Mit der neuen iPhone-Firmware 3.1 hat Apple bei seinen Kunden für Verwirrung und jede Menge Verärgerung gesorgt.

Hol dir die tollen Funktionen des ko⁠s­tenlosen iPhone OS 3.1 Software-Updates. So lautete die Botschaft einer Werbe-Mail, die Apple Ende September an alle iPhone-Anwender verschickte. Mit der neuen Firmware kann man iPhone-Apps bequem in iTunes sortieren und verwalten und den Genius-Empfehlungsdienst auch für die iPhone-Anwendungen in Anspruch nehmen. Das sind nette Funktionen, die aber in der Entwicklungsgeschichte des iPhone OS nicht von Bedeutung sind. Zwei sehr gravierende „Features“ der Firmware 3.1 erwähnte die Werbe-Mail aus Cupertino allerdings nicht. Zum einen klemmte das Update bei vielen iPhone-Anwendern das Tethering ab, also die Nutzung des iPhones als externes Datenmodem am MacBook und Co. Außerdem veränderte Apple die Kommunikation eines iPhones mit einem Exchange-Server von Microsoft, der häufig in Unternehmen zu finden ist. Dies hatte zur Folge, dass bei vielen Besitzern der ­ersten beiden iPhone-Generationen und beim iPod touch der Zugriff auf die Büro-E-Mail nicht mehr funktionierte. Bislang ignorierte die iPhone-Software Anforderungen aus einer Exchange-Sicherheitsrichtlinie, wenn diese eine Verschlüsselung auf dem Endgerät verlangt. Mit der neuen Firmware 3.1 ändert sich das. Das iPhone OS teilt nun dem Exchange-Server aktiv mit, ob es überhaupt in der Lage ist, die Inhalte zu verschlüsseln. Eine Verschlüsselung beherrscht aber nur das aktuelle iPhone 3GS. Alle anderen iPhone- und iPod-touch-Modelle können den Gerätespeicher dagegen nicht absperren. Will man nun ein nicht verschlüsselungsfähiges Gerät der aktuellen OS-Version 3.1 mit Exchange verbinden, darf das Microsoft-System keine Verschlüsselung auf dem Endgerät verlangen. Hat der Exchange-Admin jedoch die Funktion Require encryption on the storage card angeklickt, läuft auf den ungeeigneten Geräten nichts mehr. In diesem Fall kann nur ein iPhone 3GS ­eine Exchange-Verbindung aufbauen.

Apple reagiert spät

Nachdem sich im Web die Nachrichten häuften, dass nach einem Update auf OS 3.1 die Exchange-Anbindung nicht mehr funktioniert, veröffentlichte Apple online ein Support-Dokument (http://j2j.de/Mehh40), in dem die technischen Änderungen beschrieben wurden. Für viele iPhone-User kamen diese Hinweise aber zu spät. Sie konnten nur darauf hoffen, dass die IT-Abteilung flexibel reagiert und die Sicherheitsanforderungen für den Zugriff auf Exchange lockert. Dieses Vorgehen schlägt auch Apple vor: „Um die Synchronisierung wieder möglich zu machen, muss Ihr Exchange Server-Administrator die Postfachrichtlinien so ändern, dass keine Verschlüsselung auf dem Gerät mehr erforderlich ist.“  Die Änderungen bei der Geräteverschlüsselung kann man immerhin noch als
Versuch interpretieren, das mobile Gerät sicherer zu machen und die Stellung des iPhones in großen Unternehmen und Organisationen zu stärken – auch wenn die Kommunikation mit Anwendern und Admins nicht wirklich ­geklappt hat. Beim Abknipsen des Tetherings kann man Apple weniger hehre Motive unterstellen. Seit dem OS 3.0 ist das iPhone in der Lage, als externes Datenmodem am MacBook oder einem anderen Rechner zu arbeiten. Mit dem 3.1-­Update führte Apple eine verschlüsselte Signatur für die sogenannten Carrier Bundles ein, in denen die Details der ­Datenzugangspunkte der jeweiligen Mobilfunkprovider stehen. Über die Carrier Bundles wird auf dem iPhone auch Tethering aktiviert oder gesperrt. In Deutschland gibt es nur für T-Mobile ein signiertes Carrier-Bundle, nicht aber für Vodafone, O2 oder E-Plus. Damit schauen diejenigen iPhone-Besitzer in die Röhre, die sich ganz legal ein entsperrtes iPhone (etwa in Italien) gekauft haben und es hierzulande mit einem Vertrag eines T-Mobile-Wettbewerbers betreiben, mit dem Tethering erlaubt ist.

T-Mobile zockt und zockt

Sauer sind auch die iPhone-Käufer der ersten Stunde, die T-Mobile-Kunden sind. In den iPhone-Tarifen, die bis Februar 2009 angeboten wurden, war der Verbrauch des Datenvolumens am PC ausdrücklich erlaubt. Den Usern, die mit einem Altvertrag nun auch Tethering auf dem iPhone nutzen wollten, erteilte T-Mobile aber eine Abfuhr. „Die Nutzung von Tethering wird auch nicht durch T-Mobile mit dem aktuellen Software-Update für das iPhone gesperrt. Das von Ihnen freiwillig durchgeführte Software-Update für das Endgerät wird vom Hersteller Apple zur Verfügung gestellt und nicht von T-Mobile“, schrieb T-Mobile an Rechtsanwalt Udo Vetter, der das bekannte Law Blog (www.lawblog.de) betreibt. Vetter will im Auftrag eines Mandaten rechtlich gegen die Tethering-Sperre für Altverträge vorgehen. Kurios ist, dass T-Mobile bei seiner Absage den schwarzen Peter in Richtung Apple schiebt, obwohl bekannt ist, dass der iPhone-Hersteller bei den heiklen Themen Tethering oder Internet-Telefonie (VoIP) die Vorgaben der Mobilfunk-Provider umsetzt. Und dabei stellt sich T-Mobile besonders ungeschickt an: Die Tethering-Option kann hier nicht einmal zu den Altverträgen hinzugebucht, sondern nur mit einem neuen Vertrag aktiviert werden. Immerhin verzichtet T-Mobile beim Umstieg auf eine Verlängerung der Laufzeit des Vertrags. In Verbindung mit den neuen ­iPhone-Verträgen, die mit dem iPhone 3GS eingeführt wurden, verlangt T-Mobile in Deutschland 20 Euro im Monat extra für das Tethering. Viele iPhone-Besitzer wollen aber auf dieses Angebot nicht eingehen. In den sozialen Netzwerken machen sie ihrem Unmut Luft. So konnte die Facebook-Gruppe „Hallo T-Mo­bile, liebe Telekom: es reicht!!!“ innerhalb von 20 Stunden über tausend Mitglieder finden. Die User tauschen dort nicht nur Hinweise, wie man rechtlich gegen T-Mobile und Apple vorgehen kann, sondern diskutieren auch Ersatzlösungen wie PDAnet (http://j2j.de/pdanet), mit denen man die Tethering-Sperre umgehen kann. PDAnet setzt ­allerdings ein iPhone voraus, das mit ­einem Jailbreak für alternative Software außerhalb des iTunes App Stores geöffnet wurde.    Christoph Dernbach/ok

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