Samsung Gear 360 im Test: 360-Grad-Kamera mit Schwächen

Marco Di Lorenzo
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Wer coole 360-Grad-Videos oder Fotos aufnehmen und dabei nicht tausende Euro für mehrere GoPros ausgeben will, der kommt an einer All-In-One-Lösung nicht vorbei. Samsung bietet mit der Gear 360 eine kompakte und für knapp 350 Euro eine durchaus erschwingliche 360-Grad-Kamera, die für Schnappschüsse und Hobbyfilmer durchaus etwas taugt. Trotzdem mussten wir bei unserem Test und auf den Probeaufnahmen weiterhin einige Kinderkrankheiten der 360-Grad-Technik feststellen.

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Samsung Gear 360 (2016) ausprobiert

Gear 360: Kompakt und kugelrund

Auf den Style hat Samsung auf jeden Fall Wert gelegt: Die Gear 360 sieht in Sachen Form und Farbe einem Golfball recht ähnlich. Mit einem Gewicht von 145 g und einem Durchmesser von rund 6 cm ist sie sehr leicht und kompakt. Dank IP53-Zertifizierung könnt ihr die Kamera auch auf Touren durch Staub und Matsch mitnehmen – diesen sollte sie problemlos standhalten.

Die Bedienung könnte kaum leichter gelöst sein: Es gibt drei Knöpfe – einer dient als Auslöser, einer zum Koppeln bzw. um ins Menü zu gelangen und einer zum Ein-/Ausschalten der Cam. Über das Mini-Display an der Oberseite habt ihr Zugriff auf die wichtigsten Einstellungen und erkennt, ob ihr gerade Fotos oder Videos aufnehmt. Unter der seitlichen Klappe könnt ihr das Gerät per Micro-USB laden, eine Micro-SD-Speicherkarte einsetzen und den 1.350-mAh-Akku entnehmen und bei Bedarf auch wechseln. Ebenfalls an den Seiten sind zwei Mikrophone integriert. An der Unterseite kann die Gear 360 per Standard-Gewinde an jedes Kamerastativ oder Rig angeschraubt werden. Mitgeliefert wird ein kleines Tisch-Dreibeinstativ.

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Ins Auge stechen die beiden großen Kameralinsen an Vorder- und Rückseite, wobei diese Positionsangaben bei einer 360-Grad-Kamera relativ sind. Jede der zwei Linsen mit F2.0-Blende nimmt im Fischaugen-Stil mit einem Kegel von 180 Grad auf. Das bezieht sich nicht nur auf das seitliche Sichtspektrum, sondern inkludiert auch die Bereiche oberhalb und unterhalb der Kamera. Ihr könnt wählen, ob ihr nur mit einer, oder beiden Linsen aufnehmt – in letzterem Fall entsteht eine Aufnahme, die (beinahe) die komplette Umgebung der Cam einfängt und die ihr später etwa mit einer Virtual-Reality-Brille erkunden könnt.

Segen und Fluch der Gear 360: Bewegt man sich im Samsung-Universum, bekommt man zusammen mit Gear VR und Galaxy S6/S7 eine vollkompatible Ausstattung, mit der man sehr einfach in die VR-Welt eintauchen kann. Setzt man aber auch auf Geräte anderer Hersteller, wird’s kompliziert …

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Knipsen und teilen

Vorweg: Um mit der Gear 360 Fotos oder Videos aufzunehmen, ist nicht zwingend ein weiteres Samsung-Gerät erforderlich. Ihr könnt die Inhalte auch einfach auf einen PC übertragen, mit der Software von Samsung bearbeiten und im Anschluss hochladen. Richtig Spaß macht die Cam allerdings erst, wenn man auch ein Samsung Galaxy S6 oder S7 sein Eigen nennt – andere Smartphones von Samsung oder anderer Hersteller werden derweil nicht unterstützt. Per WiFi-Direct-Verbindung und über die Gear-360-App kann das Handy-Display als Sucher verwendet werden. Dabei kann man wählen, ob man die Umgebung mittels Swipen erkundet oder sich das gesamte 360-Grad-Spektrum in der Panoramaansicht anzeigen lässt.

