Patentkrieg: Phil Schiller und Scott Forstall berichten über iPhone-Enstehungsgeschichte

Florian Matthey
25

Im Gerichtsverfahren zwischen Apple und Samsung in Kalifornien begann gestern die Befragung der ersten Zeugen. Mit den Managern Phil Schiller und Scott Forstall kamen gleich zwei prominente Apple-Vertreter in den Zeugenstand – und sprachen über die Entwicklung des iPhone und iPad und darüber, was sie von Samsungs Geräten halten.

Patentkrieg: Phil Schiller und Scott Forstall berichten über iPhone-Enstehungsgeschichte

Phil Schiller zur Geschichte der iPhone-Entstehung

Zuerst kam Phil Schiller zu Wort, der – ein ungewöhnliches Bild – für das Gericht in einem Anzug erschienen war. Apples Anwalt befragt den Marketing-Chef des Unternehmens zunächst zur Entwicklungsgeschichte des iPhones. Schiller berichtete, dass Apple sich vor einigen Jahren angesichts des Erfolges des iPods fragte, was das Unternehmen als nächstes machen könnte. Der iPod habe die Sichtweise der Apple-Mitarbeiter auf das eigene Unternehmen verändert – man wusste, dass man nicht mehr nur ein erfolgreicher Nischen-Computer-Hersteller sein würde.

Viele Ideen hätten im Raum gestanden. Apple hätte “eine Kamera, ein Auto machen können – verrückte Sachen”, so Schiller. Zu dieser Zeit gab es bereits das Projekt eines Tablet-Computers, aus dem später das iPad wurde. Stattdessen entschied sich das Unternehmen aber, sich zunächst auf ein Mobiltelefon zu konzentrieren. Damals seien Handys “als Unterhaltungsgeräte” nicht tauglich gewesen.

Apple habe sowohl mit dem iPhone und iPad etwas gewagt, viele hätten dem Unternehmen seinerzeit Niederlagen vorhergesagt. Das Unternehmen sei jedoch seiner Linie treu geblieben und habe in allen iPhone- und iPad-Generationen im Prinzip eine ähnliche Design-Richtung beibehalten. Eben diese soll Samsung nach Apples Ansicht kopiert haben und damit Apples Design-Patente verletzen.

“Ich war schockiert, als ich das Galaxy S sah”

Schiller sollte den Anwesenden dann mitteilen, was er dachte, als er das erste Mal Samsungs Smartphone Galaxy S sah. “Ich war ziemlich schockiert angesichts des Aussehens des Galaxy-S-Handys”, so Schiller, “und angesichts dessen, wie sehr es offenbar Apples Produkte kopiert und angesichts der Probleme, die das für uns bedeuten würde.” Denn: “Kunden können verwirrt sein, welches Produkt von wem ist.” Im Fernsehen oder auf Werbeplakaten sähen Kunden ein Produkt vielleicht nur einen Augenblick und könnten es dann nicht unterscheiden.

Wettbewerb sei schön und gut, viele Unternehmen träten Apple mit ihren Produkten fair gegenüber. Wenn ein Unternehmen ein Produkt aber kopiere, dann profitiere es von Apples Firmenwert und Apples Investitionen. Vom Galaxy Tab sei er noch schockierter gewesen: “Ich habe mir gedacht: Die werden einfach unsere ganze Produktpalette kopieren”, so Schiller weiter. Es sei durchaus möglich, dass manche Kunden sich aufgrund der Ähnlichkeit des Designs für ein Samsung-Produkt entscheiden und dann auch bei Samsung bleiben. Es sei durchaus möglich, dass das einen Einfluss auf Apples Verkaufszahlen gehabt habe.

Samsung: iPhone-Design ist lediglich “funktionell”

Als nächstes musste sich Schiller dann den Fragen des Samsung-Anwalts stellen. Dieser wollte von Schiller wissen, ob er zustimme, dass bei einem Gerät mit einer Software-Tastatur die Möglichkeit bestehe, die physische Tastatur zu entfernen und diesen Platz für das Display zu nutzen. Schiller erklärte, dass sich die physische Tastatur durchaus entfernen ließe. Die Display-Größe gehe hingegen auf viele verschiedene Faktoren zurück.

