Sony-Desaster: George Hotz, die Hacker und das PSN

Flavio Trillo
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Während der Rechtsstreit zwischen Sony und dem bekannten iPhone-Hacker George Hotz (Geohot) seit etwa einem Monat beendet ist, hat das Unternehmen jetzt schwere Verluste zu beklagen. Das PlayStationNetwork, der Online-Dienst für Spiele, Filme und mehr, wurde von Hackern geknackt und persönliche Daten vieler Benutzer gestohlen. Die Hacker geben an, 2,2 Millionen Kreditkartennummern erbeutet zu haben. Derweil streitet Geohot jegliche Beteiligung an dem Vorgang ab.

Das PlayStation Network wurde zwischen dem 17. und dem 19. April attackiert, was Sony dazu veranlasste, den Dienst vorerst vom Netz zu nehmen. Daraufhin meldeten diverse Nutzer, dass ihre Kreditkartendaten offenbar gestohlen und für Einkäufe in aller Welt gebraucht wurden – ein direkter Zusammenhang mit den Angriffen ließ sich jedoch aufgrund der hohen Zahl von Anwendern nicht definitiv belegen. Immerhin ist es bei vielen Millionen Kreditkarteneigentümern nicht auszuschließen, dass der eine oder andere auf andere Weise Opfer eines Betruges wurde.

Sony äußerte sich zu dem Vorfall und gab an, die Kreditkartendaten seiner Kunden seien verschlüsselt gespeichert. Zudem sei auch nach dem dreistelligen Sicherheitscode gefragt worden, den hätten die Hacker jedoch nicht erbeuten können. Gleichzeitig musste der Konzern zugeben, dass diverse weitere persönliche Kundendaten in separaten Tabellen ohne Verschlüsselung angelegt sind.

Der Angriff wird allgemein als Racheakt einer Gemeinschaft gesehen, die Sonys Unternehmenspolitik als Affront empfindet. Sie nennen sich Anonymous und wurden weltweit durch die Aktionen gegen Scientology bekannt. Ihre Mitglieder zeigten sich gegenüber playstationlifestyle.net sehr zuversichtlich, dass Sony das Vorgehen gegen George Hotz und die PSN-User bereuen werde.

Dabei gehe es niemals darum, eigene wirtschaftliche Vorteile zu erlangen oder Menschen körperlich zu schaden. Viel mehr soll ein Zeichen gesetzt werden, “bis hier hin und nicht weiter”, will die Gruppe Sony mitteilen. Falls Anonymous wirklich hinter den Angriffen stecken sollte, müssen die Betroffenen also keine große Angst um ihre Daten haben. Sony habe übrigens ein Angebot, die gestohlenen Informationen zurückzukaufen, abgelehnt – wie solch ein Angebot mit dem Gelübde, keine Profite zu erlangen einhergeht, ist unklar.

In dem Rechtsstreit um den angeblich illegalen Jailbreak der PlayStation 3 haben sich Hotz und Sony inzwischen außergerichtlich geeinigt. Die genauen Details des Vergleichs sind nicht bekannt. Der Elektronikkonzern gibt aber an, gegen Hotz wurde eine nicht näher benannte Verfügung erlassen, die einer Art Unterlassungsurteil gleichkommen dürfte.

Auf die Vorfälle bezüglich des PSN-Hackings reagierte Hotz fast versöhnlich, doch auch mit verhohlener Schadenfreude. Er fühle mit den Opfern des Datendiebstahls und sehe die Schuld nicht bei den Entwicklern des Netzwerkes. Vielmehr tragen die Manager die Schuld – sie waren es, so Hotz, die sich gegen die Hacker-Gemeinde gewandt, sie ausgelacht haben. Statt immer neue Anwälte hätten sie lieber Sicherheitsexperten einstellen sollen, die sich um eine echte Lösung des Problems gekümmert hätten.

Vielleicht lernt Sony aus dieser Affäre, dass es sich nicht lohnt, gegen eine nicht fassbare, dafür aber erstaunlich gut organisierte Menge von weltweit verstreuten IT-Experten zu wettern. Kürzlich entschuldigte sich der Leiter der Abteilung PlayStation Network auf einer Pressekonferenz öffentlich für die Misere, wie consumerist.com berichtet.

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