Warum Google sich gegen H.264 entschied

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Vor wenigen Tagen gab Google bekannt, dass die kommenden Versionen des Browsers Chrome den Video-Codec H.264 nicht mehr unterstützen werden. Daraufhin spekulierten viele, welche Gründe wohl hinter dieser Entscheidung gestanden haben mögen. Mancher mag die Unabhängigkeit von geschützten Codecs für entscheidend erachten. Jason Perlow erläutert für ZDNet, dass er einzig und allein die Struktur-Kosten für relevant hält.

Während in den Weiten des Internet eine Art Religionskrieg zwischen den Anhängern verschiedener Video-Formate geführt zu werden scheint, reduziert der IT-Experte Perlow das Problem auf einen einzigen Rechnungsposten: Infrastruktur. Wer, wie Google, mehrere Milliarden US-Dollar Umsatz im Jahr verzeichnet, bezahlt die läppischen Lizenzgebühren für einen Video-Codec aus der Portokasse.

Ebenso wenig gehe es darum, sich mit der Plattform Chrome von Apple, Microsoft und anderen Konkurrenten abzugrenzen. Vielmehr habe Google die Konsolidierung einer Format-Vielfalt im Sinn, welche die Kosten für Server-Infrastruktur des Video-Portals YouTube in astronomische Höhen wachsen lässt. Neben den Anlagen zur Unterhaltung der Suchmaschine Google sei dieser Posten das zweitgrößte Milliarden-Loch in Mountain View. Viele hundert Exabyte (1 Exabyte = 1.000.000 Terabyte) lagern auf Festplatten und werden den Nutzern täglich zur Verfügung gestellt.

Nachdem das Unternehmen im Jahr 2008 damit begonnen hatte, HD-Videos zuzulassen, waren die Kosten explodiert. “Wer Inhalte in verschiedenen Formaten und verschiedenen Auflösungen unterstützen möchte, braucht ein größeres Boot”, so Perlows Einschätzung.

Also sei das langfristige Ziel, das mit der Reduzierung auf nur wenige unterstützte Video-Formate erreicht werden soll, die Entlastung der YouTube-Server. Weniger zulässige Formate bei YouTube bedeuten geringere Infrastruktur-Kosten. Dementsprechend wird auch der Browser aus dem mobilen Betriebssystem Android nicht mehr all zu lang mit einer Version auf sich warten lassen, die von H.264 nichts mehr wissen will.

Apple, RIM und andere Hersteller werden sich kaum leisten können, ihren Anwendern den Zugang zu YouTube-Videos zu verwehren. Den Schritt Googles weg von H.264 und hin zu WebM und Theora wird ihnen also bald das eine oder andere bekannte Unternehmen nachmachen müssen.

Weitere Themen: H.264, Google I/O 2016, Google I/O 2015, Google I/O 2014: Termin und Ort der Entwicklerkonferenz stehen fest, Google Chrome 64-Bit, Google Chrome, Google Earth, Google Earth Pro, Chromecast App für Windows, Google

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