Sauerei: Logitech schaltet gekaufte Hardware per Fern-Befehl ab [Update]

Stefan Bubeck
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Besitzer des Fernbedienungshubs Harmony Link werden bald ein nutzloses Stück Technik zu Hause haben, denn der Hersteller Logitech schaltet nächstes Jahr die Geräte ab. Ein Ärgernis für Kunden.

Sauerei: Logitech schaltet gekaufte Hardware per Fern-Befehl ab [Update]
Bildquelle: Logitech

Update vom 10.11.2017: Nach negativen Reaktionen der Kundschaft und kritischen Kommentaren seitens der Presse rudert der Hersteller nun zurück, zumindest ein Stück weit. Rory Dooley, Chef von Logitech Harmony äußerte sich gegenüber Wired: „Ich habe einen Fehler gemacht (...). Mea culpa. Wir werden unsere Kunden gut behandeln und das Richtige tun.“

Statt der 35 Prozent Rabatt auf das Nachfolgeprodukt Harmony Hub bekommen Harmony-Link-Besitzer das Hardware-Upgrade auf den Hub nun kostenlos. Es bleibt also bei der Abschaltung der Harmony Links, aber wenigstens kommen die Betroffenen jetzt ohne Zusatzkosten an einen funktionierenden Ersatz.

Im Unternehmensblog erkärt der Hersteller:

Wir haben die geschäftliche Entscheidung getroffen, den Support und die Dienste von Harmony Link zu beenden, wenn das Verschlüsselungszertifikat im Frühjahr 2018 ausläuft – wir würden verantwortungslos handeln, indem wir den Service weiterführen und seine potenzielle/zukünftige Verwundbarkeit kennen. Unser System zeigt, dass dieses Produkt, das zuletzt im Herbst 2015 von Logitech verkauft wurde, eine kleine aktive Anwenderbasis hatte. Wir wenden uns nun an alle betroffenen Kunden, um eine Option für Ersatz anzubieten.

Originalartikel vom 09.11.2017:

Wenn ich Technik gekauft habe, dann sollte ich sie mindestens so lange nutzen können, bis etwas kaputt geht – klar oder? Da man heutzutage aber neben der Hardware auch sehr stark von passender Software (z.b. Cloud-Diensten) abhängig ist, gibt es ein neues Phänomen: Die Hersteller können funktionierende Geräte willkürlich lahmlegen, indem sie diese softwareseitig „killen“.

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Harmony Link: Ab März 2018 ein Brick

Der neueste Fall betrifft Logitech. Der Zubehörhersteller hatte 2011 eine clevere Lösung für das Fernbedinungsdurcheinander im Haushalt vorgestellt. Mit dem Harmony Link und der passenden Universalfernbedienung oder einem Smartphone lassen sich zahlreiche Geräte (TV, SmartHome etc.) zentral steuern, die eigentlich gar nichts mit einander zu tun haben. Der Harmony Link wird im heimischen WLAN integriert und verteilt Anweisungen an unterschiedliche Empfänger. Super Sache – mit damals 99 US-Dollar aber auch etwas kostspielig.

Jetzt der Schock: Per Email an die Kunden kommuniziert Logitech nun das Ende für den Harmony Link, welches am 16. März 2018 eintritt. Das ist nicht nur ein Support-Ende, wie wir es von veralteten Windows-Versionen her kennen, sondern das Ende der Funktionstüchtigkeit des Geräts. Ein an und für sich funktionierendes Stück Hardware wird per Fernwartung zum nutzlosen Brick.

Hier die Email von Logitech an die Harmony-Link-Besitzer (Quelle: Techspot), automatisch übersetzt von DeepL:

Lieber Kunde,
Dies ist ein wichtiges Update für Ihren Harmony Link. Am 16. März 2018 wird Logitech den Service und Support für Harmony Link einstellen. Ihr Harmony Link funktioniert nach diesem Datum nicht mehr.
Obwohl Ihr Harmony Link nicht mehr unter Garantie ist, bieten wir Ihnen einen Rabatt von 35% auf einen neuen Harmony Hub. Harmony Hub bietet app-basierte Fernbedienungsfunktionen, die mit Harmony Link vergleichbar sind, jedoch mit dem zusätzlichen Vorteil, dass viele gängige angeschlossene Heimgeräte gesteuert werden können. Um Ihren ermäßigten Harmony Hub zu erhalten, gehen Sie zu logitech.com, fügen Sie Harmony Hub zu Ihrem Warenkorb hinzu und verwenden Sie Ihren persönlichen einmaligen Gutscheincode während der Kasse.

Wir bedanken uns, dass Sie ein Logitech-Kunde sind und hoffen, dass Sie dieses Angebot für ein Upgrade auf einen neuen Harmony Hub nutzen können.
Grüße, Logitech Harmony Team

Logitech hat einen guten Namen als Zubehörhersteller, der zuletzt auf der IFA 2017 mit einer innovativen Tastatur begeistern konnte. Die neuesten Entwicklungen aus den USA rund um den Harmony Hub stoßen aber unangenehm auf.

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Unbeschädigte Hardware plötzlich nutzlos: Eine bedenkliche Entwicklung

Logitech möchte seine Kunden zum Kauf neuer Hardware bewegen, sie sollen sich den neueren Harmony Hub holen. Dafür gibt’s dann einen Rabatt und der alte Harmony Link kann in den Ruhestand. Nur ärgerlich, wenn man gar kein Interesse an einer Neuanschaffung hat und seinen Harmony Link einfach weiter nutzen möchte, wie in den Jahren zuvor.

Das erinnert entfernt an den Fall des Lautsprecherherstellers Sonos, wo die Versorgung mit Software-Updates von der Zustimmung zur Datenschutzerklärung abhängt:

Logitechs Entscheidung zeigt, dass wir uns zunehmend in einer Welt befinden, in der Besitz und Recht auf Nutzung nicht mehr untrennbar miteinander verbunden sind. „Es ist eine traurige Erinnerung daran, dass Gadgets, die wir mit der Absicht gekauft haben, so lange wir wollen, wie wir es für richtig halten, von den Firmen, die sie gemacht haben, mit einem einfachen Knopfdruck in der Zentrale ausgelöscht werden können – und es gibt nichts, was Sie dagegen tun können“ kommentiert Abhimanyu Ghoshal von The Next Web.

Quellen: Logitech Community, Techspot, The Next Web, Reddit

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