Apple und Intel 2013: Prozessorübersicht (Haswell und Co.)

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Im Juni 2005 angekündigt, im Laufe des Jahres 2006 umgesetzt – die Transition von der PowerPC- zur Intel-Architektur war für Apple ein Meilenstein in der Entwicklung des Macs. Auch 2013 bleibt Apple den Chip-Bunnys aus Santa Clara weiterhin treu und wird die neueste Prozessorgeneration einführen. Was bringt „Haswell“ für Nutzer eines MacBooks, iMacs und Mac minis? Was geschieht mit dem Mac Pro?

Apple und Intel 2013: Prozessorübersicht (Haswell und Co.)

Viele Mac-User konnten es nicht glauben, was Steve Jobs und Paul Otellini (damaliger und aktueller CEO Intel) in trauter Zweisamkeit auf der WWDC 2005 verkündeten: Zukünftig verbaut Apple in allen seinen Macs Intel-Prozessoren, der PowerPC ist Geschichte. Acht Jahre danach können Anwender, Hersteller und Chip-Produzent ein positives Fazit ziehen. Die Umstellung auf die Intel-Plattform war letztlich für den Erfolg Apples und der Mac-Familie ungleich wichtiger als die zurückliegende Transition vom 68K auf den PowerPC. Drei Hauptfaktoren sind hierfür verantwortlich:

1. Die Intel-Core-CPUs boten nach langen Jahren des Stillstands und der Resignation wieder angemessene Leistung und einen hierfür verhältnismäßig geringen Stromverbrauch. Das PowerBook und iBook mutierte so zum MacBook (Pro) und spielte wieder in der ersten Liga der Notebooks mit – undenkbar mit dem Stromfresser PPC G5 und dem Oldtimer PPC G4.

2. Windows lief (und läuft) ohne Emulation und somit ohne Leistungseinbußen auf jeden Mac – nativ mittels Boot Camp oder in einer Laufzeitumgebung wie Parallels Desktop. Ein gewichtiges „Killer-Argument“ für nicht wenige „Switcher“.

3. Die Umstellung verlief größtenteils problemlos, denn die integrierte PPC-Emulation „Rosetta“ war sehr zuverlässig und verursachte kaum Konflikte. Anders damals die 68K-Prozessoremulation innerhalb von System 7.x. in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts. Ältere Leser werden sich an die täglichen Systemabstürze noch erinnern können.

Intel-Prozessoren in Macs: Aktueller Stand

Momentan verwendet Apple im MacBook Air, MacBook Pro, MacBook Pro mit Retina Display, iMac und Mac mini die dritte Prozessorgeneration der Core-Serie – „Ivy Bridge“. Ivy Bridge basiert auf der Intel-Sandy-Bridge-Mikroarchitektur,  die erstmals 2011 zur Anwendung kam und wird in einem 22-nm-Fertigungsverfahren hergestellt. Der Mac Pro mit seinen Xeon-CPUs hingegen verharrt noch innerhalb der vorigen Mikroarchitektur Nehalem und setzt auf die gleichnamigen Prozessormodelle beziehungsweise deren Nachfolger Westmere. Xeon-Prozessoren auf Basis von Sandy Bridge finden bei Apple im Gegensatz zur Konkurrenz derzeit keine Verwendung.

Wie auch schon Sandy Bridge, bietet Ivy Bridge die Möglichkeit, auf eine im Prozessor integrierten Grafik zurückzugreifen (Intel HD Graphics 4000). Apple macht hiervon bei allen MacBooks und den Mac mini Gebrauch, die kleinere Variante (Intel HD Graphics 2500) kommt nicht zum Einsatz. Die größeren MacBook-Modelle (15-Zoll MacBook Pro und MacBook Pro Retina) kombinieren die integrierte Intel-Grafik noch mit einer dedizierten Grafikkarte. Die iMacs verzichten komplett auf die Nutzung der Intel-HD-Grafik und verwenden ausschließlich eigenständige Grafikkarten aus dem Hause Nvidida.

2013 dürfte sich an dieser grundsätzlichen Ausrichtung wenig ändern, gleichwohl wartet die neueste Intel-Generation (Haswell) schon in ihren Startlöchern. Doch was für Vorteile bietet diese?

Intel-Strategie: Tick und Tock

Mit Haswell führt Intel, wie ehemals mit Sandy Bridge, eine vollkommen neue Mikroarchitektur ein. Ivy Bridge hingegen war „nur“ ein weiterentwickelter (22-nm-Fertigungstechnik) Prozessor, basierend auf der Sandy-Bridge-Mikroarchitektur. Intel bezeichnet dieses Vorgehen bei der Entwicklung als Tick-Tock-Modell. Tock steht für eine neue Architektur (2011: Sandy Bridge, 2013: Haswell), Tick für eine schnellere, effizientere Prozessorgeneration basierend auf dem vorigen „Tok“ (2012: Ivy Bridge, wahrscheinlich 2014: Broadwell). Zukünftig alle zwei Jahre wechselt demnach die komplette Mikroarchitektur. Ein solcher Wandel steht uns 2013 mit Haswell wieder ins Haus.

