Nikon 1 V1 und Nikon 1 J1 sind Nikons neue Systemkameras

Holger Blessenohl

Seit Monaten brodelte schon die Gerüchteküche, nun ist es offiziell. Nikon steigt in den boomenden Markt mit spiegellosen Wechselobjektiv-Kameras ein und sagen gleich im Namen, wo sich Nikons Systemkamera einordnen soll: Nikon 1. Wenn der Marktführer ein völlig neues Kamerasystem vorstellt, sind die Erwartungen natürlich hoch. Wir haben uns Nikons erste Systemkamera mal angesehen und sagen, ob die Nikon 1 das Zeug zur Nummer 1 hat.

Nikon 1 V1 und Nikon 1 J1 sind Nikons neue Systemkameras

Die Nikon 1 wird unterteilt in eine in Schwarz und Weiß lieferbare EVIL-Kamera Nikon 1 V1 (Electronic Viewfinder and Interchangeable Lens) und eine Lifestyle-Kamera in fünf bunten Farben Nikon 1 J1 (zusätzlich Rot, Silber und Pink). Wichtigstes Unterscheidungskriterium der beiden Wechselsystemkameras ist wie schon angedeutet der elektronische Sucher der V1, wodurch diese etwas größer ausfällt. Außerdem kann nur die V1 mit dem als Zubehör erhältlichen GPS-Empfänger GP-N100 und dem Blitzgerät SB-N5 verbunden werden.


Ansonsten protzt die Nikon 1 mit Superlativen: schnellstes Autofokus-System der Welt, schnellste Serienbildaufnahme weltweit, ein neu entwickelter EXPEED 3-Prozessor, der um ein Vielfaches schneller sein soll als die meisten Profikameras. Grundlage der Aussagen sind leider immer nur Leistungstests von Nikon selbst.

Außerdem ist die Nikon 1 J1 mit 106 x 61 x 30 mm die weltweit kleinste Systemkamera der Welt mit einem Bildsensor, der größer ist als 1 Zoll. Heißt übersetzt: Die Pentax Q ist noch etwas kleiner. Die größere Schwester Nikon 1 V1 ist mit 113 x 76 x 43,5 mm die weltweit kleinste Systemkamera mit elektronischem Sucher.


So erfreulich die kompakten Größen auch sein mögen, um sie zu erreichen, muss Nikon etwas tricksen. Mit der Nikon 1 wird es auch eine weitere Sensor-Größe geben: Nikon CX. Der neue Nikon CX-Sensor hat die Maße 13,2 x 8,8 cm und reiht sich damit zwar oberhalb der gängigen Kompaktkamera-Sensoren ein, ist jedoch deutlich kleiner als das von Olympus und Panasonic verwendete Micro-Four-Thirds-Format. Von APS-C wie in der NX-Serie mal ganz zu schweigen, das entspräche dem Nikon DX-Format. Auch Nikon kann bei den Kameragrößen also nicht zaubern, an der Faustregel “kleinere Kamera=kleinerer Sensor” kommen sie nicht vorbei. So hinterlassen die kompakten Größen einen etwas zwiespältigen Eindruck.

Neben dem neuen Nikon CX-Format hat Nikon außerdem noch einen neuen Bajonett-Anschluss bekannt gegeben: Das Nikon 1-Bajonett. Passend zu den Nikon 1-Kameras wird es 1 NIKKOR-Objektive geben, zum Start weg erst mal vier. Ein Standardobjektiv mit 3-fach Zoom von 10-30mm (KB-äquivalent 27-81mm), ein Telezoom-Objektiv mit 30-110mm (KB-äquivalent 81-297mm), eine kompakte 10mm-Festbrennweite (KB-äquivalent 27mm) und einen für Videoaufnahmen optimierten 10-100mm PD-Zoom (KB-äquivalent 27-270mm). Bei allen vier Objektiven fällt auf, dass sie nicht allzu lichtstark sind, lediglich die 10mm-Festbrennweite kann wenigstens mit f/2,8 aufwarten. Ansonsten gibt Nikon die Anfangs-Lichtstärke mit f/3,5 und schlechter an. Als Zubehör wird es aber auch einen Adapter für NIKKOR-Objektive geben.


Dafür werden die beiden Systemkameras zwei neue Funktionen erhalten, die in der Beschreibung sehr interessant klingen. Beim Pre-Post-Capture werden bereits vor und nach dem Auslösen Bilder geschossen. Aus insgesamt 20 Fotos wählt die Kamera anhand der Parameter Fokus, Schärfe und Gesichtsausdruck die fünf besten zur Auswahl des Fotografen aus. Wer jetzt an den Best-Shot-Selector denkt, vergisst, dass der erst nach dem Auslösen mit den Serienbildern beginnt. Das Pre-Post-Capture ist also vor allem dann eine perfekte Lösung, wenn man den besten Moment gerade um einen Sekundenbruchteil verpasst hat.

Die zweite interessante Neuheit ist der “Bewegte Schnappschuss”. Dabei werden gleichzeitig ein Foto geschossen und eine Mini-Zeitlupe gefilmt. Anschließend werden beide Dateien zu einem “bewegten Bild” zusammenmontiert. Wie das funktioniert, möchte ich gern mal in der Praxis erleben.


Nikon will die Kameras bereits Ende Oktober in den Handel bringen. Die Preise für die Kits der professionelleren Nikon 1 V1 rangieren von 869,-

Weitere Themen: Nikon 1 V1, Nikon Coolpix S800c , Nikon

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