Wohin steuert HP? - Entlassungswelle bei Hewlett-Packard trifft auch Leo Apotheker

Holger Blessenohl
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Erst gestern ging durch die Medien, dass Hewlett-Packard fast die gesamte WebOS-Abteilung gefeuert hat. Heute hat Leo Apotheker, der für diese Entlassungen als CEO verantwortlich zeichnete, vor dem Aufsichtsrat seinen Rücktritt verkündet. Was wohl im Klartext nichts anderes heißt, als das er hochkant rausgeschmissen wurde. Neue Chefin bei HP wird die ehemalige Ebay-Managerin Meg Whitman. Was heißt das nun für die PC-Sparte und webOS?

Wohin steuert HP? - Entlassungswelle bei Hewlett-Packard trifft auch Leo Apotheker

Für Leo Apotheker, der erst im vergangenen November als Chef bei HP begonnen hatte, war es ein kurzes Gastspiel. Nach nicht einmal 11 Monaten hatten die Anleger genug von ihm. In diesen wenigen Monaten hat der Manager, der sein Handwerk bei SAP gelernt hat, den Aktienkurs von Hewlett-Packard mit 47% Verlust beinahe halbiert. Auch bei SAP wurde Apotheker nur wenige Monate, nachdem er den Chefsessel übernommen hatte, wegen unüberbrückbarer Differenzen entlassen. Das Ende bei HP wird Apotheker immerhin mit einer dicken letzten Gehalts- und Abfindungszahlung von bis zu 35 Millionen US-Dollar “versüßt”.

Zuletzt hatte er mit den Ankündigungen, webOS und die gesamte PC-Sparte von HP abzukoppeln, für reichlich Aufregung (und einen steil sinkenden Aktienkurs) gesorgt. Insbesondere das erst durch die Übernahme von Palm 2010 gestartete eigene Betriebssystem webOS hat eine rasante Achterbahnfahrt hingelegt. Im Februar wurden die Palm-Nachfolger HP Veer und das HP TouchPad von Apotheker noch vollmundig angekündigt, wenige Monate später stampft er – kurze Zeit nachdem die Geräte überhaupt erst im Handel waren – gleich die gesamte Produktion ein.

Apotheker wollte die PC-Produktion völlig einstellen und sich dafür auf Unternehmenslösungen und Drucker konzentrieren. Eine interessante Volte, wenn man bedenkt, dass Hewlett-Packard immer noch Weltmarktführer in der PC-Produktion ist. Dafür sollte die englische Softwarefirma Autonomy für mehr als 10 Milliarden US-Dollar zugekauft werden.

Wie es unter der ehemaligen Ebay-Chefin Meg Whitman weitergeht, ist derzeit noch völlig unklar. Der webOS-Blog hat aber schon gemeldet, dass zumindest webOS wohl im Grab liegen bleibt. Möglicherweise wird aber die Abkopplung der PC-Sparte wieder rückgängig gemacht. Apotheker selbst hat in einer letzten Mail an seine Mitarbeiter noch von einer Fortführung der bisherigen Unternehmensstrategie gesprochen.

Meg Whitman hatte 2010 erfolglos versucht, Nachfolgerin von Gouverneur Arnold Schwarzenegger zu werden. Der Kurs von HP hat sich übrigens – seitdem am Mittwoch erste Gerüchte über eine bevorstehende Entlassung Apothekers aufkamen – wieder etwas erholt.

Update von 13:30:

Die neue HP-Chefin Meg Whitman hat sich inzwischen in einem ersten Interview mit dem Wirtschafts-Nachrichtendienst Bloomberg für die Fortführung des von Apotheker eingeschlagenen Kurses ausgesprochen. Sowohl die Übernahme von Autonomy möchte Whitman durchführen, als auch das Bemühen fortsetzen, die PC-Sparte abzustoßen. Es gebe keine Änderung der Strategie, sagte Whitman gegenüber Bloomberg.

Was würdet Ihr Meg Whitman raten? PC-Sparte abkoppeln? Oder lieber gleich webOS reanimieren? Bessere oder billigere Drucker bauen? Schreibt Eure Ideen für ein neues Management.

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