HTC, was ist bloß los mit Dir?

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Schaut man sich die aktuellsten Informationen rund um das taiwanesische Unternehmen HTC an, muss man sich wirklich fragen, was da gerade los ist: Updates bleiben aus und Beats by Dre-Anteile werden abgestoßen. 

HTC, was ist bloß los mit Dir?

Zunächst die etwas kürzere Nachricht: HTC verkündet, dass das Desire HD kein Update auf Ice Cream Sandwich bekommen wird. Begründet wird diese Entscheidung damit, dass die Hardware des Gerätes quasi zu schwach sei, um Android 4.0/ICS problemlos zu betreiben Auf deren deutscher Facebook-Seite heißt es: “Nach intensiven Tests sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass die aktuelle Version von HTC Sense mit Android Euch die bestmögliche ‘User Experience’ auf dem HTC Desire HD bietet”. Die Reaktionen der User lesen sich dementsprechend alles andere als erfreulich.

Nun gibt es sehr fleißige Entwickler, die sich vor allem bei den XDA-Developers herumtreiben und die solche Aussagen gerne widerlegen. Schaut man sich nämlich auf deren Webseite um, findet man einige Beispiele dafür, dass die Software doch funktioniert (und zwar in Form von CustomROMS, mittlerweile wird sogar schon an einer CustomROM für Jelly Bean gearbeitet). Auch etwas absurd ist die oben angeführte Aussage deshalb, weil ältere Geräte wie etwa das Desire C , die mit einer schlechteren Hardware ausgestattet sind, mit dem Ice Cream Sandwich Update versorgt wurden und problemlos laufen. Und um der ganzen Sache die Krone aufzusetzen, hat HTC im Februar selbst erst bestätigt, dass das Desire HD das begehrte Update bekommt. Wieso also jetzt doch nicht?

Nun möchte ja nicht jeder Besitzer eines HTC Desire HD sein Gerät rooten, weshalb eine offizielle Version des Herstellers angebracht wäre (wenn die Hardware dies erlaubt, wie ja bewiesen wurde). Die Frage ist also, warum HTC sich dagegen wehrt. Ist die Sache zu aufwendig? Oder vielleicht zu wenig lukrativ? Das hätte dann aber nicht besonders viel mit Kundenfreundlichkeit zu tun.

Nun ja, wenn auch Ihr Euch zu den Desire HD-Besitzern zählt, die auf ein Android 4.0-Update warten, könnt Ihr diese von XDA ins Leben gerufene Petition unterzeichnen. Vielleicht tut sich ja dann doch noch was. Wollt Ihr Euch das HTC Desire HD vielleicht noch zulegen, damit Ihr Euch mitärgern könnt? Dann schaut doch mal .

Weg mit dem halben Kopfhörer

Kommen wir zu der größeren Nachricht. Wie gestern Abend mitgeteilt wurde, hat sich HTC aus was weiß ich für einem Grund dazu entschieden,  25% der eigenen Anteile an Beats by Dre zurück zu geben.  Das wirklich Verwirrende hier ist, dass HTC erst im August des vergangenen Jahres 50,1% der Anteile von Beats by Dre erworben und dafür 309 Millionen Dollar gezahlt hat. Nun könnte man meinen, dass HTC mit der Rückgabe der 25% ein lukratives Geschäft gemacht hätte, aber weit gefehlt: Für die Rückgabe der Anteile bekommt das Unternehmen „nur“ 150 Millionen Dollar zurück, summa summarum also ein Verlustgeschäft.

Des einen Freud ist des anderen Leid

Fragwürdig an der ganzen Sache ist vor allem, dass der Beats by Dre-Zusatz bisher dafür gesorgt hat, dem ohnehin schon leicht strauchelnden Unternehmen aus Taiwan ein Alleinstellungsmerkmal zu geben: Kurz nachdem der Deal zwischen HTC und Beats by Dre bekannt wurde, sah man plötzlich überall die Kopfhörer mit dem roten „b“ auftauchen. Warum also sich zumindest teilweise davon trennen?  Die Rückgabe der 25 Prozent ist für Beats by Dre allerdings ein Vorteil, denn so will das Unternehmen nun auch weitere Kooperationen mit anderen Partnern wie etwa Hewlett-Packard oder dem Autohersteller Chrysler eingehen.

