Die Power Glove Story: So schlecht, dass man ihn lieben muss

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Es gibt nicht viele Geschichten, die uns so viel über unsere Spielekultur verraten wie diese. Sie beginnt 1989. Ein tolles Jahr. Der erste Game Boy und das Sega Mega Drive erblickten das Licht der Welt. Klassiker wie „Prince of Persia“, „Populous“ oder „Speedball“ sorgten für Furore. Der große Crash der Branche war längst vergessen. Der erstarkten Spieleindustrie ging es besser als jemals zuvor. Immer mehr Entwickler, Ingenieure und Unternehmer suchten mit neuen Ideen und Produkten ihr Glück im boomenden Markt. Eines dieser Produkte hörte auf den selbstbewussten Namen „Power Glove“.

Die Power Glove Story: So schlecht, dass man ihn lieben muss

Um die Geschehnisse, die sich rund um den „Power Glove“ zutrugen, etwas besser einordnen zu können, muss zunächst an sein großes Versprechen erinnert werden. Der „Power Glove“ war 1989 pure Science-Fiction.

Eine bahnbrechende, neue Technologie für das Nintendo Entertainment System. Cutting Edge-Hardware direkt aus dem Erfinder-Schuppen eines Doc Brown. Ein vollkommen neuartiger Controller, der es seinem Träger nicht nur ermöglichte, unglaublich cool auszusehen, sondern seine Handbewegung auch in Echtzeit auf den Bildschirm zu übertagen vermochte. Mit anderen Worten: Der Gamer wurde selbst zum Controller.

Zumindest war dies der Eindruck, der von der herstellenden Firma Mattel (in Japan vertrieb PAX das Gerät) vermittelt wurde. »Der Power Glove wird wie ein Joystick eingesteckt. Doch dort enden die Gemeinsamkeiten auch schon, denn jetzt steuerst du die Action nicht mehr – du bist IN der Action«. Und damit nicht genug. In einem zweiten Schritt würde der „Power Glove“ kurz nach Release sogar die dritte Dimension zum ersten Mal zugänglich machen. Der futuristische Handschuh brachte die Virtual Reality in greifbarer Nähe. Nichts schien unmöglich.

Offizielle Lizenz von Nintendo

Mattel hatte von Nintendo eine offizielle Lizenz erhalten und obwohl der japanische Games-Pionier nicht direkt in Design und Vertrieb des “Power Gloves” involviert war, half man Mattel und PAX, wo man nur konnte. Die Werbetrommeln verkündeten dabei nicht weniger als eine Revolution.

Mattel und Nintendo ließen es in der groß angelegten Werbe-Kampagne mächtig krachen. Die Botschaft war simpel: Die nächste Evolutionsstufe des Gaming stand unmittelbar bevor. Grant Goddard, Samuel Cooper Davis und Thomas G. Zimmerman hatten einen Controller entwickelt, der uns von den unkomfortablen Fesseln des Joysticks befreien würde. Sogar einen eigenen Kinofilm gab Nintendo, damals fungierend als Produzent, in Auftrag. Der als Jugendfilm getarnte „The Wizard“ war eine gewaltige Nintendo-Werbeveranstaltung, die den Helden in einem “Super Mario Bros. 3″ Turnier gegen einen unschlagbaren Gegenspieler antreten ließ – natürlich rührte dessen Überlegenheit vom allmächtigen “Power Glove”. Millionen von Kids gingen dem Film auf den Leim und waren nun endgültig verrückt nach dem wohl besten Stück Hardware aller Zeiten.

Aus der heutigen Sicht scheint es nur schwer begreiflich, warum man das kapitale Versagen des „Power Glove“ nicht kommen sah. Anzeichen gab es schließlich genug.

Nintendo selbst hatte ein ähnliches Konzept kurz zuvor eingestellt, da es dem Unternehmen nicht gelungen war, einen funktionstüchtigen Prototypen zu entwickeln. Der damalige Stand der Sensoren-Technologie war zudem noch Lichtjahre von den abwegigen Versprechungen aus der Werbung entfernt. Außerdem waren zum Verkaufsstart des „Power Glove“ lediglich zwei Spiele angekündigt worden, die den Controller auch tatsächlich unterstützen würden. Den insgesamt 100.000 Käufern des „Power Glove“, die Matell zunächst die respektable Summe von 88 Millionen Dollar in die Kassen spülte, war all das offenbar egal. Schließlich war »alles andere Kinderspielzeug«.

Die gewaltige Enttäuschung, die diese Gamer in den ersten Momenten mit dem Controller empfunden haben, ist gut überliefert. Beide exklusiven „Power Glove“ – Spiele – „Super Glove Ball“ und „Bad Street Brawler“ – waren ein Desaster. Während man in „Super Glove Ball“ ob der unpräzisen und verzögerten Eingaben des Controllers an den Rand der Unspielbarkeit getrieben wurde, fiel „Bad Street Brawler“ vor allem mit repetitiven und schwachsinnigem Gamplay auf, welches darüberhinaus kaum von den Funktionen des „Power Glove“ Gebrauch machte.

Das Kartenhaus fällt in sich zusammen

Das Kartenhaus fiel in sich zusammen. Der „Power Glove“ konnte kein einziges seiner Versprechen halten. Es machte einfach keinen Spaß, ihn zu verwenden. Es war eine von Frust und Entzauberung geprägte Spielerfahrung. Da half es natürlich auch nicht, dass man die beiden einzigen Exklusiv-Spiele trotz gegenteiliger Behauptung auch ohne Weiteres – und natürlich sehr viel besser – mit dem stinknormaler NES-Controller spielen konnte.

Der „Power Glove“ wurde ein unternehmerischer Mega-Flop und erntete von der Presse eine vernichtenden Kritik nach der anderen. Weder die Unterstützung von rudimentärem 3D, noch die Möglichkeit seiner Verwendung in anderen Spielen konnte das sinkende Schiff noch retten. Aus dem „Power Glove“ wurde ein trauriger Treppenwitz der Spielegeschichte.

Doch da wir Gamer gerne lachen und ein Herz für epochale Fails haben, ist der merkwürdige Handschuh irgendwie nicht totzukriegen. Egal, ob es eine Gaming-interessierte Speed Metal-Band ist, die sich nach ihm benennt, er in einer TV oder YouTube-Serie auftaucht oder jemand 20 Jahre später sein Versprechen mit moderner Technologie doch noch einlöst –  der „Power Glove“ ist noch immer unter uns. Nicht zuletzt natürlich auch über die längst etablierten  Bewegungssteuerungen Wiimote, Kinect und Move, die heute jene Erfolge feiern, die dem tragischen Handschuh seinerzeit versagt blieben. So wurde aus dem „Power Glove“ ein schrulliges Denkmal – ein Denkmal für falsche Versprechungen und für Ideen, deren Zeit einfach noch nicht gekommen war.

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Weitere Themen: Nintendo 2DS, Pokémon Omega Rubin/Alpha Saphir, Super Smash Bros. 3DS/Wii U, The Legend of Zelda, Pokémon Link: Battle!, Pokémon Rubin & Saphir, Pokémon Rot & Blau, Bravely Default, The Legend Of Zelda: A Link Between Worlds, Nintendo


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