Nexus-Day: Googles peinliches Bestelldebakel [Kommentar]

Daniel Kuhn
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Heute fand endlich der langersehnte Verkaufsstart der vor neuen Android-Flaggschiffe Nexus 4 und Nexus 10 statt, auch das Nexus 7 ist seit heute in der 3G-Variante verfügbar. Dass der Ansturm groß sein würde, war abzusehen – dass die Google-Server allerdings dermaßen große Probleme haben würden, der Nachfrage standzuhalten, hat viele potentielle Käufer nicht nur überrascht, sondern verärgert. Mit Recht.

Nexus-Day: Googles peinliches Bestelldebakel [Kommentar]

Wenn derart gut ausgestattete Smartphones und Tablets wie das Nexus 4 und das Nexus 10 zu Tiefstpreisen verkauft werden, muss man kein Hellseher sein, um zu ahnen, dass sich viele potenzielle Käufer dafür interessieren und die Nachfrage entsprechend groß werden dürfte. Gerade Google kann mit erstaunlicher Genauigkeit Wahlergebnisse voraussagen, das hohe Kaufinteresse für das Nexus 4 zu erahnen, ist auch keine Raketenwissenschaft. Und wenn ein Konzern große Serverfarmen besitzt, um auch einer DDoS-artigen Anfragenpenetration der Gerätesektion im Play Store Herr zu werden, dann Google.

Und doch ging alles schief, was nur schiefgehen konnte.

Zum einen das Hin-und-Her zum genauen Verkaufszeitpunkt des Nexus 4, Nexus 7 3G und Nexus 10. Außer dem Datum wusste niemand genau, wann es losgehen sollte. Nicht einmal Google Deutschland-Sprecher Stefan Keuchel (dem in dem Zusammenhang kein Vorwurf zu machen ist) wusste gestern, wann es genau losgeht: die Angaben changierten zwischen nachmittags/früher Abend und morgens, zum Frühstück.

Gerade diese Unsicherheit, wann der Verkauf denn nun genau losgeht, bewirkte, dass zahlreiche Nutzer Browsererweiterungen zum konstanten Neuladen der Seite oder vergleichbare Skripte laufen ließen, um den Moment des Verkaufsbeginns nicht zu verpassen – und damit mutmaßlich bewirkten, dass kaum jemand problemlos sein Wunschgerät kaufen konnte, als die Nexus-Devices um 9:12 Uhr in Deutschland gelistet wurden.

Ich persönlich habe den Play Store seit 7 Uhr observiert – das Objekt meiner Begierde, die 16 GB-Version des Nexus 4, stets im Augenwinkel. Als es dann endlich soweit war und der Play Store seine virtuellen Ladentüren öffnete, muss sich auf den Servern ein Bild dargeboten haben, wie früher zum Beginn des Sommerschlussverkaufs oder heute bei der Eröffnung eines neuen Media Marktes.

Was ich dann erlebte, passierte vielen: Nachdem das Objekt der Begierde im Warenkorb platziert wurde, wollte ich schnell zur Kasse und den Kauf abschließen – doch Moment, von wegen schnell. Nach langen Sekunden Wartezeit folgte die erste Fehlermeldung.

Daraufhin leerte sich der Warenkorb wie von Geisterhand. Gleiches geschah dem Kollegen Frank, der parallel ebenfalls versuchte, im Play Store Geräte zu bestellen. Bei meinem zweiten Anlauf klappte der Bestellvorgang zwar, wurde allerdings mit der Meldung beendet, dass Probleme aufgetreten seien.

Irritierenderweise wurde meine Bestellung trotz der Fehlermeldung platziert. Kollege Frank erlebte ähnliches: Seine Bestellung eines Nexus 10 und eines Nexus 4 wurde laut Google-System aufgrund eines Fehlers abgebrochen – fand sich anschließend aber trotzdem in der Bestellübersicht. Mitsamt eines weiteren Nexus 10, dessen Kauf nach zahlreichen fehlerhaften Versuchen irgendwann endlich geklappt hatte.

Ein wichtiger Hinweis von uns in dem Zusammenhang: Jeder, der heute morgen versucht hat, Nexus-Geräte zu bestellen – egal ob erfolgreich oder erfolglos – sollte in seiner Google Play-Bestellübersicht überprüfen, ob und wenn ja, welche Bestellungen letztendlich bei Google angekommen sind.

Etwa zwanzig Minuten nach dem Verkaufsstart waren die Nexus 4-Varianten sowie das Nexus 10 bereits restlos vergriffen. Viele erfolglose Kaufwillige waren enttäuscht und verärgert und machten sich im Kommentarbereich unter unserem Artikel Luft. In vier Stunden kamen über 200 Kommentare zusammen. Blanker Hohn, dass die Mail-Benachrichtigungen zur Verfügbarkeit von Google bei vielen erst eintrafen, als die Geräte längst vergriffen waren.

Man könnte einwenden, dass mit diesem Ansturm aufgrund des angedeuteten Preis-Leistungs-Verhältnisses zu rechnen war, allerdings ist es auch weniger die Tatsache, dass die Geräte derart schnell ausverkauft waren, die bei vielen Kunden zu Verärgerung und besorgniserregend hohem Puls gesorgt haben, sondern vielmehr die Probleme bei Google: unzureichende Informationspolitik im Vorfeld, intransparente Fehlermeldungen und gelöschte Warenkörbe, schließlich abgebrochene Bestellungen, die dann trotzdem wieder auftauchen.

Gerade von einem Unternehmen dieser Größenordnung, das über beeindruckende Server-Anlagen verfügt, hätte man derartige Probleme nicht erwartet. Am Ende bleibt ein fader Beigeschmack, der hoffentlich verflogen ist, wenn die Geräte dann an die glücklichen Käufer ausgeliefert werden. Allen, die leer ausgegangen sind, bleibt lediglich die Hoffnung, dass Google bald eine weitere Lieferung erhält und dass bis dahin die Server sowie das Shop-System für den gleichermaßen zu erwartenden zweiten Ansturm gerüstet sind. Eine aktuelle Erklärung von Google Deutschland auf Google+ liest sich allerdings nicht sehr hoffnungsfroh:

Wir sind überwältigt von dem großen Interesse unserer Nutzer am Nexus 4 und Nexus 10 und bedauern gleichzeitig, dass noch nicht alle Interessenten zum Zuge kommen konnten. Beide Geräte waren innerhalb kurzer Zeit ausverkauft.

Natürlich setzen wir alles daran, sie so schnell wie möglich wieder verfügbar zu machen. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir aber leider keine Aussage darüber treffen, wann der nächste Schwung an Geräten über Google Play erhältlich sein wird.

Wir werden euch natürlich umgehend informieren, sobald sich etwas an der Verfügbarkeit der Nexus-Geräte ändert.

Wie habt ihr die heutige Nexus-Verkaufsveranstaltung erlebt? Eure Eindrücke in die Kommentare.

Dieser Artikel ist ursprünglich auf androidnext.de erschienen. androidnext und GIGA ANDROID sind jetzt eins. Mehr erfahren.

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