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Palm CEO Jon Rubenstein über Palm, webOS, Apple und das iPhone

Bernd Korz

Einst bei Apple unter Steve Jobs gedient und einen unglaublichen Anteil am iPhone gehabt entschloss sich Jon Rubenstein, andere den Erfolg feiern und diese an den eigenen teilweise falschen Lorbeeren schnuppern zu lassen.

Nachdem das iPhone auf dem Markt war, wollte Rubenstein mehr, er wollte Multitasking, eine Sammelmailbox und viele andere Features, die nun Jahre nach seinem Ausscheiden endlich gehör gefunden hatten. Rubenstein jedoch wollte nicht so lange warten und nahm damals prompt eine neue Herausforderung an, er ging zu dem maroden Unternehmen Palm Inc.

Palms Erfolge lagen schon viele Jahre zurück und keiner im Unternehmen schaffte es, wieder die Siegerstraße einzubiegen. Selbst die Abkapselung des Softwareteils in Palm Source half nicht mehr weiter. Dem Ende nahe und keine Geräte mehr auf dem Markt, die Konkurrenzfähig waren, kam Rubenstein wie gerufen.

Er, einer DER Köpfe des iPhones, Palm mit einem neuen Smartphone und der Spielwiese die Rubenstein gesucht hat. webOS ist gut, daran besteht kein Zweifel, es war schon mit der ersten Version fast iPhone OS 4.0. Doch eines fehlt dem Unternehmen, was Rubenstein sicherlich schon schmerzlich feststellen musste: Die Fantreue sowie die Loby von Jobs und Apple.

Fakt ist aber bisweilen, dass die Verkaufszahlen mehr als nur ernüchternd sind, oder dass Verizon nun doch mit Googles Android anbandelt und lieber das Motorola Droid ins Programm aufgenommen hat. Ebenso die Weihnachtsverkäufe waren alarmierend und die Aktie steht bei mageren US$ 4 was im Vergleich zu anderen einem Ruin gleich bewertet kommen könnte. Das Unternehmen ist definitiv ins Straucheln geraten und muss nun dafür kämpfen, hier wieder aus dem Tal zu kommen.

In einem Interview mit CNN spielt er darüber wie es für Palm aussieht und wo die Reise (hoffentlich) hinführt und was er über die Konkurrenz wie Apple und Google sowie das iPhone OS 4.0 und Android denkt (auszugsweise):

CNN: Eine alte Weisheit sagt, dass ein Unternehmen in einer Schieflage wie Palm entweder das Geld ausgehen oder verkauft wird

Rub.: Es ist unbestreitbar, wir haben einen starken Abwärtstrend was den Aktienwert angeht und das ist auch sehr enttäuschend und frustrierend, doch Palm hat unglaublich wertvolle Technologien und unbezahlbares Know How auf dem Markt. Wir haben ein starkes Team, was in den letzten 18 Monaten ein sehr beeindruckendes Projekt wie WebOS aus dem Boden gestampft hat. Die Bedienung und die Features, die sie erst Mitte 2010 im iPhone OS 4.0 finden werden…

Wir haben alles, was man braucht um erfolgreich zu sein und davon sind wir überzeugt. Jedoch dauert es länger als wir eingeplant und uns erhofft hatten, um diesen Erfolg auch spüren zu können. Unser Unternehmen hat knappe US$ 590 Mio auf der Bank und wir haben Pläne, dieses Unternehmen wieder nach vorne zu bringen. Ich habe gelesen, dass wir bereits pleite sind und das unsere Aktien keinen Dollar mehr wert sein würden, doch das ist alles nicht richtig.

CNN: Ein Wallstreet Analyst hat prognostiziert, dass webOS keine wesentliche Rolle mehr spielen werde, da es bereits sehr gute Betriebsysteme für Smartphones gäbe, wie stehen Sie zu dieser Aussage?

Rub.: Dem kann ich nicht zustimmen. webOS hat alles was man von einem schnellen und modernen System erwartet. Es verarbeitet Mails, Surfen im Internet, kann Videos aufzeichnen. Und es hat etwas, was die anderen nicht haben: Wir können Videos bearbeiten und verteilen, und das direkt auf dem Smartphone. Weiter kommt webOS mit einer bisher einzigartigen 3D Unterstützung für Spiele. Die Liste der Vorteile ist um ein Vielfaches länger und ich könnte noch so einiges aufzählen.

Spielen Sie gerade ein 3D Spiel und wollen zwischenzeitlich Ihren Kalender aufrufen oder eine Mail lesen, dann ist das ein Standard in webOS. Das was Apple nun als Innovation und Schritt in die Neuzeit ausgibt, ist bei uns schon von Anfang an Standard gewesen. Ein System ohne Multitasking ist einfach veraltet…

Wir haben eine weitere Funktion die sich “Synergy” nennt. Hier vereinen wir alle möglichen Portale wie Facebook LinkedIn, Exchange, Google oder auch Yahoo in eine Oberfläche.

CNN: Apple hat nahezu 180.000 Apps im App Store, Palm hingegen “nur” 2.000

Rub.: Wir haben 2.200 Apps in unserem App Store 180.000 Apps, das klingt natürlich zunächst beeindruckend, doch die Realität sind etwas anders aus. Etwa 1.500 Apps sind es, die Abwechslung ausmachen, der Rest ist eher eine Randerscheinung und gleichzusetzen mit “Junk-Software”. Wir haben einen einzigartigen Mechanismus entwickelt der sowohl für Entwickler als auch für Kunden wesentlich komfortabler ist, als es in Apples App Store anzufinden ist. Alles ist URL basierend und funktioniert erheblich einfacher.

CNN: Sie sprechen über Apple, wieso glaube Sie, dass es bei Apple nicht anders war als heute bei Palm? Apple ist seit sehr vielen Jahren erfolgreich und hat eine unglaubliche Marktposition

Rub.: Heute hat Apple diese Stärke, doch als ich damals bei Apple anfing, war das Unternehmen am Rande des Abgrunds gestanden und eine Pleite schien unabwendbar. Wir haben dann den iMac auf den Markt gebracht und damti die Erfolgsserie eingeläutet. Es dauerte auch bei Apple zwei Jahre, bis wir damit die Talsohle durchschritten hatten, aber der Weg war geebnet. Die Wall Street war über die Art und Weise wie wir damals unser R&D gemacht haben sehr unglücklich, denn es schaute alles sehr unsauber aus. Doch als wir aus den roten Zahlen herauskamen waren zeitgleich eine Menge wirklich cooler Sachen auf dem Markt vorhanden die aus dem Hause Apple stammten, der iPod war eines dieser Produkte.

Das ganze Interview findet sich in englischer Sprache hier.

Weitere Themen: iPhone, HP Palm

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