Motorola Mobility: Google verkauft Smartphone-Hersteller an Lenovo – für 2,91 Milliarden Dollar

Frank Ritter
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Völlig überraschend gab Google soeben bekannt, dass man sich mit sofortiger Wirkung von der eigenen Smartphone-Marke Motorola Mobilty trenne. Motorola geht an den chinesischen Elektronik-Giganten Lenovo, die Kaufsumme beträgt 2,91 Milliarden US-Dollar. Erst 2011 hatte Google den Kauf des Traditionsherstellers initiiert, die Übernahme war vor 19 Monaten abgeschlossen.

Motorola Mobility: Google verkauft Smartphone-Hersteller an Lenovo – für 2,91 Milliarden Dollar

Larry Page hat soeben über das Google-Firmenblog bekannt gegeben, dass sich der Konzern aus Mountain View von Motorola Mobility trennen werde. Page lobte in seinem Blog-Artikel die Arbeit, die CEO Dennis Woodside mit seinem Team in den vergangenen 19 Monaten geleistet habe, insbesondere den Fokus auf weniger und dafür bessere Smartphones. Unter Woodsides Ägide waren die viel gelobten Smartphones Moto X und Moto G (Test) entstanden.

Angesichts des hochkompetitiven Smartphone-Marktes sei man jedoch zu dem Schluss gekommen, dass ein erfahrener Hardware-Hersteller wie Lenovo das bessere Firmendach für Motorola sei. Lenovo sei ein Hersteller von wachsender Relevanz im Bereich der Android-Smartphones und habe jahrelange Erfahrung bei der Fertigung von PCs. Page und Lenovo-CEO betonen beiderseits, dass die Markenidentität von Motorola bei Lenovo erhalten bleiben soll, ähnlich wie es der chinesische Konzern mit den Laptops der ThinkPad-Serie gehalten habe – die Produktlinie wurde 2005 von IBM übernommen.

Lenovo-CEO Yang Yuanqin gab in einer Pressemitteilung zu Protokoll, dass man mit dem Kauf auf einen Schlag eine starke Position auf den Smartphone-Märkten in Nord- und Süd-Amerika und einen Fuß in der Tür in Europa habe. Man wolle das Beste aus beiden Konzernen zusammenführen, Ziel sei es, die nächsten 100 Millionen Menschen mit mobilem Internet zu versorgen.

Als Google 2011 bekannt gab, dass man Motorola für 12,5 Milliarden Dollar übernehmen wollte, spielte das Patentportfolio des Mobilfunkpioniers eine wichtige Rolle. Dieses bleibt zu einem großen Teil auch nach dem Verkauf an Lenovo im Besitz von Google, nur ein Bruchteil davon – rund 2000 – gehen in den Besitz von Lenovo über, für den Rest des Portfolios erhalten die Chinesen eine umfassende Lizenzierung.

Wie Google wiederholt betonte, sieht man diese Patente als Verteidigungsinstrument im Kampf gegen Wettbewerber und „Patenttrolle“ vor Gericht. Die Übernahme von Motorola durch Lenovo ist allerdings noch nicht unter Dach und Fach – ähnlich wie bei der Konzernübernahme 2011/2012 wird es einige Zeit in Anspruch nehmen, bis die internationalen Kartell- und Regulierungsbehörden den Transfer geprüft und genehmigt haben.

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Reaktionen

Unter anderem Jean-Baptiste Queru – Ex-Chef des Open Source-Zweiges von Android und mittlerweile Yahoo!-Angestellter – ließ sich dazu hinreißen, den Verkauf von Motorola ins Verhältnis zur erst vor zwei Wochen bekannt gegebenen Übernahme von Nest zu setzen.

Wie geht es weiter mit Motorola?

Die aktuellen Entwicklungen sollen sich nicht auf das ambitionierte „Project Ara“ auswirken. Daniel Makoski, Lead Designer von Project Ara, gab gegenüber androidnext-Redakteur Lukas Funk per Twitter an, dass man nicht nur „mit Volldampf“ weiterarbeite, sondern auch Neuigkeiten in der kommenden Woche verkünden wolle.

Mit Project Ara will Motorola ein modulares Smartphone auf den Markt bringen, bei dem einzelne Komponenten austauschbar sind, etwa Speicher, die Kamera oder gar der Prozessor.

Noch in den Sternen steht, inwieweit Motorola weiterhin Geräte für den US-Markt direkt in den USA herstellen wird. Auch, ob Dennis Woodside künftig eine Position bei Lenovo bekleiden oder zurück zum „Mutterschiff“ Google wechseln wird, ist noch nicht bekannt.

Quelle: Google Blog, Lenovo-PM

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