Internet: Die Problematik des digitalen Nachlasses

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Facebook, Twitter, Google+, E-Mail usw. Wir haben bei vielen Internetdiensten Accounts und viele unserer Daten lagern auf deren Servern. Doch wie geht es mit unserer digitalen Existenz weiter, wenn wir nicht mehr in der Lage sind, diese selbst zu verwalten? Müssen die Daten bis in Ewigkeit verfügbar sein und welche Rechte haben Angehörige?

Vor einigen Jahren hat sich kaum jemand mit diesen Fragen beschäftigt. Doch je älter das Internet und auch dessen Nutzer werden, desto wichtiger wird die Frage, was im Falle des Todes oder schwerster Krankheit mit den eigenen Hinterlassenschaften im World Wide Web passiert.

Digitale Menschen

Verschiedene Dienste, verschiedene Handhabungen

In dem Fall, dass die Indentität eines Kontobesitzers klar und dieser verstorben ist, bieten viele Dienste Möglichkeiten an, um Angehörigen Zugriff auf die Kontoverwaltung zu geben:

Twitter und Yahoo gewähren niemandem Zugriff auf Konteninhalte, eine Deaktivierung des Kontos ist aber möglich, wenn Unterlagen wie die Sterbeurkunde eingereicht werden. Microsoft und GMX bieten zusätzlich den Zugriff auf Konteninhalte, wenn der Anfragende eine Bevollmächtigung oder einen Erbschein vorlegt. Für Facebook gilt dasselbe wie für die vorigen beiden, jedoch kann hier ein Antrag auf Herstellung des Gedenkzustands gestellt werden, mit dem das Konto teilweise aktiv bleibt.

Googles Herangehensweise: Kontoinaktivität-Manager

Es stellt sich natürlich die Frage, wie wichtig die digitale Nachlassverwaltung eigentlich ist. Denn die Hinterbliebenen müssen bisher einen relativ hohen Aufwand betreiben, um Zugriff auf ein Konto zu bekommen. Es müssen verschiedene Dokumente beglaubigt, verschickt und vom Dienst verifiziert werden. Ob Angehörige wirklich die Nerven und die Zeit dazu haben, diese langen Wege zu gehen, um eine Deaktivierung des Kontos zu erreichen, ist fraglich.

Um dieses Problem zu lösen oder zumindest einfacher zu verwalten, hat Google den Kontoinaktivität-Manager eingeführt. Hier kann der Nutzer noch während seiner aktiven Zeit festlegen, wie mit seinen Daten umgegangen werden soll, wenn er sich in einer festgelegten Periode nicht in seinen Google-Account eingeloggt hat.

Erreicht der Nutzer den voreingestellten Inaktivitätszeitraum, erhält er eine Benachrichtigung per SMS oder E-Mail. Außerdem können bis zu 10 weitere vertrauenswürdige Freunde von der Inaktivität benachrichtigt werden. Für jeden Freund kann festgelegt werden, ob dieser Zugriff auf bestimmte Teilde der eigenen Daten bekommt. Optional kann das Google-Konto bei Inaktivität auch gelöscht werden. Die Löschung beinhaltet alle Daten, die mit Produkten von Google verknüpft sind (öffentl. Daten, YouTube-Videos, Blogs, Google+-Beiträge etc.).

Diese Methode gestaltet sich weitaus angenehmer als bei anderen Diensten, da Hinterbliebene automatisch benachrichtigt werden und den Zugriff bekommen, der für sie vorgesehen ist.

Ende

Probleme gehen, neue entstehen

Natürlich löst der Kontoinaktivität-Manager nicht das Problem, wenn sich jemand nicht um seine digitale Hinterlassenschaft kümmert. Und selbst wenn er sich kümmert, betrifft dieser Service nur das Google-Konto. Zu bedenken ist auch, dass womöglich ehemalige Freunde, mit denen man nicht mehr in Kontakt steht, Zugriff auf die eigenen Daten bekommen, wenn der Google-Nutzer vergisst, diese aus der Liste der vertrauenswürdigen Freunde zu entfernen.

Das Thema der digitalen Hinterlassenschaften bleibt also weiterhin spannend, da es bisher keine Patentlösung gibt. Beschäftigen müssen wir uns aber damit, da es uns, die aktiv im Internet unterwegs sind, alle früher oder später betrifft. Wie seht Ihr das Thema, welche Maßnahmen und Möglichkeiten sollte es geben?

Quellen: Google, WDR, NDR, Focus,  Titelbild: DPA

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