Netflix, Amazon Prime Video und Co. werden immer beliebter, die Nutzerzahlen steigen weiter an. Der Grund: Jetzt entdeckt die nächste Generation das Streamingprogramm. Schaut überhaupt noch jemand Fernsehen?

Fernsehen stirbt aus: Streaming erobert Deutschland
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Das Marktforschungsinstitut Bitkom Research hat eine repräsentative Umfrage zum Videostreaming in Deutschland durchgeführt. Für die Studie wurden knapp über 800 Internetnutzer befragt, welche Art von Sendungen sie über kostenpflichtige Streaming-Portale abrufen. Das Ergebnis: Drei von zehn deutschen Internetnutzern ab 14 Jahren schauen Spielfilme und Serien auf On-Demand-Portalen. Das sind 29 Prozent – letztes Jahr waren es noch 25 Prozent.

Konkurrenz zum klassischen Fernsehen

Das normale Fernsehprogramm bekommt durch die Streaming-Anbieter mit ihren eigenen Filmen und Serien große Konkurrenz. Gegen die preisgekrönten Serienhits wie Game of Thrones, House of Cards und Breaking Bad verschieben die Messlatte für Unterhaltung nach oben, da kann so manches deutsche Programm nicht mithalten.

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Nebenbei-Medium Fernsehen

Eine weitere Studie belegt, dass der Fernseher in Deutschland das beliebteste Gerät für den Videokonsum ist. Doch die Mehrheit der Zuschauer schenkt ihrem TV nicht mehr die volle Aufmerksamkeit und nutzt parallel das Internet, schreibt E-Mails oder ist in sozialen Netzwerken aktiv. Die durchschnittliche Fernsehdauer liegt bei 223 Minuten pro Tag. In den letzten zehn Jahren ist der Wert bei den 14- bis 29-Jährigen von 133 auf 118 Minuten gesunken. Bei den 30- bis 49-Jährigen von 205 auf 2012 leicht gestiegen und erst ab 50 Jahren steigt der Konsum wieder stark auf 313 Minuten pro Tag.

„Fernsehen, Filme oder Serien werden heute zunehmend orts- und zeitunabhängig abgerufen. Das klassische Fernsehen verliert allmählich seine große Bedeutung. Mit jedem Jahr verschiebt sich das Gewicht weiter zugunsten von Online-Angeboten“, erklärt Marktforscher Timm Lutter von Bitkom.

Ältere Generation entdeckt Streaming

Besonders auffällig an den Zahlen ist, dass inzwischen auch Personen über 65 Jahren mehr Streaming nutzen als im letzten Jahr. 2016 nutzten gerade einmal 8 Prozent Netflix und Co. Dieses Jahr sind es bereits 13 Prozent. Die erste Vermutung, dass ältere Menschen vor allem die Mediatheken der Fernsehsender nutzen und die Zahlen darauf zurückzuführen sind, wird allerdings widerlegt: Nur kostenpflichtige Portale sind in der Studie aufgeführt.

Junge Zielgruppe wichtig für Privatsender

Bei der Analyse der Zahlen zur jungen Zielgruppe fällt der Unterschied zum letzten Jahr ebenso stattlich aus. Von 29 Prozent im Vorjahr sind sie jetzt auf 39 Prozent gestiegen. Gerade die 14 bis 49-Jährigen sind besonders wichtig für Privatsender, da sie die werberelevante Zielgruppe darstellen.

Den großen Fernsehsendern werden diese Zahlen nicht gefallen. Sie haben innerhalb weniger Jahre einen ernstzunehmenden Konkurrenten bekommen und müssen aufpassen, nicht noch mehr Zuschauer zu verlieren. Sollte sich der Trend so rasant fortsetzen, wird es in Zukunft schwierig, sich gegen das Videostreaming durchzusetzen.

Quelle: Bitkom

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