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Dazu lassen sich ebenfalls über das Smartphone Einstellungen wie Whitebalance, Helligkeit und Auflösung anpassen. Apropos Auflösung: 360-Grad-Fotos schießt ihr Wahlweise mit 15 oder 30 Megapixeln, Videos könnt ihr maximal mit bis zu 3.840×1.920 Pixeln in 30 fps aufnehmen. 60 fps sind mit einer Auflösung von 2560×1280 möglich.

Gespeichert werden Aufnahmen zuerst immer auf der SD-Karte der Kamera. Danach können sie direkt an PC oder Galaxy-Smartphone übertragen werden. Auch am Smartphone hat man die Möglichkeit, die Fotos per App zu bearbeiten – Videos können sogar geschnitten werden.

Teilen und eintauchen

Die Aufnahmen könnt ihr direkt auf Facebook oder YouTube hochladen – diese zwei Plattformen erkennen sofort, dass es sich um 360-Grad- bzw. Virtual-Reality-Content handelt.
In der Gear-360-App kann man sich zudem all seine 360-Grad-Fotos und Videos ansehen – umsehen funktioniert entweder per Swipe oder durch Drehen und Wenden des Smartphones.

Wer sich eine 360-Grad-Cam zulegt, sollte auch nicht auf die passende Virtual-Reality-Brille verzichten. Damit könnt ihr euch eure zuvor angefertigten Aufnahmen gleich in der Virtuellen Realität ansehen. Mit der Samsung-Gear-VR-Brille kann man über die Oculus-Oberfläche nun direkt auf die Smartphone-Galerie zugreifen. Dort bekommt ihr neben euren sonstigen Fotos auch den gesamten VR-Content angezeigt. Das Navigieren und Umsehen in diesen Inhalten funktioniert intuitiv gut.

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Fazit und Beispielaufnahmen

Die Gear 360 bietet einen einfachen Einstieg in die 360-Grad-Welt. Die Kamera ist klein, leicht, kompakt, wirkt durchaus robust und ist einfach zu bedienen. Die Bilder der zwei Linsen werden automatisch zusammengefügt – der Content kann sofort ohne weitere Nachbearbeitungsschritte betrachtet werden. Demensprechend einfach funktioniert auch der File-Transfer und das weitere Teilen über Plattformen wie YouTube und Facebook. Im Vergleich zu Profi-Lösungen ist die Gear 360 mit dem Preis von 349 Euro auch vergleichsweise günstig.

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Testfoto-Gear-360

Im Vergleich zu Profi-Lösungen, muss man aber auch einige Kompromisse in Kauf nehmen. So etwa in Sachen Stiching, also dem Prozess, der die Bilder der beiden Linsen zu einem vereint. Bei entfernten Objekten gelingt dies ganz gut. Bei nahen Gegenständen kommt es dagegen sehr oft zu Überlappungen, Verzerrungen und sonstigen Unregelmäßigkeiten. Ganz krass fallen an der Stiching-Linie Farb- und Helligkeitsunterschiede auf: Bei unserem Gerät hat eine Linse jeweils heller und bläulicher aufgenommen als die andere. Die Qualität der Aufnahmen reicht für Schnappschüsse. Die Ergebnisse sind allerdings 360-Grad-typisch sehr pixelig und detailarm. Last but not least: Für Besitzer eines Samsung Galaxys S6/S7 (und einer Gear VR) funktionieren Aufnehmen, Betrachten und Teilen komplett leicht und problemlos. Alle anderen müssen den Umweg über einen PC gehen und wissen nie wirklich, was genau sie mit der Gear 360 tatsächlich einfangen.

Samsung Gear 360 – Spezifikationen

  • Video-Auflösung: 3840×1920 (30fps) oder 2560×1280 (60fps)
  • Foto-Auflösung: 30MP oder 15 MP
  • Aufnahme-Modi: Video, Photo, Time Lapse Video, Looping Video
  • Software: Samsung Gear 360 App für S6, S7 oder ActionDirector für PC
  • Konnektivität: WiFi 802.11 a/b/g/n/ac (2.4/5GHz)WiFi Direct, BT
  • Sensoren: Accelerometer, Gyroskop
  • Abmessungen: 66.7×56.2×60 mm
  • Gewicht: 145g
  • Akku: 1,350mAh Li-ion
  • Besonderheiten: IP53: Staub- und Wasserresistent
  • Preis: 349 Euro

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