Thunderbolt-Macs: Industrie noch nicht bereit für den Anschluss

Rifkin Zaroc
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Ist Apple mal wieder zu innovativ für die Industrie? Schon bezeichnen einige Vertreter die neue, zukunftsfähige Schnittstelle mit Übertragungsraten von je 10 Gigabit pro Sekunde in beide Richtungen als “weiteren proprietären Standard ohne Chancen”. Sie setzen lieber auf USB 3.0, wie AMD.

Die letzte Woche vorgestellten neuen MacBook Pro* mit Thunderbolt-Schnittstelle machen vielen Anwendern Hoffnung auf eine baldige Etablierung dieses Standards – nicht nur bei Mac-Neuheiten. Denn der unter dem Codenamen “Light Peak” von Intel entwickelte Standard kann mehr als andere: Er verbindet Computer, Monitore, Peripherie, Videokameras, Festplatten, TV-Geräte und Blue-ray-Player. Thunderbolt-Verbindungen könnten universell zwischen allen Geräten geknüpft werden, Kabel, Stecker und Buchsen würden einheitlich sein, und die versprochenen Transferraten von je 10 GBit/s in beide Richtungen sollten ausreichen, auch zukünftige Megamedienpakete transportieren zu können.

Nur: soweit ist es noch lange nicht. Es fehlt an Thunderbolt-fähiger Peripherie und Herstellern, die sich dazu bekennen. Und damit das auch so bleibt, wollen diejenigen Anbieter, die sich an der Entwicklung des Standards nicht beteiligt haben, die schöne Innovation wiederum als fixe Apple-Intel-Idee ohne Zukunft geißeln. Wie Advanced Micro Devices, AMD, der weltweit zweitgrößte Hersteller von x86-Mikroprozessoren und als Besitzer von ATI Technologies auch Lieferant der neuen MacBook-Grafikkarten.

AMD setzt auf USB 3.0 statt Thunderbolt

Der Chiphersteller glaubt nicht, dass die neue Intel-Technologie irgendwelche konkreten Vorteile gegenüber bisherigen Standards bringe. Ein AMD-Sprecher meint, dass vorhandene Schnittstellen gemeinsam die 10 GBit/s Transferrate sogar übertreffen würden und macht eine entsprechende Rechnung auf, in dem er mögliche Transferraten von DisplayPort, USB 3.0 und SATA addiert. Zudem gäbe es kaum Zubehörgeräte mit Thunderbolt-Anschluss, so dass der Standard proprietär bleiben würde. Stattdessen verweist AMD auf einen eigenen, neuen Standard für die Radeon HD 6800-Grafikkartenserie, der jedoch nicht kompatibel mit Thunderbolt ist.

Festplattenhersteller wie Seagate Technologies und Western Digital unterstützen im Gegensatz zu AMD Thunderbolt. Neue Platten sind jedoch erst für “später in diesem Jahr” angekündigt, weil nur Hochgeschwindigkeitsplatten die 10 GBit/s-Bandbreite bewältigen, auch LaCie bleibt mit seinem SSD-Paket in der Little Big Disk weit darunter. Tatsächlich gibt es bislang außer externen Grafikprozessoren keine Geräte, die den enormen Datenstrom über das PCI Express Protokoll verarbeiten können.

Intel: Thunderbolt spricht PCI-Express und damit USB 3.0

Thunderbolt-Entwickler Intel sieht den neuen Standard nicht als Wettbewerber gegen USB 3.0, sondern als Ergänzung. Intel hatte mit Light Peak zunächst eine protokollfreie Schnittstelle geplant. Schließlich wurde daraus Thunderbolt, das die beiden Protokolle DisplayPort und PCI-Express 2.0 4x nutzt. Laut Intel-Sprecher Dave Salvator will der Hersteller bis 2012 sogar alle eigenen Motherboards mit Thunderbolt ausstatten, selbstverständlich sollen auch USB 3.0-Geräte darüber anschließbar sein. Salvator bestätigte, dass alle Peripherie, die mit PCI-Express verbunden werden kann, auch unter Thunderbolt läuft. Da es bereits USB 3.0-PCI-Express-Karten für den Mac Pro gibt, sollten auch bald USB 3.0-Adapter für die Thunderbolt-MacBook Pro entstehen können. In einem Test von macnews.de ist das Fazit bezüglich Geschwindigkeiten und LaCie-Festplatten jedoch eher ernüchternd.

LaCie, Promise, …, wer kann so schnell wie Thunderbolt?

Noch ist externe, schnelle Thunderbolt-Peripherie pure Hoffnung. Die ersten Ankündigungen für schnelle Festplatten stammen von Promise und LaCie. Promise will ein RAID-System mit 12 Terabyte Speicherkapazität im zweiten Quartal auf den Markt bringen, LaCie hat eine Variante der Little Big Disk mit zunächst 700 MB/s-Transferrate angekündigt.

Andere Hersteller von Peripherie-Geräten sind noch nicht so weit: macnews.de sprach auf der CeBIT mit einem Produktmanager von LG über die Thunderbolt-Unterstützung der Monitore. Dem Mitarbeiter war die Schnittstelle noch gar nicht bekannt.

Foto: Walrus on Land, Polar Cruises, Flickr. Some Rights reserved.

Weitere Themen: Intel Driver Update Utility, Intel PROSet/Wireless Software and Drivers, Intel PROSet/Wireless Software and Drivers, Intel Remote Keyboard, Pocket Avatars, Intel Chipset Device Software (INF Update Utility), Intel® PRO Netzwerk Treiber, IntelProSet/ Wireless und Treiber, Intel Grafik Treiber, Intel

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