzwerk für alle.


Spiegel Online verwies in diesem Zusammenhang zu Recht auf die pikante Tatsache, dass Google-Vertreter sich heute im US-Senat zu den Vorwürfen der Wettbewerbsverzerrung äussern müssen. Da Google für die Eröffnung seines sozialen Netzwerkes die wahrscheinlich teuerste Werbefläche der Welt gewählt hat – die eigene wohlgemerkt – dürfte das ein recht merkwürdiges Signal an die US-Kartellbehörde FTC senden.

Vielleicht ist all das ein Indiz für dafür, dass wir es tatsächlich schon mit einer Verzweiflungstat zu tun haben. Vielleicht rennt die Internetwelt Google+ aber auch ab heute die Bude ein. So oder so – das nächste Kapitel der Google+ vs Facebook-Saga hat begonnen. Die nächsten Wochen dürften spannend werden.

Weitere Themen: Google I/O 2016, Google I/O 2015, Google I/O 2014: Termin und Ort der Entwicklerkonferenz stehen fest, Google Cast für Chrome, Google Chrome 64-Bit, Google Chrome, Google Earth, Google Earth Pro, Chromecast App für Windows, Google

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