Google+ vs Facebook - Hat der Nachahmer überhaupt eine Chance?

Tobias Heidemann
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Google+ will Facebook den Rang ablaufen. Zumindest wenn es nach Vorstandschefs Larry Page geht. Larry und die Seinen haben sich dafür ein paar schicke Kreise ausgedacht, mit denen man kinderleicht seine virtuelle Lebenswelt in Arbeit und Privates einteilen kann. Ansonsten bietet Google+ nur wenig Neues. Hat das weitgehend innovationsarme Nachahmerprodukt also überhaupt eine Chance? Offenbar schon, denn aktuelle Zahlen belegen: Google+ entwickelt sich vergleichsweise prächtig.

Google+ vs Facebook - Hat der Nachahmer überhaupt eine Chance?

Experten hatten Google+ zu Beginn noch mit einem müden Lächeln quittiert. Ein innovationarmes Me-too-Produkt sei es, das wie die letzten Vorstöße des Unternehmens – Stichwort Buzz – einen langsamen und qualvollen Tod auf dem Schlachtfeld der nachahmenden Markfolger sterben würde. Die aktuellen Zahlen zur Entwicklung von Google+ sprechen nun eine ganz andere Sprache.

Die Rede ist von weit über 20 Millionen Usern nach nur wenigen Wochen. In Deutschland könnte Google+ bald die Millionengrenze knacken. Das ist in der Tat ein recht stattliches Wachstum. Allerdings gilt es den mit diesen Zahlen einhergehenden Sinneswandel in der Fachpresse und deren Prognosen-Euphorie auch wieder ein wenig zu bremsen.

Kann Google+ mehr als Facebook nachahmen?
So scheinen zum Beispiel die unlängst angestrengten Vergleiche mit den damaligen Wachstumszahlen von Facebook im besten Fall totaler Quatsch zu sein. Schließlich standen MySpace, Orkut und Facebook seinerzeit vor der schwierigen Aufgabe, der Netzwelt erst einmal erklären zu müssen, warum sie überhaupt ein soziales Netzwerk braucht. So manch einer mag die Gründe für Facebooks Existenz inzwischen wieder vergessen haben – fest steht: Heute weiß jedes Kind, was Facebook ist und wer Melanie gestern im Schwimmbad “voll fies untergetaucht” hat.


Das derzeitige Wachstum von Google+ sollte somit unter den Marktbedingungen einer klassischen Produkt-Alternative betrachtet werden – denn nichts anderes ist Google+ bisher. Eine komfortable und leicht zu bedienende Alternative zu Facebook, die insbesondere in der Tech-Szene auf großes Interesse stößt. Ob Google+ jemals die breite Masse erreichen wird, ist noch vollkommen offen.

Bei genauer Betrachtung sind die Zahlen dann auch weit weniger beeindruckend. Noch kann Facebook zum Beispiel 90-mal mehr Verkehr auf seiner Domain verzeichnen. Will man sich wirklich als ernsthafter Konkurrent zum Marktführer Facebook etablieren, muss Google+ also noch gehörig nachlegen.

Mit anderen Worten: investieren. Bisher ist über das konkrete Geschäftsmodell von Google+ noch wenig bekannt. Die Unsummen, die das Unternehmen in sein riskantes Projekt geschaufelt haben dürfte, müssen aber auf lange Sicht refinanziert werden. Der Monetarisierungsplan dafür liegt natürlich längst in einer Schublade der Chefetage bereit.


Datensammeln – das Geschäftsmodell von Google+
Eine mehr als wahrscheinliche Strategie ist das Sammeln von Nutzerdaten. Namen, E-Mail-Adressen, Themeninteressen, Freundeslisten und Surfverhalten. Google+ will und wird mit Bürgerdaten richtig Geld verdienen.

Mit dem Kampf zwischen den Internetgiganten Facebook und Google steht uns in den nächsten Jahren auch ein ständiges Unterlaufen der Scham- und Rechtsgrenzen bevor. Die jüngste Debatte um den Klarnamen-Zwang bei Google, das Gesichtserkennungsfeature oder die Möglichkeit, auf seiner Facebook-Seite den noch ungeborenen Nachwuchs einzupflegen, seien hier nur als aktuelle Beispiele aufgeführt.

Interessanterweise wird im Zuge der momentanen Wachstumsprognosen für Google+ auch immer wieder gern darauf verwiesen, dass beinahe die Hälfte der Facebook-Nutzer vom sozialen Netzwerk ihres Vertrauens genervt sind. Dementsprechend hoch seien das allgemeine Abwanderungspotential der Facebook-Nutzer zu Google+. Was bei dieser Analyse unter den Tisch fällt, ist die Tatsache, dass der Hauptgrund für die Unzufriedenheit der Facebook-User im Zuckerbergschen Schundluder mit den Privatsphäre-Einstellungen liegt. Wenn die Facebook-Nutzer also abwandern, dann weil sie sich einen userfreundlichen Umgang mit ihrer Privatsphäre wünschen.


Google+ bewegt sich in puncto Privatsphäre aber auch nur im Rahmen des Status Quo. Vielleicht ist der Weg zu den relevanten Einstellungen hier noch etwas transparenter gestaltet – die grundlegende Haltung zu unserer Privatsphäre ist aber schon jetzt die gleiche – Geld verdienen.

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