Samsungs Anwälte möchten das Gericht davon überzeugen, dass die von Apple eingeschlagene Design-Richtung quasi eine natürliche Entwicklung gewesen sei – die Koreaner hätten daher das iPhone nicht kopiert, sondern eher zufällig ähnlich aussehende Produkte, beispielsweise mit einem entsprechend großen Display, erstellt. Samsung möchte zeigen, dass das Design das Apple mit seinen Patenten schützen wolle, “funktionell” und nicht ästhetisch bedingt sei. Die abgerundeten Ecken des iPhone ließen sich beispielsweise so erklären, dass es sich so leichter in die Hosentasche stecken lässt. Funktionelles Design lässt sich aber nicht mit Design-Patenten schützen.

Samsung präsentierte dem Gericht zwecks Untermauerung der Argumente Bilder des Smartphones LG Prada aus dem Jahr 2006, das ebenfalls dem iPhone ähnle und verweist darauf, dass es beispielsweise für Palm-Geräte lange vor dem iPhone viele Apps gab. Darüber hinaus würden Kunden durchaus vor dem Kauf eines Smartphones länger über die verschiedenen Modelle nachdenken, so dass die Gefahr einer Verwechslung nicht bestehe. Auch sei das Design nicht so entscheidend, immerhin steckten 78 Prozent aller iPhone-Kunden ihr Gerät in eine Schutzhülle.

Unterhaltsam dürfte eine Szene gewesen sein, in der Schiller einige Samsung-Smartphones in die Hand nehmen sollte – und sich offenbar zunächst dagegen sträubte. Nach Betrachtung der Konkurrenz-Geräte erklärte er erneut, dass durchaus eine Verwechslungsgefahr bestehe. So schön wie das iPhone seien die Geräte aber nicht.

Das Argument, dass Apple seiner Design-Richtung treu bleibe, wollte Samsungs Anwalt ebenfalls schwächen – und fragte Schiller, ob Apple mit der nächsten iPhone-Generation nicht ein anderes Design plane. Apples Anwälte baten das Gericht, diese Frage nicht zuzulassen, die Richterin Lucy Koh lehnte den Einspruch aber ab. Schiller erklärte dann aber lediglich, dass er sich zu zukünftigen Produkten nicht äußern wolle.

Scott Forstall: Arbeit am iOS beganng 2004

Auch Apples iOS-Chef Scott Forstall kam zu Wort, der sich bei der Befragung des Apple-Anwalts ebenfalls zur Entstehungsgeschichte des iPhone äußerte. 2004 habe Steve Jobs ihn beauftragt, ein Team für ein Smartphone-Betriebssystem zusammen zu stellen. Das sei nicht einfach gewesen, denn Jobs habe klare Vorgaben gemacht: Nur bestehende Apple-Mitarbeiter dürften an dem Projekt arbeiten, keine Neuzugänge. Die bestehenden Mitarbeiter hatten sich aber noch nie mit Smartphone-Software befasst.

Forstall musste dann Mitarbeiter für das Projekt gewinnen, ohne dass er ihnen mitteilen durfte, an was sie überhaupt arbeiten würden. Er erklärte ihnen nur, dass sie für ein paar Jahre weniger Freizeit haben würden. Ansonsten könne er ihnen keine Versprechungen machen, sie dürften auch durchaus ablehnen. Trotz dieser Schwierigkeiten habe er ein gutes Team zusammenstellen können, das dann hinter verschlossenen Türen unter hohen Sicherheitsanforderungen an dem Projekt arbeitete.

