Microsoft plant Anti-Google-Kampagne

Matthias Schleif

Google-Kunden sollte in den letzten Tagen aufgefallen sein, dass der Suchmaschinengigant seine Geschäftsbedingungen auch in Deutschland angepasst hat. In den einzelnen Bestimmungen sieht Microsoft nun einen willkommenen Anlaß, den Konkurrenten wegen seines Umgangs mit Kundendaten zu rügen und seine eigenen Produkte als Alternative zu empfehlen. Zu diesem Zweck planen sie eine Werbekampagne.

Microsoft plant Anti-Google-Kampagne

Hotmail statt Googlemail, Bing statt Google-Search, Office 365 statt Google-Docs, etcetera, etcetera… das ist in etwa das, was Microsoft den Menschen mit seiner kommenden Werbekampagne beibringen will, wie man im Microsoft-Blog

nachlesen kann. Begründung dafür sei, daß bei Google die Daten nach der AGB-Umstellung eben nicht mehr sicher vor Auswertung seien. Kunden, die sich keine Sorgen machen wollten, ob Inhalte ihrer privaten Mails zu Werbezwecken missbraucht würden und Firmen, die unbeobachtet und ungestört an gemeinsamenen Dokumenten arbeiten wollten, seien mit Microsoft-Produkten (Hotmail, Office…) besser bedient und könnten sorgenfreier arbeiten.

Ganz unrecht haben die Redmonder mit ihrer Kritik ja nicht, doch wie immer lohnt sich eine differenzierte Betrachtung. Beispielsweise konnten die Kunden bei der Google-Suche schon immer entscheiden, ob sie personalisierte oder allgemeine Suchergebnisse bekommen wollten, was nun einer der Kritikpunkte an der neuen AGB ist. Personalisierte Suchergebnisse lassen sich nur noch durch Ausloggen umgehen, denn die Bestimmungen gelten ab sofort nur für angemeldete Nutzer. Hierin ist also nicht das ganz große Problem zu sehen…und dass Google eMails liest, darauf zielte MS schon mit einer vergangenen Kampagne (siehe Video) ab, also auch nichts Neues.

Dass die Google-Jungs von jetzt auf gleich ihre Policy umwerfen und – wie vielerorts geurteilt – damit nicht mehr zu den “Guten” gehören, könnte dem Konkurrenten ja genügen. Eine solch seltene Gelegenheit auszunutzen lässt Microsoft sich natürlich trotzdem nicht nehmen, wenngleich ihre Kritik etwas tiefer hätte gehen können. Nicht nur der Umgang mit dem Datenschutz ist zu kritisieren, sondern auch die Zusammenführung der verschiedenen Plattformen. Identitäten und Services sauber auseinander zu halten wäre eine größere Hilfe für die Anwender gewesen, als mal wieder “übergreifend zu personalisieren”, was übersetzt ja auch nur “übergreifend bewerben” bedeutet. Schon 2011 galt als eine der größten Gefahren im Netz das Senden von Nachrichten an die falschen Leute, aber wen interessiert schon, was dem Anwender helfen würde? Möglicherweise greift Microsoft den Punkt nicht auf, weil es sich auch bei den eigenen Produkten nicht anders verhält.

Neuesten Meldungen zufolge hat Google bereits auf die Vorwürfe reagiert und sich verteidigt, allerdings hauptsächlich mit dem Argument, Microsoft sei doch auch nicht besser. Das dazu angeführte Zitat, wonach auch Microsoft Daten unterschiedlicher Dienste kombiniere, passt zwar inhaltlich zur Argumentation, greift aber doch zu kurz. Ein beleidigtes “die sind doch auch nicht besser” klingt eben gerade nicht nach einer reiflich überlegten Aussage, wie man sie von einem solchen Weltkonzern erwarten sollte.

Schon die Entwicklung von Google Plus roch seinerzeit nach einem Schnellschuß aus Mountain View, hektische Betriebsamkeit nun also auch beim Thema AGB und bei der Gegenattacke auf Microsoft. Google vermittelt auf diese Art ein wenig den Eindruck, panisch zu agieren, um die Kohle, die Facebook und andere mit dem Verkauf von Kundendaten machen, auch machen zu können. Und das ist wohl genau der falsche Weg.

Weitere Themen: Skype, Microsoft .NET Framework 4.6.2, Windows 10, Internet Explorer 11, Microsoft PowerPoint 2016 Download, Microsoft Visio Premium 2010, Windows Device Recovery Tool, Windows 10 Mobile, Microsoft Office 2016, Microsoft

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