Nach Milliardenstrafe: EU knöpft sich Google wegen Android vor

Simon Stich
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Gerade erst wurde Google zu einer Rekordstrafe verdonnert, jetzt gehen die EU-Wettbewerbshüter das nächste Thema an: Google Android. Es geht um den Zugang zu Google Play und um Google als Standardsuche. Eine erneute Strafzahlung könnte den gerade erst aufgestellten Rekord nochmal übertreffen.

Nach Milliardenstrafe: EU knöpft sich Google wegen Android vor

Google und die EU-Kommission treffen sich wohl bald schon wieder. Erst vor einer Woche wurde der Konzern mit einer satten Rechnung ausgestattet: 2,42 Milliarden Euro muss Google zahlen. Hintergrund ist die bevorzugte Einblendung von Google-Shopping-Ergebnissen, die nach Ansicht der EU-Kommission wettbewerbswidrig ist. Jetzt wird das nächste Kapitel aufgeschlagen. Nicht die Suchergebnisse, sondern Google Android steht nun im Mittelpunkt des Interesses.

Neue EU-Expertenkommission ermittelt

Die Ermittlungen wegen Android laufen schon seit April 2016. Jetzt wurde allem Anschein nach ein neues Expertengremium eingerichtet, um die Kartelluntersuchung zu unterstützen. Sollten diese Experten zu dem gleichen Ergebnis kommen wie die EU-Kommission, wird noch in diesem Jahr mit einer abschließenden Entscheidung gerechnet.

Die EU sieht einen möglichen Verstoß gegen verschiedene EU-Kartellvorschriften. Zum einen wird Google beschuldigt, konkurrierenden Suchmaschinen den Marktzugang zu versperren. Google ist als Standardsuche auf allen Geräten mit Android als mobilem Betriebssystem eingestellt. Zum anderen wird Google vorgeworfen, den Zugang zur digitalen Vertriebsplattform Google Play an Bedingungen zu knüpfen. Dazu gehört unter anderem die Vorinstallation von vielen Google-eigenen Apps auf Smartphones und Tablets.

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Google Play Dienste

Neue Rekordstrafe gegen Google möglich

In diesem Zusammenhang wird auch Googles „Anti-Fragmentation Agreement“ von der EU-Kommission kritisiert. Google hat in der Tat ein „Mobile Application Distribution Agreement“ (MADA). Wer Android vertreiben möchte, der muss bestimmte Apps vorinstallieren, um Zugriff auf Google Play zu bekommen. Nicht jeder Hersteller nutzt die MADA-Vereinbarung. Amazon bietet seine Fire-Tablets zum Beispiel deshalb ohne Google Play an, das über Umwege aber dennoch auf die Geräte kommen kann.

Die EU könnte sich bei ihren intensivierten Ermittlungen auch auf ein Urteil in Russland stützen. Hier war Google im April zu einer Zahlung von 7,3 Millionen Euro verdonnert worden. Der Konkurrent Yandex hatte geklagt, dass Google seine Marktmacht dazu nutzt, um russischen Anbietern den Weg zu versperren.

Sollten die EU-Wettbewerbshüter ein schädliches Verhalten von Google feststellen, könnte die neue Strafe den gerade erst aufgestellten Rekord brechen. Möglich wäre auch eine EU-Forderung nach gänzlich neuen Bedingungen für den Zugang zu Google Play, zu vorinstallierten Apps und der Standardsuchmaschine.

Quelle: Reuters

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