Kommentar: Google und die Frauenfeindlichkeit

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Sexismus und Diskriminierung am Arbeitsplatz stehen für viele Frauen leider immer noch an der Tagesordnung. Vielleicht schlug deshalb ein – wie ich finde – ziemlich sexistisches Manifest eines Google-Mitarbeiters ein, wie eine Bombe. Seine Meinung mal heruntergebrochen: Frauen haben eigentlich nichts im Tech-Bereich zu suchen. Und schuld daran sind natürlich unsere Gene. Einen größeren Mist habe ich selten gelesen. Ein Gastkommentar von Jessica Tomala.

„Die Verteilung von Vorlieben und Fähigkeiten zwischen Männern und Frauen unterscheidet sich auch aus biologischen Gründen, und diese Unterschiede können erklären, warum wir keine gleiche Vertretung von Frauen in Tech-Führungsrollen haben“, schreibt James Damore so lapidar in seinem Memo. Viel Empörung schlug ihm dafür entgegen, sowohl im Netz, als auch bei Google selbst. Traurig ist: Gleichzeitig fanden sich in der Belegschaft auch einige Unterstützer.

Ich bin zwar keine Programmiererin, sondern Redakteurin, aber würde ich mit James Damore, dem Verfasser des zehnseitigen internen Manifests bei Google, zusammenarbeiten: Ich hätte meinen morgendlichen Kaffeebecher wohl einfach über seinem Kopf ausgeleert. Der Google-Entwickler, der laut der Nachrichtenagentur Bloomberg nicht mehr beim mächtigen Technologiekonzern beschäftigt ist, scheint wohl noch nicht verstanden zu haben, dass Stereotype in der sich weiterentwickelnden Gesellschaft in der wir leben, einfach out sind.

Auch Männer werden Erzieher

Genauso wie es Männer gibt, die gerne als Erzieher, Steward, Friseur, Modedesigner oder Altenpfleger arbeiten, ist für viele Frauen ein Job in einem Technologieunternehmen ihr Wunschtraum. Und nein, ich meine nicht, dass sie dort als Sekretärin arbeitet. Sondern an der Entwicklung neuer Programme und Features beteiligt ist, Ideen teilt, Prototypen baut, sich über Erfolge freut und Misserfolge an ihr nagen.

Denn wie James Damore in seinem Memo schreibt, seien Frauen eher „offener gegenüber Gefühlen und Ästhetik als gegenüber Ideen“. Misserfolge treffen mich als Frau also eher als einen Mann? Ich verkrieche mich vielleicht in die Ecke, während ER schon an seinem neuen Plan feilt, wie er seinen Fehler wieder behebt? Schwachsinn. Natürlich ärgere ich mich, bin vielleicht traurig darüber, aber was ist falsch daran, da mal Gefühle zu zeigen? Absolut gar nichts. Das geht Männern nicht anders.

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Aufstehen, Krone richten, weitermachen!

Genau diese Gefühlsduselei sei aber der Grund dafür, warum Frauen generell lieber soziale oder künstlerische Branchen vorziehen würden. Aha, weil man als Sozialarbeiterin oder Altenpflegerin nicht oftmals mit miesen Umständen und Schicksalen konfrontiert wird, bei denen die eigenen Gefühle ausgeblendet werden müssen, damit man seinen Job trotzdem weiterführen kann? Ist das nicht auch so etwas wie die „Systematisierung“, von der er spricht, die eigentlich eher Männern liegt?

Besonders aufgeregt habe ich mich über seine Anmerkungen dazu, dass Frauen generell „weniger Stress ertragen“ können und Männer eher in Führungspositionen vertreten sind, weil diese oft „lange, stressige Stunden mit sich bringen, die es nicht wert sind, wenn man ein ausgeglichenes und erfülltes Leben führen will.“ Ich möchte James Damore herzlich dazu einladen, mal bei mir vorbeizuschauen, wenn hier wieder die Hütte brennt. Stresssituationen pushen mich. Wenn ich einen Blick auf meine Kolleginnen werfe, sehe ich da ein ähnliches Muster. Und auch wenn wir mal kurz fünf Minuten unseren Gefühlen freien Lauf lassen müssen: Wie heißt es so schön? „Aufstehen, Krone richten, weitermachen!“

Dieser Text ist ein Gastbeitrag von Jessica Tomala von Erdbeerlounge.

Quellen: Bloomberg, Zeit

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