Nubert: Der Woz unter den deutschen Lautsprecherherstellern (mit Video-Interview)

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„Ehrliche Lautsprecher“ hat sich Nubert auf die Fahnen geschrieben. Der schwäbische Hersteller von Hifi-Boxen gilt als Anbieter eines guten Preis-/Leistungsverhältnisses und hat zahlreiche Auszeichnungen für seine Produkte bekommen. Wir haben Nubert besucht.

Hifi-Enthusiasten ist Nubert schon seit zwei, drei Jahrzehnten ein Begriff. Mit den Aktivboxen nuPro A-10 und nuPro A-20 (Test auf GIGA) wird der Lautsprecherhersteller für eine neue Zielgruppe interessant: Nämlich für die, die einen ordentlichen Klang auf dem Schreibtisch wünschen und einfach iPhone, Mac oder andere Abspielgeräte anschließen möchten.
Flavio und ich sind nach Schwäbisch Gmünd gefahren und haben den Chef Günther Nubert zu Hifi-Trends, Apples AirPlay, Direktvertrieb und Analog-Voodoo vor der Kamera befragt:

Günther Nubert, ein Hifi-Bastler

Wir sind im Labor des Chefs – und wir sehen, dass hier gebastelt wird. „Ich würde gerne Ordnung halten, aber es gelingt mir nicht“, gesteht Günther Nubert. Dennoch (oder gerade deshalb) lebt er hier in seinem Element, zwischen Kabeln, Messinstrumenten, aufgeschraubten Verstärkern und vor allem vielen Lautsprechern. Er wirkt begeistert von seiner Arbeit, und schafft es somit problemlos, auch andere davon zu begeistern.
Günther Nubert packt die Dinge spielerisch an, allerdings mit enormen Fachwissen. Die kleine Firma mit drei Ingenieuren und 50 Mitarbeitern in der „Speakerfactory“ kauft nicht einfach Produkte in Asien ein und stempelt den eigenen Namen darauf, sondern entwickelt selbst.

Es ist unmöglich, die Parallelen zu übersehen: Günther Nubert ist ein Steve „Woz“ Wozniak im Kleinen. Wir meinen damit nicht, dass auch er seine ersten Geräte in einer Garage zusammenschraubte (es waren nur keine Telefonautomaten wie bei dem Apple-Mitbegründer, sondern eben Audiogeräte). Nein, Nubert und Kollege Wozniak teilen mehr, nämlich diese zwei Eigenschaften: Beide sind sie große Bastler, und beide haben sie keinerlei Geschäftssinn.

Nimmt man eine dritte Eigenschaft hinzu, dann ist es: Sympathie. Nubert ist ein sehr sympatischer Bastler, in einer sympatischen Betrieb (in dem natürlich alle schwäbeln).

Zum Thema Geschäftssinn: Wir entdecken einen Prototyp und sprechen ihn darauf an. Er wirft etwa nicht ein Tuch darüber, um es vor unseren neugierigen Blicken zu verstecken, sondern erzählt uns erfreut von seinem Vorhaben.
Eine unvorsichtige Entscheidung mit größeren Folgen: Welche Kabel müssen in einem Lautsprecher am besten auf welche Weise verlötet werden? Nubert entwickelte ein Konzept, und gab das Wissen an seinen Fabrikanten weiter – ohne Patentanmeldung, Lizenzabsprachen oder ähnliches. Jetzt setzt der Hersteller das Wissen auch für andere Lautsprechermarken ein, ohne “Entschädigung” für Nubert.

Damit ein Unternehmen läuft, braucht so ein Bastler einen Gegenpol – bei Apple war es Steve Jobs, bei Nubert ist es Roland Spiegler. Er kümmert sich quasi um alles andere. Ob das die Veröffentlichungstermine sind, oder die Einschätzung des Markterfolgs eines neuen Produkts.

Nubert-Visionen: Vier Subwoofer im Heimkino, von denen zwei nur „löschen“

Günter Nubert lässt seiner Kreativität freien Lauf. Hinzu kommt, dass er ein eingefleischter Physiker ist: Erkärt er seine Produkte und Technologien, kommen schnell Zettel und Stift zum Einsatz, er zeichnet Graphen und Formeln.

Schönstes Beispiel für Innovation im Hause Nubert ist die Erfindung des Double-Bass-Array. Bass-Frequenzen schaukeln sich oft zu einem Dröhnen hoch – und je tiefer und lauter die Klänge sind, desto schwerer können Raummoden mit Dämpfern verhindert werden. Nuberts Lösung: Im Zimmer (z.B. Heimkino) stehen an beiden Enden je zwei Subwoofer. Die an der hinteren Wand dienen nur dazu, die auftreffenden Schallwellen aufzusaugen. Hierfür wird das Signal mit der passenden, zeitlichen Verzögerung phasenverschoben abgespielt.
Eigentlich ein simples physikalisches Phänomen, dessen sich in etwas anderer Weise auch Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung bedienen. Aber nicht ganz einfach in der Umsetzung. Nubert will dieses System zur Marktreife bringen, und sieht es als enormen Fortschritt an, besonders für das Heimkino.

Lautsprecher von Nubert: Konservatives Design im Direktvertrieb

Das Double Bass Array wird schon aus finanziellen Gründen eine weit kleinere Zielgruppe haben als die Aktivboxen nuPro. Wie im Video oben schon angesprochen, veröffentlicht der Lautsprecherhersteller im Herbst 2013 eine neue Modellreihe:

Zu beziehen sind die Boxen direkt über Nubert – im Versand, oder im eigenen Geschäft. Neben dem im Interview genannten Grund führt die Firma ein weiteres Argument für den Direktvertrieb an: Lautsprecher müssen in den eigenen Räumen ausprobiert werden, dort, wo sie zum Einsatz kommen sollen – besonders Hifi-Standlautsprecher.

Im Design gibt sich Nubert ganz bewusst eher unauffällig, erfahren wir bei dem Firmenrundgang: „Bei uns ist alles ganz klassisch, ohne Schnickschnack“, erläutert Roland Spiegler, „es gibt nichts, was man nach zwei Jahren nicht mehr ansehen kann“.

In unseren kurzlebigen Zeiten dürfen wir uns daran erinnern: Gute Lautsprecher sollten problemlos 20 Jahre spielen.

Zum Thema:

Video: Flavio; Fotos: Nubert, Flavio, Sebastian

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