Patentklagen gegen Android: Die Doppelzüngigkeit von Oracle

Frank Ritter
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Oracle verklagt Google derzeit unablässig wegen der Verwendung von Java-Code in Android, mit größtenteils mäßigem Erfolg. Die Empörung des Datenbankgiganten über Google bekommt nun einen noch faderen Beigeschmack: Der Chief Executive von Sun, der Firma, die Java entwickelt hat und nun zu Oracle gehört, Jonathan Schwartz, hatte noch 2007 Google und Android explizit für die Verwendung von Java in einem Blogpost gelobt. Dieser Blogartikel wurde nun von der Seite gelöscht.

Patentklagen gegen Android: Die Doppelzüngigkeit von Oracle

Zwar ist seit kurzer Zeit das gesamte Blog von Schwartz offensichtlich gelöscht, der Artikel bleibt dennoch über das Internetarchiv Wayback Machine von archive.org aufrufbar. Dort heißt es unter anderem (Übersetzungen von uns):

Ich möchte meine Stimme dem Chor von anderen Sun-Mitarbeitern hinzufügen und Google von ganzem Herzen zur Ankündigung der neuen Linux- und Java-Telefonplattform Android gratulieren. (…)

Google und die Open Handset Alliance haben der (Java-)Community soeben ganz erheblich neuen Schwung gegeben.

Heute ist ein unglaublicher Tage für die Open Source-Community, der eine massive Umarmung von zwei der produktivsten Gemeinschaften freier Software, Java und Linux, mit sich bringt.

Dass dieses Blogposting Wind in den Segeln von Googles Rechtsanwälten ist, steht außer Frage. Die Praxis von Oracle jedoch, solche pikanten Wortäußerungen wichtiger Figuren in der Java-Community, einfach wegzuzensieren, bescheinigt der Firma nicht gerade Kampf mit fairen Mitteln. Alle Kritik an Softwarepatenten mal beiseite geschoben — Oracle scheint nicht unbedingt die besten Chancen gegen Google zu haben und sollte sich unserer Auffassung nach besser aus diesem Rechtsstreit zurückziehen, bevor es noch peinlicher wird.

Oracle hat in den letzten 12 Monaten massiv versucht, Google aufgrund von Patentverletzungen bei der Verwendung der teils quelloffen zur Verfügung stehenden Programmiersprache Java in Android zu verklagen. Begründung: Die Implementation von Java in Android über die Dalvik VM verletze Patente des mittlerweile von Oracle gekauften Konzerns Sun. Eine wichtige Rolle dabei spiele, dass viele Mitarbeiter von Sun zu Google gewechselt seien, unter anderem der spätere Google-Chef und jetzige Vorstandsvorsitzende Eric Schmidt. Den Patentklagen Oracles war bis jetzt nicht viel Erfolg beschieden. So hatte ein Gericht im Mai noch vor der Verhandlung bereits 129 von 132 Anklagepunkten abgelehnt.

cnet.com: Oracle Scrubs Site of Embarassing Java Blog

Weitere Themen: Android, Java Development Kit (JDK), Java 8 Runtime für Mac, Oracle

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