Nokia Lumia 800 - Optischer Leckerbissen mit Macken

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Jetzt ist es also endlich so weit und die Allianz aus Microsoft und Nokia kann endlich ein gemeinsames Produkt vorweisen. Nokias Lumia 800 will mit Hilfe von Microsofts Windows Phone 7.5 wieder mehr Marktanteile im Handymarkt erreichen. Optisch überzeugt das Lumia 800 schon, aber so wirklich vom Hocker haut es einen nicht.

Nokia Lumia 800 - Optischer Leckerbissen mit Macken

Einst war Nokia der unangefochtene Marktführer bei Handys. Seit aber Apples iPhone und auch die Armada an Googles Android-Smartphones über den mobilen Nomaden der Neuzeit herfallen, verliert der finnische Hersteller immer mehr an Boden. Nokia hatte einfach den Trend verschlafen. Mit kräftiger Unterstützung aus Redmond von Microsoft soll sich das Blatt wieder wenden und Nokias Smartphone-Sparte neues Leben eingehaucht werden. Mit dem nun erhältlichen Nokia Lumia 800 kommt endlich das erste Smartphone mit Microsofts mobilem Betriebssystem Windows Phone 7.5 auf den Markt.


Optisch ist das Lumia 800 schlicht und elegant und fällt deshalb auf den ersten Blick gar nicht auf. Beim näheren Betrachten ist aber genau das schlichte Design, was beeindruckt. Das gesamte Gehäuse ist aus einem einzigen stabilen Kunststoffblock geschaffen und liegt durch seine abgerundeten Seiten gut in der Hand. Auch das matte Finish des Gehäuses gefällt und vermittelt dem Besitzer ein schönes Gefühl in der Hand. Leider hat aber die matte Oberfläche und das Unibody-Design des Gehäuses auch zwei Nachteile. Zum einen sieht man auf der matten Oberfläche die Fingerabdrücke und zum anderen lässt sich der Akku nicht austauschen. Von den Abmessungen her ist das Lumia 800 minimal größer und mit 143 Gramm minimal schwerer als das iPhone 4/4S.

Auf der Rückseite des Lumia 800 befindet sich die 8-Megapixel-Kamera mit doppelter LED-Leuchte. Beides ist mit einer metallischen Abdeckung verziert. Auf der rechten Seite hat Nokia sämtliche Knöpfe, den Wippschalter für die Lautstärkeregelung, den Ein- und Ausschalter sowie den Auslöser für die Kamera untergebracht. Unterhalb des Displays befinden sich die Windows Phone 7 typischen Softkeys. Leider lässt sich über die das Lumia 800 nicht aus dem Ruhezustand erwecken, sondern man muss den Ein- und Ausschalter dafür betätigen. Dafür kann man die Kamera auch im gesperrten Zustand über den Auslöser starten. Dazu muss die Taste im Ruhezustand etwas länger gedrückt gehalten werden.

Aber wo ist der Micro-USB-Stecker und der Einschub für die SIM-Karte? Beides befindet sich am oberen Gehäuserahmen hinter Klappen geschützt. Sehr schön ist, dass Nokia auf Micro-SIM-Karten setzt. Die alten SIM-Karten nehmen einfach zu viel Platz weg, den man sinnvoller einsetzen kann.

Zune-Zwang
Wie alle anderen Windows-Phone-7-Smartphones auch, benötigt Nokias Lumia 800 für den Datentransfer und -Abgleich Microsofts Zune-Software für den PC oder den Windows Phone 7 Connector für Mac-OS-X-Anwender. Mit diesen beiden Programmen ist es dann möglich beispielsweise Musik aus iTunes zu exportieren und auf das Lumia 800 zu übertragen. Natürlich lassen sich auch Bilder, Videos und Filme übertragen, aber als USB-Massenspeicher lässt sich das Nokia nicht verwenden. Wozu auch, denn schliesslich bietet Microsoft mit dem SkyDrive einen Online-Speicher mit satten 25 GByte Speicherkapazität an, der auch noch kostenlos ist.

Office To Go
Einer der größten Vorteile von Windows Phone 7 ist, dass mit diesen Smartphones auch MS-Office-Dokumente, also Word, Excel, PowerPoint und OneNote, bearbeitet werden können. Der Dokumentenaustausch wird dann über SharePoint, Office 365 oder SkyDrive online geregelt. Schön ist, dass Office auf dem Windows-Phone-7-Geräten schon kostenlos vorinstalliert ist.