Intel Haswell: Neue Architektur und neuer Prozessor

Intel Haswell wird, wie auch Ivy Bridge, im 22-nm-Fertigungsverfahren hergestellt. Eine Umstellung auf 14 nm ist mit der darauffolgenden Generation „Broadwell“ anvisiert. Weitere, schon bestätigte Features sind: AVX2, FMA3, TSX, BClk und SMAP. Nur Bahnhof verstanden? Keine Sorge, wir werden diese Technologien nicht im Detail erklären und den Leser mit noch mehr Informationen verwirren. Mr. Otto Normal möchte vielmehr wissen, welche Neuerungen tatsächlich auch für ihn von Relevanz sind.

Haswell bietet eine leicht gesteigerte Leistung. Glaubt man bereits enttarnten Benchmarks, ist die Performance-Steigerung aber nicht unbedingt als revolutionär zu bezeichnen. Erwartet werden circa 10 Prozent (sequentiell) und immerhin 50 Prozent bei der Vektorenberechnung. Wichtiger: Die integrierte Grafik verdoppelt ihre Leistung im Vergleich zur bisherigen Intel HD Graphics 4000 und erreicht schon fast die Gewalt einer dedizierten Grafikkarte wie beispielsweise der GeForce GT650m von Nvidia. Dies gilt allerdings nur für die höchste Ausbaustufe der Grafiklösung. Intel plant demnach drei integrierte Grafiklösungen (GPU): GT1, GT2 und GT3. Bekannt geworden ist bisher nur die offizielle Bezeichnung der GT2: Intel HD Graphics 4600 – das Modell für die Masse. Eben jene werden wir mit hoher Sicherheit auch bei Apple im Einsatz sehen. Die kleinste Variante wird Apple wie zuvor verwerfen und nicht verwenden. Fraglich ist noch der Einsatz der GT3-Grafik. Für Apple sicherlich ein Prestige-Produkt, verfügbar wird GT3 allerdings erst im dritten Quartal 2013 sein. Vielleicht noch rechtzeitig für neue Versionen des iMac und Mac mini. Die Einstiegsvarianten des iMac könnten so komplett auf dedizierte Grafikkarten verzichten. Apples Ausgaben sinken, die Margen steigen.

Intel Haswell bei Apple: Überblick

Intels Haswell Prozessoren wird es zukünftig in fünf Bauformen geben, jeweils mit unterschiedlich hohen Taktfrequenzen und verfügbar als Dual- und Quad-Core. Erste Modelle erwartet man wahrscheinlich für Juni 2013. Pünktlich für eine neue MacBook-Linie. Übrigens: An der offiziellen Bezeichnung (Core i5 und Core i7) wird sich wohl nichts ändern.

  • Intel Haswell-DT: Das Desktop-Modell. Könnte Apple im iMac einsetzen, jedoch wird die GT3-Grafik für dieses Modell nicht verfügbar sein.
  • Intel Haswell-MB: Die Variante für Mobilrechner. Einsatz im MacBook Pro (wenn es dieses denn noch weiterhin geben wird) und dem MacBook Pro mit Retina Display wahrscheinlich.
  • Intel Haswell-H: Gedacht für All-In-One-Systeme und Rechner mit kleinem Baufaktor. Demzufolge geeignet für den Mac mini und auch den iMac. Die GT3-Grafik wird es für diesen Prozessor geben!
  • Intel Haswell-ULT: Angedacht für Intels Ultrabook-Plattform. Auch wenn das MacBook Air offiziell hier nicht dazu zählt, der Prozessor würde aufgrund des geringen Energieverbrauchs geeignet erscheinen. Nur als Dual-Core-Variante verfügbar.
  • Intel Haswell-ULX: SoC-Lösung (System-on-a-Chip), also nicht nur Aufgaben des eigentlichen Prozessors und der Grafik finden sich vereint auf einem Chip, auch weitere Funktionen. Intel sieht diesen Typ innerhalb von Tablets und Ultrabooks. Ein Einsatz bei Apple scheidet höchstwahrscheinlich aus, da man mit der AX-Reihe eigene SoCs im ARM-Design entwickelt und bereits im iPhone und iPad einsetzt.

Die Versorgung mit neuen Prozessoren ist bei den MacBooks, iMacs und Mac minis für 2013 garantiert. Doch was ist eigentlich mit dem Mac Pro?

Mac Pro 2013: Ivy Bridge statt Haswell

Bleibt Apple sich treu und setzt weiterhin auf Xeon-Prozessoren beim Nachfolger des aktuell in Europa nicht mehr erhältlichen Mac Pro, wird man ebenso hier eine neue Prozessorgeneration vorfinden – jedoch mit altbekannten Namen. Die für Server und Workstations konzipierten CPUs beerben stets die im Vorjahr vorgestellte Consumer-Prozessorgeneration. Zwar gibt es schon seit geraumer Zeit einen kleinen Xeon E3 auf Basis von Ivy Bridge, die eigentlichen für einen Mac Pro relevanten Modelle E5 und E7 wird es aber frühestens Mitte 2013 geben – noch ist etwas Geduld gefragt. Apropos: Die für eine kurzfristige Aktualisierung des Mac Pro zur Verfügung stehenden Sandy-Bridge-Xeons wird Apple wohl auslassen und nicht verbauen.

 

Bildquellen: Apple, Intel; computer wafer und Microchip von Shutterstock.

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