Audi und Nvidia, BMW und Intel, Nissan und Microsoft: Neue Kooperationen der Mobilität

Stefan Bubeck
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Die Welt der Autos und die Welt der Computer rücken immer näher zusammen. Die CES 2017 zeigt, wie Autohersteller die zunehmende Digitalisierung durch Kooperationen bewältigen wollen. Ein kleiner Überblick.

Audi und Nvidia, BMW und Intel, Nissan und Microsoft: Neue Kooperationen der Mobilität

Nvidia versorgt Audi mit künstlicher Intelligenz

Ein komplett autonom fahrendes Auto von Audi, das könnte 2020 gebaut werden. Der wichtigste Partner an Bord ist der Grafikkartenhersteller Nvidia, dessen CEO Jen-Hsun Huang auf der CES in Las Vegas in seiner zum Markenzeichen gewordenen schwarzen Lederjacke auf die Bühne trat. Gemeinsam mit Scott Keogh (President of Audi of America) wurde die umfassende Partnerschaft angekündigt. Nvidia wird die offene KI-Computing-Plattform DRIVE PX beisteuern, die das Herzstück zukünftiger Roboterfahrzeuge werden soll. Hier geht es zu unserem Artikel: Audi und Nvidia kündigen komplett autonomes Fahrzeug für 2020 an

Intels neue Plattform wird von BMW getestet

BMW will in der zweiten Jahreshälfte dieses Jahres 40 autonome Testfahrzeuge in den USA und Europa auf Probefahrt schicken, im Jahr 2021 könnte die Technik dann in einem neuen Modell der BMW-i-Serie zum Einsatz kommen. Die benötigte Hardware steuert der Chiphersteller Intel bei.

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Intel Go: Computing-Plattform für Fahrzeuge

Dieser hat erst vor kurzem seine „skalierbare Entwicklungs- und Computing-Plattform“ namens „Go“ enthüllt. „In diesem Jahr werden wir diese gemeinsame Technologie in weltweiten Feldversuchen unter realen Bedingungen testen. Das ist ein signifikanter Schritt hin zur Einführung des BMW iNEXT im Jahr 2021, der das erste autonom fahrende Fahrzeug der BMW Group sein wird“, sagte Klaus Fröhlich, Mitglied des Vorstands der BMW AG.

Intel hat nicht nur an dieser Stelle Berührpunkte mit den bayrischen Autobauern, auch die jüngste Beteiligung des Chip-Riesen am Kartendienst HERE passt zur angekündigten Kooperation. Intel will im ersten Quartal des Jahres einen 15-Prozent-Anteil erwerben. HERE ist derzeit in fester Hand der deutschen Autoindustrie: Audi, BMW und Daimler geben den Ton an, Intel wäre dann der vierte große Anteilseigner. Die Amerikaner haben Großes vor: Es geht um die Aktualisierungen von hochauflösenden Karten nahezu in Echtzeit, dazu soll eine hochskalierbare Software-Architektur entwickelt werden.

Edzard Overbeek, CEO von HERE: „Eine echtzeitnahe, sich selbst aktualisierende und hochauflösende Karte ist von entscheidender Bedeutung für das autonome Fahren. Um eine solche ins Fahrzeug zu bringen, braucht es hochleistungsfähige Rechnerinfrastrukturen. Als führender Chiphersteller wird Intel uns helfen, die Entwicklung einer einheitlichen, digitalen Plattform für echtzeitnahe ortsbasierte Technologie zu beschleunigen, die das Auto, die Cloud und weitere vernetzte Geräte umfasst.“

Microsoft Connected Vehicle Platform: Cortana für Nissan und BMW

Auch wenn Microsoft mit seiner Surface-Reihe mittlerweile immer stärker als Hardware-Hersteller wahrgenommen wird – von Autos lässt man in Redmond die Finger, das sollen lieber die etablierten Autobauer machen. Aber passende Software und Services beisteuern? Warum nicht. Die „Connected Vehicle Platform“ soll Autoherstellern dabei helfen, ihre Fahrzeuge für die Mobilität der Zukunft fit zu machen, und zwar mit Microsoft Technologien und Dienste. Darunter fallen beispielsweise Dynamics, Office 365, Power BI, Skype for Business und selbstverständlich Cortana, die digitale Assistentin.

Einer der ersten Partner in dieser Angelegenheit ist das Bündnis Renault-Nissan, aber auch BMW plant den Einsatz der Sprachsteuerung. Auf der Nissan Keynote der CES 2017 wurde bereits ein Vorgeschmack darauf gewährt, wie sich Cortana beim Autofahren als nützlich erweisen könnte. Im Video zu sehen, ab Minute 38:

Video: Nissan Keynote auf der CES 2017

Toyota und Ford gegen Apple und Google

Zum Abschluss noch eine andere Art der Kooperation: Toyota und Ford haben das SmartDeviceLink-Konsortium gegründet. Dieses soll als Non-Profit-Organisation die Open Source-Software für die Entwicklung im Fahrzeug zu nutzender Apps managen. Oder etwas einfacher und überspitzt formuliert: Die beiden Autokonzerne versuchen, die Vorherrschaft von Apples CarPlay und Googles Android Auto zu durchbrechen. Absolut nachvollziehbar, wenn man sich überlegt wie entscheidend die Schnittstelle vom Smartphone zum Fahrzeug mittlerweile geworden ist. Auch ein Blick in Apples imposante Liste der CarPlay nutzenden Hersteller schafft Verständnis für die Allianz von Toyota und Ford.

Shigeki Tomoyama, Präsident von Toyota Connected: “Die Konnektivität zwischen Smartphones und der Fahrzeug-Schnittstelle gehört zu den wichtigsten vernetzten Diensten überhaupt. Mithilfe von SmartDeviceLink können wir unseren Kunden diesen grundlegenden Service auf Basis einer sicheren Technologie bieten. Wir freuen uns, mit vielen Autoherstellern und Zulieferern zusammenzuarbeiten, die diese Auffassung teilen.”

Quellen: Heise, Handelsblatt, ZDNET, Windowsunited, Nissan, Ford

Weitere Themen: Mobility, NVIDIA Drive PX, NVIDIA Shield TV, NVIDIA Shield K1, Nvidia Tegra X1, NVIDIA Shield Tablet, Tegra Note, GeForce GTX 560 (Nvidia), Renault

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