Maps, Music und Navigation
Exklusiv sind die Nokia-eigenen Apps: Nokia Music, Navigation und Karten kommen vom finnischen Hersteller. Es ist für den Anwender aber etwas verwirrend, denn auch Microsoft hat mit Bing Maps und Zune Musik & Videos zwei ähnliche Dienste im Angebot. Mit Nokia Navigation bietet das Lumia 800 aber etwas an, dass sicherlich jeden Autofahrer freut: eine kostenlose Navigations-App. Um die Navigation nutzen zu können, muss man aber noch das Kartenmaterial herunterladen. Diese können gewaltig werden: Alleine Deutschland frisst schon über 480 MByte Speicher, das komplette Kartenmaterial für die USA sogar 1,7 GByte. Dafür kann der Nokia-Lumia-800-Anwender diese aber kostenlos herunterladen. Bei der Konkurrenz von Navigon muss man für zusätzliches Kartenmaterial sehr viel Geld bezahlen. Leider ist Nokias Navigation, trotz installiertem Kartenmaterial auf eine Onlineverbindung angewiesen, so dass es gerade im Ausland durch die Roamingkosten sehr teuer werden kann.

Browser ohne Flash
Welchen Browser hat Microsoft wohl für Windows-Phone-7-Smartphones vorgesehen? Natürlich den Internet Explorer 9 in seiner mobilen Version. Der Browser reagiert subjektiv gesehen flott auf Eingaben und auch beim Scrollen von bildlastigen Webseiten. Adobe Flash wird aber vom Browser nicht unterstützt, dafür HTML5. YouTube-Videos werden gerade noch flüssig bis zu einer Auflösung von 720p abgespielt. Ansonsten lassen sich Videos aber auch im WMV9-, MPEG4, H.264 oder ASF wiedergeben.

Was nicht gefällt
Nokia setzt beim Lumia 800 auf ein 3,7 Zoll AMOLED-Display. Auch beim Nokia Lumia 800 scheint mir persönlich das Bild einen leichten Blaustich zu haben. Dafür ist der Kontrast stark. Auch bei sehr hellen Umgebungen ist alles sehr gut lesbar. Microsoft hat hier auch etwas beigesteuert, denn das begrenzte personifizieren des gesamten Layouts von Windows Phone 7 hilft der Lesbarkeit. Bis auf das Umstellen der Kachelfarben und das Umstellen des Hintergrunds von schwarz auf weiß, lässt Microsoft nichts zu.

Schade ist auch, dass die Kacheln sich nicht in der Größe verändern lassen. So finden auf den Startbildschirm nicht mehr als acht der Kacheln Platz und der Anwender muss sehr bald anfangen zu scrollen.

Begrenzt ist auch der interne Speicher. Das Lumia 800 verfügt nur über 16 GByte Speicher, wovon etwa 14 GByte für Applikationen und persönliche Daten noch zur Verfügung stehen. Einen Micro-SD-Kart-Slot sucht man leider vergeblich. Das ist sehr schade, denn wer seine eigene Musik, Bilder und Videos mit sich auf dem Lumia 800 herumtragen will, der ist stößt sehr schnell an die Grenzen, es sei denn man lagert zahlreiche Daten auf Microsofts eigenen Cloud-Dienst SkyDrive aus.

Durchschnitt ist leider auch die Akkulaufzeit. Mit dem festeingebauten 1.450 mAh Akku lief das Testgerät bei uns nur knapp eineinhalb Tage, trotz der neuen Stromsparfunktionen von Windows Phone 7.5. Ein leistungsstärkerer Akku hätte dem Lumia 800 sicher besser gestanden.

Verfügbarkeit:
Das Nokia Lumia 800 wird bei fast allen Netzbetreibern angeboten: Die Deutsche Telekom bietet es in Verbindung mit einem 24 Monate Complete L Vertrag für 4,95 Euro an. Als Bonus liegt diesem Angebot auch noch ein Gutschein über 50 Euro bei, die man für Apps einsetzen kann.

Wer lieber ein nicht gebrandetes Nokia Lumia 800 haben will, der kann sich das Smartphone auch bei Amazon ohne Vertrag bestellen. Dann kostet das Lumia 800 satte 499,- Euro.

Fazit:
Das Nokia Lumia 800 besticht durch sein schlichtes Design und die Haptik stimmt auch. Das Unibody-Kunstoff-Gehäuse und die gewölbte Glasabdeckung fühlen sich sehr wertig an. Hier ist Nokia eindeutig eine Klasse für sich. Das AMOLED-Display hat meines erachtens immer noch einen Blaustich, aber viele Anwender können damit leben, dass haben die Verkaufszahlen des Samsung Galaxy S und Samsung Galaxy S2 gezeigt.

Das mitgelieferte Windows Phone 7.5 ist anders und irgendwie praktisch. Freunde von Benutzeroberflächenbasteleien und Wallpaper-Fans werden sicherlich keine Freude mit dem Betriebssystem von Microsoft haben. Was fehlt ist eine noch intensivere Verbindung mit dem Xbox-Live-Dienst.

Es wird Zeit, dass Microsoft seine zur CES 2011 vorgestellte Vision auch in die Realität umsetzt. Dann werden sich sicherlich viele Xbox-Besitzer ein Windows-Phone-7-Smartphone holen.

Weitere Themen: Nokia Lumia 800, Nokia Lumia 830, Nokia N1, Nokia Lumia 930, Nokia X, X+ und XL, Nokia Lumia 920, Nokia Lumia 900, Nokia Lumia 710, Nokia

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