RIM und Qt gegen iOS, Android und WP7

Matthias Schleif
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Mit den leistungsfähigeren Smartphones ist endlich wieder etwas Schwung in die Entwicklung mobiler Betriebssysteme eingezogen, auch wenn diese heute von vielen Anwendern wohl lediglich als (Schau-)Fenster in die “Einkaufswelt Internet” empfunden werden. Die kanadische Firma Research in Motion, bekannt durch das Blackberry-Phone und das Playbook-Tablet

RIM und Qt gegen iOS, Android und WP7

, unternimmt jetzt nochmal einen (fast) eigenständigen Versuch gegen die drei Marktführer iOS, Android und Wp7 mit einem neuen Open Source Mobile OS anzustinken. Woran HP erst kürzlich mit dem WebOS gescheitert ist, das will RIM in Kooperation mit dem Qt-Entwicklerprojekt schaffen. Wir sagen: thumbs up!Der noch relativ junge Markt der Smartphones und ihrer Betriebssysteme scheint bereits komplett aufgeteilt zu sein – neben Android, Windows Phone 7 und iOS-Betriebssystem ist nur noch wenig Spielraum für weitere Mitbewerber. Das musste zuletzt auch HP erfahren, die die Weiterentwicklung ihres WebOS nach schlechten Verkaufszahlen und einigem Hin und Her in der Geschäftsleitung am Ende dann doch aufgegeben haben. Im Gegensatz zu RIM hatten die Amerikaner aber keine so weit entwickelte und bekannte Datenbank im Gepäck, wie RIM sie sich nun mit dem Qt-Projekt gesichert hat.

Auch wenn das Microsoft-OS für Smartphones nicht auf Unix/Linux basiert, wie iOS und Android, arbeitet es ebenso plattform-übergreifend und bietet Widgets und Apps, wie diese. Sogar Nokia hat sich mit seinem schon längst abgekündigten Symbian OS noch einmal zu einem solchen Update (Belle) aufgerafft und überall die Kacheln eingebaut, um seine Stammkunden bei Laune zu halten. Abgesehen davon, dass diese Widgets womöglich auch nicht unbedingt eines jeden Anwenders Traum sind, basieren die daraufliegenden, grafischen Nutzeroberflächen in der Regel auch noch auf Java (Android, Belle, WebOS).

Gewisse Standards einzuhalten ist sicher sinnvoll, Java bietet sich da an und ist vor allem schon verbreitet, was mit proprietären Lösungen wie bei iOS eine zusätzliche Hürde darstellt. Prinzipiell hätte man also auch in dieser Beziehung sagen können: Schade, dass mal wieder alle das Gleiche (Widgets auf Java) machen. In Zusammenarbeit mit den Qt-Entwicklern, die auch schon einige eigene Datenbanken mit Java-Programmierbefehlen aufgelegt haben, wird RIM aber ein breites Feld beackern und mit einem Heer nerdiger Qt-Programmierer sehr viele Apps in kurzer Zeit raushauen können, so dass das es eben nicht das Gleiche ist. Allerdings mussten die Kanadier zum Ausgleich auf einige Lizenzrechte verzichten, da die Qt-Bibliotheken eben Open Source sind und Open Source bleiben sollen. Aber hey, wenn man mit dem Durchreichen von Apps aus der Community Geld verdienen kann…?

Der ehemalige Leiter der WebOS-Entwicklungsabteilung bei HP, Jon Rubinstein hatte sich nach seinem Abgang im Interview zwar für Open Source, aber gegen Research in Motion ausgesprochen, weil es ihm dort zu kalt sei. Wenn die Kohle aus den App-Verkäufen dann die Nerds verdienen, wird er sich vielleicht noch einmal ärgern.

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