Gehirn-Computer: IBM experimentiert mit Neuronen-Chips

Flavio Trillo
12

Was würde ein Computer sagen, wenn er sprechen könnte? Vielleicht: “Hey, nicht mit den fettigen Fingern an die Tastatur packen!” Wie sehr würde ein intelligentes, hochgradig leistungsfähiges Rechensystem unseren Alltag erleichtern? Die Antworten könnte schon bald ein Konzept von IBM geben: Mikrochips auf Basis der Architektur des menschlichen Gehirns.

Beinahe die gesamte IT-Technologie basiert seit 1945 auf der Von-Neumann-Architektur. Sie geht auf den Budapester Mathematiker John von Neumann zurück, der vor 66 Jahren das System von CPU, Speicher, Ein- und Ausgabe sowie der dazwischen geschalteten Schnittstelle beschrieb. Dieses Modell findet sich bis heute in allen Computern, ob PC oder Mac, Intel oder AMD.

Jetzt haben Wissenschaftler verschiedener Universitäten in Zusammenarbeit mit IBM und der “Defense Advanced Research Projects Agency” (DARPA), einer Spezialabteilung des US-Verteidigungsministeriums, einen experimentellen Computerchip konstruiert, der in seiner Struktur dem menschlichen Gehirn nachempfunden ist.

Anstatt Recheneinheit und Speicher zu trennen sind beide Funktionen in diesen Systemen vereint: Neuronen und Synapsen sind sowohl Prozessoren als auch Arbeitsspeicher. Axone stellen die Verbindung zwischen mehreren Neuronen her. Genau diese Elemente finden sich auch in dem IBM-Chip wieder, nachgebildet in Silizium-Schaltkreisen.

Das Ziel: Ein Computer mit 10 Milliarden Neuronen und 100 Billionen Synapsen, der sowohl in Größe als auch in Bezug auf den Stromverbrauch (ca. 1 Kilowatt) dem Gehirn stark ähnelt und damit um ein Vielfaches effizienter ist als herkömmliche Einheiten. Derartige Rechenmaschinen könnten besonders in unbekannten Umgebungen von Vorteil sein, wo eine rasche Verarbeitung von Informationen zu schneller Entscheidungsfindung führen muss.

Vergleichbar ist eine solche Situation etwa mit den Operationen, die man zumeist unbewusst durchführt, wenn man sich durch eine belebte Fußgängerzone bewegt. Die Bewegungen der anderen Passanten müssen in Bruchteilen von Sekunden verarbeitet und vorherberechnet werden, um nicht mit anderen zusammen zu stoßen. Nun sind Computer höchst selten auf eigene Faust in Fußgängerzonen unterwegs.

Entsprechend ausgerüstete Rechner könnten jedoch in Echtzeit Sensordaten verarbeiten, die auf der ganzen Welt Temperatur, Druck, Wasserstände und Wellenbewegungen messen. Auf diese Weise ließen sich zeitnahe, zuverlässige Vorhersagen treffen, wann und wo der nächste Tsunami auftreten werde.

Es klingt ein wenig nach Science-Fiction. Ein Gehirn-Computer (oder Computer-Gehirn) könnte jedoch schon bald Wirklichkeit sein. Dann wäre der Mensch nicht mehr nur in dem recht primitiven Spiel “Pong” unterlegen, wie jetzt bereits in ersten Experimenten mit den neuen Chip. Er müsste sich auch ernsthafte Gedanken über seine Einzigartigkeit machen.

Wo ist der Unterschied zwischen Mensch und Maschine, wenn beide die gleiche “Rechenleistung” bringen und vor allem die gleiche Struktur besitzen? Und wird ein Computer, der wie ein Gehirn funktioniert, auch ein Bewusstsein entwickeln, wie wir es an uns so schätzen? Nein, vermutlich werden wir dem aufgeplusterten Abakus recht schnell klar machen, dass es für ihn keinen Platz in der Welt des Bewusstseins gibt. Skynet, das Computersystem, das in der Terminator-Reihe die Weltherrschaft übernahm, oder die Matrix aus dem gleichnamigen Film waren schließlich nichts weiter als Fantasien.

Weitere Themen: Intel Driver Update Utility, Intel PROSet/Wireless Software and Drivers, Intel PROSet/Wireless Software and Drivers, Intel Remote Keyboard, Pocket Avatars, Intel Chipset Device Software (INF Update Utility), Intel® PRO Netzwerk Treiber, IntelProSet/ Wireless und Treiber, Intel Grafik Treiber, Intel

Neue Artikel von GIGA

GIGA Marktplatz