Netflix und die Wettbewerber: Wer braucht all die neuen Streaming-Dienste?

Sven Kaulfuss
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Wie viele Streaming-Anbieter habt ihr abonniert? Netflix, Amazon Prime, Maxdome, Sky...mehr als ein oder zwei gleichzeitig werden es nicht sein. Zugriff auf alle exklusiven TV-Serien und Filme habt ihr damit aber noch lange nicht – dumm gelaufen.

Netflix und die Wettbewerber: Wer braucht all die neuen Streaming-Dienste?

Die Fragmentierung des Streaming-Marktes schreitet unaufhörlich voran, jeder Anbieter kocht sein eigenes Süppchen und versucht durch exklusive, eigene Inhalte zahlende Käufer zu binden. Vorreiter darin die Platzhirsche Netflix und Amazon. Sky kaufte dagegen früher lieber ein, investiert nun aber auch Millionenbeträge in eigene Serien. Selbst Apple versucht auf den Zug aufzuspringen und heuert im Umfeld Hollywoods mächtig an.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die neue Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Bisherige Artikel der Kolumne:

TV-Streaming: Angebotsfragmentierung bringt höhere Kosten für Nutzer

Eigentlich eine wunderbare Entwicklung – die goldene Ära der TV-Unterhaltung bringt immer neue und spannende Formate hervor, die den Vergleich mit Blockbuster-Produktionen aus dem Kino nicht scheuen müssen. Game of Thrones war da nur der Anfang, fortgesetzt durch unzählige weitere Erzeugnisse der Fernsehwelt. Wer beispielsweise aktuell „Star Trek: Discovery“ hierzulande auf Netflix schaut, glaubt im Angesicht der professionellen Inszenierung die neueste Kinoausgabe des Weltraumepos zu sehen – und dies liegt nicht nur am übermäßigen Einsatz von „Lens Flare“. Und doch ist ausgerechnet die neueste Star-Trek-Serie ein herausragendes Exempel des Fragmentierungsproblems. In den USA fliegt die Discovery nämlich nicht bei Netflix über den Bildschirm, sondern beim neu gegründeten Video-on-demand-Service „CBS All Access“. Sichtlich groß war die Freude bei den Fans. Wer „mitfliegen“ will muss also noch ein Abo abschließen. Auch weitere Anbieter gehen zukünftig eigene Wege, Disney beispielsweise – weg von Netflix, hin zum eigenen Service.

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Für den Kunden bedeutet dies am Ende: Höhere Kosten, denn statt eines Pay-TV-Senders wie zu Urzeiten der Fernsehunterhaltung oder maximal ein, zwei Streaming-Anbietern, muss er sich jetzt das Premiumfernsehen immer mehr selber aus mehreren „Kanälen“ zusammenbauen. Nicht vergessen sollte man in deutschen Landen noch die verpflichtende Rundfunkabgabe. Da kommt ein Sümmchen zusammen. Wohl die einzige „Alternative“ für den einen oder andere Nutzer: Auf illegale Angebote ausweichen – eigentlich seit dem Siegeszug von Netflix und Co. im Abschwung begriffen, demnächst wieder im Aufwind? Wer lieber ehrlich ist, der nutzt stattdessen die Möglichkeit von Familien-Accounts und teilt sich die Kosten. Allerdings ist auch dies nicht immer praktikabel, vor allem teilt man einen Account wohl nicht immer im engsten Umfeld – da ist dann ein profunder Abstimmungsprozess gefragt.

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Vom Musikstreaming lernen? Wohl eher nicht!

Der Musikmarkt ist da aus einem ganz anderen Kaliber geschnitzt. Ob Spotify, Apple Music, Google Music...ist eigentlich egal, denn der Angebotskatalog ist nahezu identisch. Nur vereinzelt sichert man sich exklusive Alben und Künstler. Demzufolge reicht es auch, einen einzigen Streaming-Anbieter abonniert zu haben. Warum gibt's diese traute Einheit der Angebotsfülle nicht im Film- und Serienbereich?

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Ganz einfach: Das Produkt „Musik“ ist ein gänzlich anderes. Zwar mag man Bands und Künstler hier und da am Reißbrett entwerfen können, allerdings empfinden wir unseren persönlichen Musikgeschmack doch als wesentlich individueller – eine Mischung aus alten Recken und neuen Entdeckungen. Künstliche „Superstars“ haben da eine geringere Halbwertszeit bei uns. Musik ist am Ende – trotz des Geschäfts –immer noch mehr Kunst, die manchmal nur bedingt nach Schema F geplant werden kann. Filme und Serien dagegen können jeweils isoliert als eigenständiges, originäres Konsum-Produkt betrachtet werden. Bei Erfolg gibt's ein „Update“, sprich eine Fortsetzung. Entsprechend geeignet sind diese Formate als exklusive Köder für Streaming-Anbieter.

Blick in die Glaskugel: Das Ende der Fragmentierung

Müssen wir uns also mit dieser Entwicklung abfinden? Zunächst schon, denn jeder Anbieter will seine Marge erhöhen. Der Direktvertrieb, sprich der jeweils eigene Streaming-Service, scheint da das geeignete Mittel zu sein. Wenn man mich fragt, jedoch nicht auf lange Sicht. Die finanziellen Mittel und die Bereitschaft diese für Fernsehunterhaltung aufzuwenden ist beim Kunden endlich. Drängen immer mehr Anbieter auf den Markt, so werden die Kuchenstücke immer kleiner. Früher oder später stellt sich die Kosten-Nutzen-Frage. Dann beginnt das große Sterben der Streaming-Dienste. Am Ende bleiben dann doch wieder nur zwei, drei Anbieter übrig. Sie vereinen die Reste nach dem jetzt aufziehenden „Streaming-Krieg“ und sitzen fortan einsam auf dem eisernen Thron der TV-Unterhaltung.

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Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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