Patente: Microsoft kassiert Lizenzgebühren für mehr als 50% aller Android-Geräte

Frank Ritter

Microsoft hat erneut einen Deal mit einem Hersteller von Android-Geräten abgeschlossen: der taiwanischen Firma Compal. Damit erhält Microsoft nun Lizenzgebühren für mehr als die Hälfte aller verkauften Android-Geräte.

Patente: Microsoft kassiert Lizenzgebühren für mehr als 50% aller Android-Geräte

Auch wenn der Name Compal uns nicht geläufig erscheinen mag, handelt es sich um einen „dicken Fisch“ im Business. Die Taiwaner entwerfen Gerätedesigns, stellen Hardware für Drittanbieter her und machen so 28 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz, umgerechnet etwa 20 Milliarden Euro Umsatz im Jahr.

Microsoft berichtet erwartungsgemäß erfreut in einem Blogposting über den Deal und verkündet, dass man nun mit mehr als der Hälfte aller OEM- und ODM-Hersteller Lizenzabkommen zur Nutzung von Microsoft-Patenten habe. Ähnlich wie bei dem jüngst erfolgten Deal mit Samsung will Microsoft dabei nicht als Patenttroll dastehen: Stattdessen spinnt Microsoft die Neuigkeit so, dass man der Industrie als weißer Ritter aus der Patentmisere helfe – unter „fairen Bedingungen“.

microsoft patentdeals odm

Zum Verständnis: OEM-Hersteller sind Firmen, die Hardware unter eigenem Namen entwerfen und verkaufen – so wie zum Beispiel Samsung, HTC und Motorola Mobility. ODM-Hersteller sind Firmen wie Compal und Quanta, die für andere Firmen bauen. Von Quanta stammen etwa das BlackBerry Playbook und das Amazon Kindle Fire.

In einem Diagramm, bei dem man vermuten könnte, dass es mit MS Paint erstellt sei, werden die derzeitigen Verbindungen zwischen Microsoft und OEM- sowie ODM-Herstellern in Bezug auf Patentstreitigkeiten und Lizenzabkommen dargestellt.

Microsoft Patente

Microsofts wichtigste Streitpartner bleiben Google und dessen hinzugekaufter Konzern Motorola Mobility. Nachdem Samsung und Microsoft kürzlich ihre Einigung im Patentstreit bekanntgaben, ließ sich Google mit folgenden deutlichen Worten zitieren (Übersetzung von uns):

Es handelt sich um dieselbe Taktik, die man immer und immer wieder bei Microsoft beobachten kann. Weil die Firma auf dem Smartphone-Markt versagt, greift sie auf juristische Maßnahmen zurück, um Profit aus den Leistungen anderer zu erpressen und den Weg der Innovation zu behindern. Wir werden uns weiter darauf konzentrieren, neue Technologien zu entwickeln und unsere Android-Partner zu unterstützen.

Die Position Googles wird freilich von Herstellern von Hardware mit Android-Betriebssystemen torpediert, da diese sich immer zahlreicher auf Lizenzdeals mit Microsoft einlassen.

microsoft

In dem Sinne ist auch verständlich, warum Google das Wort „Erpressung“ verwendet. Denn Erpressung wäre die einzige Art und Weise, mit der Google den „juristischen Dolchstoß“ seiner Hardware-Partner vor einem Gericht erklären könnte, ohne die eigene Position zu schädigen.

Aus unserer Sicht ist es sinnvoll, dass Google weiterhin auf der eigenen Position beharrt, denn dass Microsoft aktuell mehr Geld mit Android als mit Windows Phone 7 verdient ist absurd – genauso absurd wie die Industrie-weiten juristischen Schlachten in Sachen Softwarepatente und Geschmacksmuster. Wenn Microsoft den Vorwurf entkräften will, ein Patenttroll zu sein, sollte der Konzern unserer Ansicht nach, statt sich selber in der Rolle des großen Retters zu glorifizieren, offener kommunizieren, welche Patente man überhaupt an die ODMs und OEMs lizenziert. Nur so kann man sich als Ottonormalverbraucher darüber informieren, ob Microsoft den Apple-Weg geht und für trivialste Ideen Geld verlangt oder ob die Android-Hersteller tatsächlich das Recht auf die Benutzung fundamentaler Techniken von Microsoft erwerben, die diese Lizenzabkommen legitimieren würden.

Es bleibt spannend. Wir werden euch natürlich über weitere Entwicklungen auf dem Patentschlachtfeld auf dem Laufenden halten.

Ars Technica: Microsoft collects license fees on 50% of Android devices, tells Google to “wake up”

Bild: Logo am Compal-Firmensitz: Wikipedia/H. T. Chien (cc)

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