Intel übernimmt McAfee: Fusion komplett

Flavio Trillo
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Nach der Freigabe durch die europäischen Wettbewerbshüter konnte Chip-Riese Intel die Übernahme der Antiviren-Softwareschmiede McAfee abschließen. Das Unternehmen gab an, McAfee werde auch künftig eigenständig als Entwickler und Vertreiber von Produkten und Dienstleistungen auftreten. Befürchtungen, dass Intel die Akquisition dazu missbrauchen könnte, Konkurrenten aus dem Antivirus-Markt zu verdrängen, sind aber unbegründet.

Fortan ist der Präsident von McAfee, Dave DeWalt, der Gruppe “Software und Diensleistungen” bei Intel mit Renée James an der Spitze unterstellt. Man will sich auf die Herausforderungen und Ansprüche vorbereiten, die das Zeitalter der Vernetzung immer mehr Geräte mit sich bringt, so das Unternehmen. Mobiles Internet bedürfe neuartiger Ansätze für die Absicherung und den Schutz vor Malware. Ein erstes Ergebnis dieser neuen Ansätze werde Intel noch in diesem Jahr präsentieren.

Bei Übernahmen eines solchen Kalibers, immerhin geht es um mehr als 7,5 Milliarden US-Dollar in Aktien, bleibt ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Intel ist mit satten 86,1 Prozent Anteil (Stand: 4. Quartal 2010) ungeschlagener Marktführer im Bereich mobiler CPUs und könnte dank der Einverleibung eines Herstellers von Antiviren-Software wie McAfee ohne weiteres dessen Konkurrenz auf die billigen Plätze verweisen.

Alles, was man in Santa Clara dafür tun müsste, wäre die Interoperabilität, also die Möglichkeit der Zusammenarbeit zwischen Hardware und fremder Software einzuschränken. Ebenso denkbar ist eine Integration der Lösungen aus dem Hause McAfee in Chipsätze von Intel, wodurch andere Hersteller von Sicherheits-Software außen vor blieben. Das Prinzip ist von der Auslieferung des Microsoft Betriebssystems Windows zusammen mit dem Internet Explorer bekannt – und wurde bereits abgestraft.

Genau diese Bedenken teilte auch der Wettbewerbs-Kommissar der EU-Kommission Joaquìn Alumnia und handelte mit Intel gewisse Auflagen aus, unter denen die Erlaubnis zur Übernahme von McAfee erteilt wurde. Einerseits verpflichtet sich das Unternehmen, alle Informationen zur freien Verfügung zu stellen, die für das Anbieten gleichwertiger Sicherheits-Software in Verbindung mit Intel-Produkten vonnöten sind. Außerdem versprach Intel, Wettbewerber nicht aktiv zu behindern. Dies gilt sowohl für Konkurrenten von McAfee, als auch für andere Chip-Hersteller.

Diese Zusagen sollen sicherstellen, dass die Übernahme den Markt nicht in Ungleichgewicht bringt. Über ihre Einhaltung wacht ein Treuhänder, der von der europäischen Kommission für derartige Fälle eingesetzt wird. Er verfasst regelmäßig umfassende Berichte über die wettbewerbsrelevanten Tätigkeiten des betroffenen Unternehmens, in denen er auch mögliche Behinderungen seiner Arbeit durch Intel aufführen wird. Der Chip-Hersteller hat die Pflicht, dem Treuhänder Zugang zu allen Informationen, Dokumenten, Personal und Anlagen zu gewähren, die für die Durchführung seiner Aufgaben wichtig sein könnten.

Wettbewerber müssen sich also keine Sorgen machen, dass Intel die Akquise zum Missbrauch seiner führenden Marktposition nutzt. Gespannt darf man außerdem auf die neuartige und laut Intels CTO Justin Rattner “revolutionäre” Antivirus-Lösung sein, die uns für das Ende dieses Jahres versprochen wurde.

Weitere Themen: McAfee Labs Stinger, VMware Fusion, Intel Driver Update Utility, Intel PROSet/Wireless Software and Drivers, Intel PROSet/Wireless Software and Drivers, Intel Remote Keyboard, Pocket Avatars, Intel Chipset Device Software (INF Update Utility), Intel® PRO Netzwerk Treiber, Intel

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