Dass bei HTC nicht alle rosig verläuft, zeigte schon der recht überraschende Wechsel des eigenen Finanzdirektors im April dieses Jahres. So musste Winston Yung seinen Platz für Chia-Ling Chan räumen. Und was genau hat Yung gemacht? Nun, er war unter anderem für solche Projekte wie den Kauf der Beats by Dre-Anteile zuständig.

Ich fasse zusammen: HTC ersetzt den aktuellen Finanzchef (offizielle Gründe wurden nicht genannt), drei Monate später stößt das Unternehmen einen großen Teil einer kürzlich getätigten Investition ab, die wenig sinnvoll erscheint und die ein dezentes Verlustgeschäft bedeutet.

Und jetzt?

Warum HTC macht, was es macht, bleibt vorerst ein Rätsel.  Am wahrscheinlichsten ist allerdings, dass HTC sich weiter verstärkt auf die Entwicklung eigener Hardware, wie etwa die eigens entwickelte Kameratechnologie, konzentrieren will, um so die die Produkte besser zu vermarkten. Die Frage ist aber: Ist es dafür vielleicht schon zu spät? Während die Konkurrenz (im Android-Bereich vor allem Samsung) mit jedem Gerät neue Verkaufsrekorde für sich einfährt, muss HTC mit weiterhin schlechten Geschäften rechnen.  Im ersten Quartal dieses Jahres etwa soll HTC laut Informationen des Marktforschers IDC einen Marktanteil von nur noch 4,8 Prozent gehabt haben, im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres ein Verlust von fast 50%.  Auch das zweite Quartal war von deutlich niedrigeren Einnahmen gekennzeichnet und sank um 60% auf 203 Millionen Dollar. Ok, das Unternehmen macht zwar immer noch 203 Millionen Dollar Gewinn im Quartal, aber im Verhältnis gesehen ist das für HTC eine wirklich alles andere als gute Entwicklung. Und auch in Zukunft wird es höchstwahrscheinlich ähnlich weiter gehen. Ich sage nur: und iPhone 5.

Gleichzeitig muss man aber auch den Ehrgeiz sehen, den HTC und dessen Chef Peter Chou an den Tag legen. Während andere asiatische Unternehmen immer mehr auf Billig-Produkte setzen, will Chou dieses Segment nicht (mehr) bedienen, um der Marke HTC nicht zu schaden. Allerdings bleibt dann die Frage: In welchem Segment wird HTC sich als wirklich erfolgreich erweisen können?

Leider beraubt sich das Unternehmen mit seinem Verhalten ein wenig seiner Glaubwürdig. Nicht nur, dass Updates ausbleiben, die angekündigt waren:  Als im April die Finanzchefs ausgetauscht wurden, teilte Chou als Reaktion auf die Vermutungen der Presse mit: “HTC und Beats haben im Bereich Markenaufmerksamkeit  und Innovation beeindruckende Fortschritte gemacht und die Integration der Beats-Marke und -Technologie in der neuen HTC One Serie ist ein klarer Indiz unserer Bekenntnis zu dieser Partnerschaft“. Das war ebenfalls vor drei Monaten.

Wir können nur hoffen, dass Peter Chou den Stolz des Unternehmens weiterhin so hoch hält wie kürzlich die Olympische Fackel.

 

Quellen: Financial Times, HTC (1, 2), The Verge, Engadget, XDA

 

 

 

 

 

 

Update

Weitere Themen: HTC Desire HD, HTC One (2014), HTC Desire 310, Magic (HTC), Desire Z (HTC), Tattoo (HTC), Hero ( Android 2.1 ) (HTC), Hero (HTC), Desire (HTC), HTC


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