Musik aus der Cloud: Investoren gewinnen Vertrauen

Flavio Trillo
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Digitale Musik ist schon über 20 Jahre alt, doch die Branche kämpft nach wie vor um jeden Cent Gewinn. Obwohl die Margen knapp bemessen sind, können einige Streaming-Dienste offenbar erstaunliche Mengen Risikokapital einstreichen. Pandora, Spotify und Co. erarbeiten sich langsam aber sicher einen Platz im Herzen der Geldgeber. Allerdings haben sie noch Schwierigkeiten, für die versprochene Rendite zu sorgen.

Internet-Radiosender und Cloud-Streaming-Dienste erhielten allein in diesem Jahr etwa 157 Millionen US-Dollar aus Kapitalbeteiligungsgesellschaften oder von Risikokapitalgebern. Tim Westergren wird mit dem Börsengang seines Unternehmens Pandora für einen Zufluss von stolzen 100 Millionen US-Dollar sorgen.

Viele Investoren, so ein Bericht der New York Times, sind gebrannte Kinder der digitalen Musikindustrie. Sie kennen den Markt seit zehn Jahren als unendlich stur und geradezu umsatzscheu. Zu viele Verlierer seien in dieser Branche im Laufe der Zeit auf der Strecke geblieben. Hinzu kommen Gerüchte, dass mit Google und Apple zwei Giganten eigene Streaming-Dienste noch in diesem Jahr präsentieren wollen.

Andere meinen, Zeichen für eine Trendwende erkennen zu können. Die Technik tendiere immer stärker zu Cloud-Diensten und Cloud-Speichern, bestes Beispiel hierfür ist das aktuelle Apple TV. Es kommt ganz ohne eigenen Speicher aus und ist vollends auf Streaming ausgelegt, sei es aus dem lokalen Netzwerk oder dem Internet. Solche Geräte, ebenso wie Smartphones mit wenig Platz für eigenen Speicherkapazitäten, verändern das Verhalten der Konsumenten und wecken das Vertrauen der Geldgeber.

Pandora konnte seine Benutzerbasis nicht zuletzt dank dieser Entwicklung innerhalb eines Jahres fast verdoppeln und zählt jetzt 80 Millionen registrierte Anwender. Das in Europa beliebte Spotify meldet sogar 10 Millionen User. Von diesen Zahlen lassen sich Investoren und Plattenfirmen aber nicht so leicht blenden. Für sie ist allein die Masse der zahlenden Nutzer interessant und die liegt im Falle von Spotify bei nur 750.000. Ein monatliches Abonnement kostet dort zwischen 10 und 15 Euro.

Dies hat zur Folge, dass selbst die durch wegbrechende Umsätze aufgeweichte Musikindustrie sich nur schwer zu einem Deal überreden lässt. Spotify musste bereits starke Zugeständnisse machen um überhaupt einen Fuß auf den US-Markt setzen zu können. Nun bleibt abzuwarten, ob der eine oder andere Börsengang sowie verstärkte Zuwendungen aus der Riege der Risikokapitalgeber der Branche ein wenig Glanz verleihen können.

Doug Barry von Selby Ventures, die schon früh als Geldgeber für Pandora auftraten, sieht die Sache eher nüchtern. “Es gibt nur eine begrenzte Anzahl von Menschen, die bereit sind, für Musik-Dienste viel Geld zu bezahlen”, meint Barry. Gleichzeitig dürften die Summen, die den Unternehmen dank des aktuellen Aufwindes zur Verfügung stehen, aber für spannende Innovationen in den Bereichen Cloud-Streaming und Internet-Radio sorgen.

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