Android-Gebühren und Stagnation: Die Microsoft-Rundschau

Flavio Trillo
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Für Steve Ballmer sieht es derzeit nicht gut aus. Investoren fordern seinen Rücktritt, die Verkaufszahlen des Flaggschiff-Produktes Windows gehen erstmalig zurück und in Bezug auf Umsatz, Profit und Börsenwert sieht man in Redmond gegen Apple keine Sonne. Ganz nebenbei trägt der Software-Riese Analysten zufolge auch noch dazu bei, dass die Marge einiger Herstellern von Android-Smartphones bald stark ausgedünnt wird. 

Wie Charlie Brown führe er sein Unternehmen, findet Hedgefond-Manager David Einhorn. Die Comic-Figur ist bekannt dafür, stets in all seinen Unternehmungen zu scheitern. Nun ist es ganz so schlimm noch nicht bestellt um den Microsoft-CEO, doch von rosigen Zeiten kann man beileibe nicht sprechen, wenn man die Grafik des Tages von vor ein paar Tagen bei Businessinsider.com betrachtet.

Bislang habe Windows sich durch alle möglichen Krisen, weltwirtschaftlich oder Vista-esque, hindurch halten können. Es bedurfte erst eines kleinen, aber offenbar feinen Tablets aus dem fernen Cupertino, den OS-Riesen in die Knie zu zwingen. Windows 7 verkaufte sich im März dieses Jahrs um 4 Prozent schlechter, noch nie reichte dieser Wert in die negativen Zahlen. Experten vermuten in Apples iPad den Schuldigen für diese Entwicklung.

Im Übrigen könnte Microsoft dafür sorgen, dass sich ein Teil der Smartphone-Konkurrenz demnächst vom Markt zurückziehen muss. Insbesondere Budget-Modelle mit einem Verkaufspreis um die 200 US-Dollar könnten verschwinden, wie ein Citi-Analyst bemerkt. Der Grund: Aufgrund von Patentstreitigkeiten und den daraus resultierenden außergerichtlichen Vergleichen zahlt HTC derzeit an Microsoft 5 US-Dollar pro verkauftem Smartphone mit Android-OS. Dies näherte bereits die Vermutung, dass Steve Ballmer mit Android mehr verdiene, als mit Windows Phone 7.

Diverse urheberrechtliche Verstrickungen würden auch in Zukunft dafür sorgen, dass die Hersteller Lizenzgebühren in Höhe von bis zu 12,50 US-Dollar pro Gerät zahlen müssen. Bei einer Gewinnmarge von gerade einmal 10 bis 15 Prozent könnte das einige Unternehmen bereits in arge Schwierigkeiten bringen. Tablet-Hersteller sind noch gefährdeter – sie arbeiten mit Margen im Bereich von 2 bis 3 Prozent, schätzt der Citi-Analyst Ken Chiang.

Wegen dieser und anderer Rechtsstreits sehen Beobachter Android bisweilen als patentrechtliche Zeitbombe. HTC ist Ziel von Klagen seitens Microsoft und Apple, Oracle ist wegen angeblich widerrechtlichen Gebrauchs von Java in Android hinter Google her und so dreht sich das Patent-Karussell munter weiter. Wer dabei die finanziellen Fliehkräfte nicht aushält, wird bald herunter geschleudert.

Weitere Themen: Android, Skype, Microsoft .NET Framework 4.6.2, Windows 10, Internet Explorer 11, Microsoft PowerPoint 2016 Download, Microsoft Visio Premium 2010, Windows Device Recovery Tool, Windows 10 Mobile, Microsoft

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