OnePlus: Warum auch Fanboys Kritik akzeptieren müssen

Kaan Gürayer
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Was beim Fußball der „Ultra“ ist, der jede Kritik an seinem Verein als Majestätsbeleidigung auffasst, ist in der Mobilfunkwelt der „Fanboy“. Zwar hat jeder Hersteller seine hartgesottenen Fans – die Anhänger von OnePlus haben aber ein besonderes Talent darin, die beleidigte Leberwurst zu spielen. 

OnePlus: Warum auch Fanboys Kritik akzeptieren müssen

Am Wochenende war es mal wieder so weit: Mein Kollege Rafael berichtete über eine ziemlich peinliche Software-Panne beim OnePlus 5. Der sogenannte „digitale Tresor“ des OnePlus 5, der sensible Daten vor Zugriff schützen soll, ließ sich mit einfachsten Mitteln umgehen.

Nur wenige Minuten nach Veröffentlichung fanden sich bereits die ersten kritischen Stimmen in den Kommentaren – aber nicht OnePlus musste sich einen Rüffel für die Sicherheitslücke abholen, wo kämen wir denn dahin. Nein, nein: GIGA ANDROID war plötzlich Zielscheibe der Kritik. Wir hatten es ja gewagt, eine kritische Meldung über OnePlus zu bringen. Und wie bei jedem Artikel, der OnePlus auch nur ansatzweise kritisiert, haben sich die OnePlus-Fanboys auf uns gestürzt wie halb-verhungerte Tauben auf einen weggeworfenen Donut.

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Softwareentwicklung sei ja so kompliziert, wurde dann allen Ernstes als Entschuldigung für diesen bizarren Fauxpas beim „digitalen Tresor“ vorgetragen. Stimmt, Softwareentwicklung ist in der Tat kompliziert. Aber das kann und darf doch nicht als Ausrede für derartige Versäumnisse dienen – vor allem nicht dann, wenn man ein Softwareentwickler ist. Ein Taxifahrer beschwert schließlich auch nicht darüber, dass Taxifahren so schwierig sei.

Auch wenn es sich anders anhört: An dieser Stelle möchte ich eine Lanze für die OnePlus-Entwickler brechen. Denn es sind ja nicht die Programmierer selbst, die mit solch abstrusen Ausreden ihren eigenen Fehler übertünchen wollen – es sind die Hardcore-Fans von OnePlus, die keinerlei Kritik an ihrem Lieblingsunternehmen dulden. Ich bin mir sicher, dass es die Entwickler selbst am meisten wurmt, dass ihnen so ein peinliches Missgeschick unterlaufen konnte und sie mit Hochdruck dran arbeiten, die Lücke mit einem der nächsten Updates zu stopfen.

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OnePlus 5 im Test

Kein Welpenschutz mehr für OnePlus

Den „Welpenschutz“, den einige OnePlus-Fans für den Hersteller noch immer reklamieren, kann es anno 2017 nicht mehr geben. OnePlus mag vielleicht nicht so groß wie Apple, Samsung oder LG sein – ein kleines Smartphone-Startup, das als sympathischer David die Goliaths der Branche herausfordert, ist der Konzern aber schon lange nicht mehr. Das OnePlus 5 wird als Alternative für das Galaxy S8 und iPhone 7 Plus beworben und dementsprechend muss OnePlus auch an denselben Maßstäben gemessen werden wie Samsung und Apple – zumal das Unternehmen längst nicht mehr die Preisbrecher im Angebot hat, mit denen OnePlus einst für Furore gesorgt hat.

Zur Erinnerung: Das OnePlus One hat 2014 mit einer UVP von 269 Euro neue Maßstäbe in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis gesetzt. Drei Jahre später ist das OnePlus 5 mit 499 Euro beinahe doppelt so teuer. Der Preisabstand zur Flaggschiff-Konkurrenz, der mit viel gutem Willen noch als Entschuldigung für das ein oder andere Malheur hat herhalten können, schmilzt mit jeder neuen Generation.

Wie die Ultras im Fußball täten auch OnePlus-Fans gut daran, einfach mal tief durchzuatmen und zu entspannen – und nicht jede gerechtfertigte Kritik am Unternehmen wie ein bockiges Kind aufzunehmen, das sich heulend und schreiend auf den Boden wirft, wenn es an der Supermarktkasse mal keinen Schokoriegel bekommt.

Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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