WebM statt H.264: Suche nach Googles Motivation

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Googles Entscheidung, die Unterstützung des von Apple und vielen anderen Unternehmen favorisierten Video-Codecs H.264 aus seinem Browser Chrome zu entfernen, sorgt weiter für Aufregung. Während Google HTML5 offiziell aus einer “Sackgasse” befreien wollte, liegt der Schluss nahe, dass das Unternehmen einfach seinen eigenen Standard WebM stärken möchte – und vielleicht auch Apple ärgern will.

Googles eigener Standard

Im Mai letzten Jahres hatte Google seinen eigenen Codec WebM vorgestellt, der auf dem Format VP8 basiert. VP8 stammt wiederum vom Unternehmen On2 Technologies, das Google 2009 übernommen hatte. Letzte Woche gab das Unternehmen im Blog zum Open-Source-Projekt Chromium bekannt, dass zukünftige Chrome-Versionen nicht mehr H.264, sondern nur noch WebM als HTML5-Video-Standard unterstützen werden. Der Browser Chrome basiert wiederum auf dem Chromium-Projekt.

Mutmaßliche HTML5-Sackgasse

Google selbst stellt die Entscheidung als eine zugunsten offener Innovationen dar. Tatsächlich hat WebM den Vorteil, dass Lizenzen kostenlos erhältlich sind, während für H.264 Lizenzgebühren fällig werden. So erklärt sich auch, warum der Chrome-Produktanager Mike Jazayeri in einem Blog-Eintrag von einer “Sackgasse” für HTML5 spricht.

Googles Favorit Linux

AppleInsider verweist allerdings darauf, dass eine solche nur scheinbar existiere. Zum einen sei HTML wie auch bei Bild- und Audio-Dateien verschiedenen Formaten gegenüber neutral. Darüber hinaus würden Lizenzgebühren für Browser nur dann fällig, wenn das unterstützte Betriebssystem nicht ohnehin schon H.264-Support biete. Bei Windows und Mac OS X sei das der Fall. Apple und Microsoft, die ihre Browser nur für diese Systeme anbieten, müssten daher nichts zusätzlich bezahlen.

Die H.264-Kosten träfen daher nur Entwickler von Browsern mit Linux-Versionen wie Mozilla, Opera oder eben Google. Die Kosten für Linux-Lizenzen hielten sich allerdings wiederum in Maßen, da es sich in Sachen Marktanteil Nischenbetriebssystem handle. Eben das wolle Google mit seinen Linux-basierten Systemen Android und Chrome OS aber ändern.

Apple ärgern oder Adobe helfen

Dan Frommer von Business Insider stellt sich ebenfalls die Frage, wem der Schritt nützt und was Google für Pläne hat. Zum einen greift er den Gedanken vom ZDNet-Autor Jason Perlow auf, dass Google die Server-Infrastruktur der eigenen Website YouTube schonen wolle. Lägen dort alle Videos im WebM- und H.264-Format, also doppelt vor, treibe dies die Kosten in die Höhe.

Sollten einige oder alle YouTube-Videos eines Tages aber nicht mehr in dem von Apple favorisierten Format vorliegen, müsste sich der Konkurrent aus Cupertino möglicherweise angesichts der Vormacht von YouTube für Online-Videos an Google anpassen – was ein Triumph für Google darstellte. Benutzer von Android- und Chrome-OS-Geräten, die bald vielleicht kein H.264 über HTML5 mehr unterstützen, blieben wiederum nicht im Regen stehen. H.264-Videos könnten sie sich immer noch über Adobes Flash ansehen. Die Rückendeckung für Adobe dürfte wiederum Apple ärgern – versucht das Unternehmen doch seit geraumer Zeit, Flash zugunsten von HTML5 zu schwächen.

Weitere Themen: H.264, Android One, Project Tango, Nexus 10 FHD (2013), Nexus 5, Motorola X Phone, Google Play Geschenkkarten, Google Chromebook Pixel, Google Smartwatch, Google


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