Das Team sollte dann ein Smartphone erstellen, dass die Team-Mitarbeiter selbst gerne benutzen würden. Beispielsweise wollten Forstall und seine Mitarbeiter keinen WAP-Web-Browser auf dem Gerät mehr sehen – man habe kein “Baby-Web”, kein “verdummtes Web” gewollt. Schon früh habe Apple an Fingerbewegungen zwecks Zoomen und Scrolling gearbeitet.

Im Anschluss befragte auch Samsungs Anwalt den iOS-Chef, allerdings nicht so ausführlich wie zuvor Phil Schiller. Der Anwalt berichtete, dass der damalige Apple-CEO Steve Jobs im Jahr 2005 eine E-Mail an Apples Chef-Designer Jonathan Ive geschickt habe, in der er ihn auf die eine Scrollrad-Oberfläche eines Samsung-Smartphones aufmerksam machte. Ive sollte einen Kommentar dazu abgeben.

Samsung habe Apples iPhone nicht kopiert, sondern durchaus eigene Ideen in das Design einfließen lassen – mit Android habe Samsung auf ein anderes Betriebssystem gesetzt, die “Swype”-Tastatur integriert und mit TouchWiz eine eigene Benutzeroberfläche erstellt. Auch fragte der Anwalt Forstall, ob Apple ein 7-Zoll-Galaxy Tab besitze. “Ich weiß, dass Eddy Cue eins mal für einige Zeit benutzt hat”, so Forstall. Samsung wollte offenbar zeigen, dass sich auch Apple von Konkurrenten inspirieren lässt. Interessant ist auch, dass aus Gerichtsdokumenten hervorgeht, dass Apple mittlerweile durchaus zumindest mit dem Gedanken eines iPad mini spielt.

Präsentations-Veröffentlichung hat keine Konsequenzen

Das Gericht kam am Freitag auch noch einmal auf eine Präsentation zu sprechen, die Samsung ins Eröffnungs-Plädoyer einbringen wollte. Die Präsentationsfolien sollten zeigen, dass sich Apple in Sachen Design von einem Sony-Projekt habe inspirieren lassen. Die Richterin Koh verwies aber mehrmals darauf, dass Samsung diese Präsentation verfristet eingebraucht habe und sie deswegen nicht zulässig war.

Samsung verschickte die Präsentationsfolien daraufhin an Medienvertreter, was Koh sichtlich verärgert haben soll. Es drängte sich der Eindruck auf, dass Samsung damit spekulierte, dass die Geschworenen den Inhalt der Präsentation zur Kenntnis nehmen würden – und sich davon beeinflussen lassen könnten.

Apple forderte daraufhin scharfe Sanktionen und legte dem Gericht nahe, als “Strafe” schon jetzt zu urteilen, dass Samsung die Apple-Produkte tatsächlich rechtswidrig kopiert hatte. Koh befragte die Geschworenen am Freitag, ob diese aus den Medien von der Präsentation Kenntnis bekommen hätten – die Geschworenen sind angehalten, entsprechende Berichte zu meiden, um ihre Neutralität zu wahren.

Nachdem die Jury-Mitglieder Koh versichert hatten, nichts mitbekommen zu haben, entschied sich die Richterin gegen Sanktionen für Samsung. Sie versicherte den Geschworenen außerdem, dass das Gericht Medienberichte für sie sammeln und ihnen nach Ende des Verfahrens zur Verfügung stellen werde. Die Jury brauche sich also keine Sorgen zu machen, dass sie in dem spannenden Fall etwas verpasse.

Weitere Themen: Smart Switch, Samsung Galaxy Note 4 SM-N910 Bedienungsanleitung , Samsung Galaxy S5 mini Bedienungsanleitung, Samsung Galaxy Ace Handbuch, Samsung Galaxy S4 mini, Samsung Galaxy Tab 3 10.1 GT-P5200 Handbuch, Samsung Link, Samsung Galaxy NX, Samsung Galaxy S3 GT-I9300 Bedienungsanleitung, Samsung

Neue Artikel von GIGA APPLE

GIGA Marktplatz
}); });