Die Lionhead Studios - Mehr als nur Fable!

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Göttersimulationen, Peter Molyneux, Hamster… Was diese Dinge gemeinsam haben? Sie alle sind Wesentlicher Bestandteil der Lionhead Studios. Selbst das kleine Nagetier.

Die englische Entwicklerschmiede ist derzeit wohl am besten für ihre Spielereihe Fable und das Projekt Milo bekannt. Doch die Anfänge liegen woanders.

Gehen wir einmal gute 20 Jahre zurück. Im Jahr 1987 nämlich, gründete der damals 28-jährige Peter Molyneux zusammen mit Les Edgar die Bullfrog Productions. Schon mit ihrem Erstlingswerk Populous, welches 1989 erschien, erlangte Molyneux einen Riesenerfolg. Über 4 Millionen Einheiten wurden verkauft und ganz nebenbei das Genre der Göttersimulationen begründet. Nachdem weitere Spiele Bullfrog´s wie z.B. Theme Park Verkäufe von insgesamt ca. 5 Millionen Spiele verzeichnen konnten, war man endgültig im Videospielgeschäft etabliert.

Natürlich lockte man mit diesem Erfolg zahlreiche Publisher an. 1995 verkaufte Molyneux Bullfrog an den damals Weltgrößten Publisher Electronic Arts. Doch zahlreiche Entwickler fühlten sich von nun an in ihrer Freiheit eingeschränkt und auch Molyneux selbst verließ das Unternehmen 1997, zehn Jahre nach der Gründung.

Mit Bullfrog ging es seitdem steil bergab, 2004 wurde das einstmals große Entwicklerstudio mit EA UK zusammengelegt. Der Gründer selbst behauptete mit Schuld am Untergang der Firma zu sein, er habe die enorme Mitarbeiteraufstockung nicht in den Griff bekommen.

Da auch kreative Köpfe ihre Brötchen verdienen müssen, fing Molyneux früh an Pläne für ein neues Studio zu schmieden. An der Gründung der Lionhead Studios beteiligt war dann auch Mark Webley, ein Kollege Molyneux´s bei Bullfrog. Dessen Hamster nahm übrigens eine entscheidene Rolle ein: Auf der Suche nach einem Namen wurde man einfach nicht fündig und so musste Webley´s Haustier als Namensgeber hinhalten.

Ansässig war – und ist man seitdem – südostenglischem Guildford. Im März 2001 war es dann soweit, die Lionhead Studios hatten ihr erstes Projekt fertiggestellt.

Black & White verfolgte das Prinzip der Göttersimulation weiter und auch der Erfolg nahm die Maßstäbe von Populous an. Über 2 Millionen Einheiten gingen über den Ladentisch. Somit konnte Molyneux die Firmen-Neugründung als geglückt bezeichnen und gelassen neue Projekte angehen.

Ganz so gelassen war der gute Herr dann aber doch nicht, denn knapp 3 1/2 Jahre später erschien dann auch das nächste Spiel. Urspünglich als Project Ego betitelt, war Fable eines der best-selling Games von Microsofts Xbox. Eine weitere Verbreitung des RPG´s stand nur eine PC-Version im Wege, welche ein Jahr später mit Fable: The Lost Chapters nachgeliefert wurde.

Von nun an herrschte vorerst Funkstille im Hause Lionhead. Die Multiplayer-Server ihres ersten Spiels, Black & White wurden im Juni 2005 abgeschaltet. Doch das sollte nicht das Ende der Göttersimulation bedeuten.

Der lang erwartete Nachfolger, Black & White 2, wurde im Oktober 2005 veröffentlicht. Insgesamt ähnelte das Spiel stark dem Erstling, doch nicht ohne einige Verbesserungen. So wurden nun Echtzeit-Strategie Elemente eingefügt und man konnte z.B. auch bewaffnete Einheiten in den Krieg schicken.

Als Lead Designer unterstützte übrigens Ron Millar das Team von Lionhead. Zuvor hatte Millar bei Blizzard gearbeitet und war u.a. für Starcraft mitverantwortlich. Das Add-On Black & White 2: Battle of the Gods folgte 2006.

Im Jahre 2005 erschien auch noch ein anderes Spiel des Studios mit dem Löwenkopf. The Movies wurde ab November von Activision für den PC vertrieben. Ursprünglich war auch eine Konsolenversion geplant, jedoch verkaufte sich das Spiel unter den Erwartungen und somit schien eine Portierung nicht mehr profitabel. Dessen ungeachtet erschien im Juni 2006 auch hier eine Erweiterung namens

The Movies: Stunts & Spezialeffekte.

Finanziell muss Peter Molyneux, inzwischen Officer of the British Empire (kurz OBE), eindeutig mit mehr gerechnet haben. Lionhead geriet in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten. Schließlich blieb nur noch die Aufgabe der Unabhängigkeit des Studios.

Diesmal hieß der Käufer jedoch nicht Electronic Arts, welche auch nach Bullfrog Zeiten den Großteil der Spiele Molyneux´s veröffentlichten, sondern Microsoft Game Studios. Damit die Entwicklerschmiede nicht wie ihr Vorgänger den Bach runter geht, arbeitet Lionhead weiterhin größtenteils selbstständig. ”Ich denke, ihr werdet noch weitere fantastische Spiele von Lionhead sehen”, so Molyneux nach der Übernahme.

2008 bekam dann auch die nächste Spieleserie ihren Nachfolger, Fable 2 erschien exklusiv für Microsofts neue Konsole Xbox 360. Erneut stand der Konflikt zwischen Gut und Böse im Mittelpunkt. Trotz dem fernbleiben einer PC-Version und dem fehlen einiger versprochenen Features, ein ”Markenzeichen” Molyneux´s, konnte man das Spiel erneut als Erfolg bezeichnen. Der Titel wurde mit 2 Download Add-Ons erweitert. Doch man ruht nicht in Guildford.

Derzeit werkelt das Team rund um den Creative Director of Microsoft Game Studios Europe an einem dritten Teil der Fable Reihe. Erscheinen wird dieser im Oktober. Doch Molyneux ist derzeit auch noch mit dem Kinect Projekt ”Milo and Kate” beschäftigt.

Man wird sehen was die Zukunft bringt. Fest steht, dass Molyneux eines der größten und prägendsten Entwicklerstudios geschaffen hat.

Weitere Themen: Fable Trilogy, Fable Anniversary, Lionhead Studios

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