Fett und arm: So denkt ProSieben wirklich über seine Zuschauer

Simon Stich
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Mit deutlichen Worten hat sich der ProSieben-Chef über seine eigene Kundschaft beschwert. Diese sei übergewichtig und arm, gab er unverblümt zu Protokoll. Die abfällige Bemerkung könnte ihn seinen Job kosten.

Fett und arm: So denkt ProSieben wirklich über seine Zuschauer

ProSieben-Chef: „Kernzielgruppe, die sich nicht ändert“

Bei einer Telefonkonferenz mit Analysten und Börsen-Experten ist Thomas Ebeling, Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media SE, kurzzeitig der Kragen geplatzt. „Übergewichtig und arm“ seien die Zuschauer seines Fernsehsenders, die „auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen“. Als wäre diese Aussage über die eigene Kundschaft nicht schon heftig genug, setzte er fort: „Das ist eine Kernzielgruppe, die sich nicht ändert“.

Fett und arm? So deutliche Worte hört man selten, zumal es sich bei dieser Umschreibung nicht um die Meinung eines Redakteurs im Feuilleton der Printpresse handelt, sondern um die des Vorstandsvorsitzenden eines gebeutelten Fernsehsenders.

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Thomas Ebeling wurde von einem französischen Analysten gefragt, wie es um die Zukunft von ProSieben bestellt sei. Die Konkurrenz durch Netflix und andere Streaming-Angebote wird nicht kleiner, während ProSieben bei der Vorstellung der letzten Quartalszahlen die Umsatz- und Gewinnprognosen nach unten korrigieren musste. Ebeling zufolge ist Netflix kaum als Konkurrenz anzusehen, da die Kernzielgruppe eben eine andere sei. Nicht jede Netflix-Produktion würde erfolgreich sein, zumal es dort auch viel Arthouse-Inhalte gäbe. Seinem eigenen Publikum traut er solche gehobenen Serien anscheinend nicht zu und verweist auf Erfolge mit Wiederholungen von „The Big Bang Theory“.

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ProSieben: „Bemerkung aus dem Kontext gerissen“

Nach einem ersten Bericht über die abfälligen Bemerkungen von Ebeling bei DWDL.de hat ProSieben reagiert. Eine Sprecherin sagte: „Wenn man die Bemerkung aus dem Kontext zieht und wortwörtlich übersetzt, kann dies womöglich missverstanden werden. Die reine Textaussage spiegelt weder die Historie noch die Tonalität der Aussagen wider“. Das bei DWDL.de veröffentlichte Transkript der Telefonkonferenz spricht allerdings eine andere Sprache.

Für den Vorstandsvorsitzenden Ebeling wird die Luft bei ProSieben immer dünner. Seinen Abschied nach zehn Jahren auf dieser Position hatte er bereits für 2019 angekündigt. Der Posten könnte nach den jüngsten Äußerungen aber schon nach der Hauptversammlung im Mai 2018 neu besetzt werden. Nach der korrigierten Prognose für das laufende Jahr war die Aktie des Fernsehsenders um fast zehn Prozent abgerutscht. Gut möglich, dass ProSieben bald personelle Konsequenzen ziehen wird.

Quelle: DWDL.de

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