Community of Hate: Die Hexenjagd der Hardcore-Gamer (Kolumne)

Als Adam Orth am 04. April mit einem zwinkernden Auge einige halb-ernste Tweets zur Always-Online-Diskussion bezüglich der nächsten Xbox postete, hat er sich vermutlich nicht so viel dabei gedacht.  Er verstehe das ganze Drama nicht und er wolle, dass jedes Gerät eine ständige Online-Verbindung benötige. Das Problem: Adam Orth ist Creative Director bei Microsoft – und musste die nächsten Tage dabei zusehen, wie seine Karriere zerlegt und seine Person beleidigt wurde. Es war mal wieder Zeit für einen Shitstorm.

Community of Hate: Die Hexenjagd der Hardcore-Gamer (Kolumne)

„Fight the Power!“. Ein schöner Slogan, ganz simpel zu verstehen und in Zeiten des Internets auch ebenso einfach umzusetzen. In den letzten Monaten wurde jedoch immer wieder deutlich, dass selbsternannte Hardcore-Gamer in ihrem Kampf gegen das Establishment völlig über das Ziel hinaus schießen.

Auf den ersten Blick kann es auf die Tweets von Orth nur eine Reaktion geben: Was für ein Arschloch?! Wie der seine Kunden behandelt! Oft ist der wütende Kommentar dann auch schon gepostet, ohne weiter darüber nachzudenken. Es hilft jedoch, diese Tweets einmal in Perspektive zu setzen.

Sowohl für die spielende Kundschaft, als auch für uns Redakteure, ist es unheimlich frustrierend, wenn Entwickler nicht offen über ihre Spiele reden können. Publisher geben auf das Wort genau vor, worüber sie reden und was sie kommentieren dürfen. Immer wieder hört man das Verlangen nach einer transparenteren Öffentlichkeitsarbeit der großen Publisher. Adam Orth ist das perfekte Beispiel dafür, warum es dazu niemals kommen wird.

Als Privatperson hat er kein Problem mit Geräten, die eine dauerhafte Internet-Verbindung benötigen. So weit, so gut. Worüber sich die Leute jedoch furchtbar aufregten, war sein „Warum sollte ich da leben?“-Tweet, als er von Bioware-Designer Manveer Heir aufgefordert wird, er solle sich mal vorstellen, er würde in weniger vernetzten Orten wohnen.

Das wäre ein unmöglicher Umgang mit seinen Kunden... wenn Heir denn ein Kunde wäre. Tatsächlich ist er jedoch ein guter Freund Orths.

Und dann wird schnell deutlich, wo das wahre Problem in diesem Falle liegt: An der Öffentlichkeit einer eigentlich privaten Konservation und dem unbedingten Willen einer chronisch unzufriedenen Kundschaft, einen neuen Skandal ausschlachten zu können. In dem obligatorischen Thread auf Neogaf, waren sich die Member schnell darüber einig, dass Orth ein „Douchebag“ ist, der es nicht anders verdient hat. Die Kündigung – ob freiwillig oder nicht – scheint für viele ein kleiner Erfolg zu sein.

Adam Orth hat schlicht und einfach ehrlich seine eigene Meinung wiedergegeben. Sollte seine Kündigung von Microsoft ausgegangen sein, habe ich damit nicht einmal ein Problem: Sicherlich stand in seinem Arbeitsvertrag, dass er Gerüchte über firmeninterne Angelegenheit nicht kommentieren dürfe. Womit ich jedoch ein Problem habe, sind die abertausende Gamer, die fast geschlossen den Kopf von Orth forderten und nun die Kündigung mit lustigen Memes abfeiern. Man kann nicht verlangen, dass Entwickler und Publisher offener mit ihrer Kundschaft sprechen, wenn man Gift und Galle spuckt, sobald einem das Gesagte nicht gefällt.

Zudem zeigt es mir erneut, wie unwohl ich mich häufig in Gemeinschaft dieser Leute fühle, die sich mit vor Stolz schwellender Brust Hardcore-Gamer nennen. Jede Gelegenheit wird ergriffen, um eine Hexenjagd auf einzelne Leute zu eröffnen, die offensichtlich alles repräsentieren sollen, was gerade so falsch in der Spiele-Industrie läuft. Oft wird dabei vergessen, dass diese Personen nicht gerade den dritten Weltkrieg ausgerufen, sondern lediglich ihre Meinung zu Videospielen geäußert haben.

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