Vertrags-Trick der Telekom: Drosselung auch für Bestandskunden (Update)

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#Drosselkom bleibt ein Aufreger: Die Pläne für eine DSL-Drosselung bei Anschlüssen der Deutschen Telekom sind in den vergangenen Wochen auf sich verhärtende Kritik mit scharfen Vorwürfen gestoßen. Bei Neukunden ab dem 2. Mai 2013 soll nach dem Verbrauch eines monatlichen Daten-Volumens (voraussichtlich 75 GB) die Surf-Geschwindigkeit drastisch eingeschränkt werden. Nun gibt es deutliche Hinweise darauf, dass im Zuge der Umstellung auf IP-Technologie auch Alt-Verträge von Bestandskunden betroffen sein könnten.

Telekom-Drosselung auch für Bestandskunden – IP macht’s möglich

Denn die Deutsche Telekom will bis 2016 alle Analog- und ISDN-Anschlüsse auf IP-Technologie umstellen. Das heißt, dass Telefonie per Voice-over-IP übertragen wird, also die Internet-Technologie für alle Dienste verwendet wird. Wie Heise und Teltarif im Februar berichteten, läuft derzeit ein freiwilliger Test mit einer kleinen Zielgruppe, die Telekom plane aber, “alle Bestandskunden innerhalb der nächsten drei Jahre – also bis 2016 – auf IP-basierte Anschlüsse umzustellen”. Was auch Telekom-Sprecher Niels Hafenrichter bestätigte.

Der Clou dabei: Eine solche Umstellung würde offenbar ein neues Vertragsverhältnis erwirken, das auf den dann geltenden AGB beruhe – die ab Mai 2013 eine Drosselungsklausel enthalten.

Schon vergangene Woche hatte Chip.de diesen Zusammenhang hergestellt: Der erzwungene Wechsel zu neuen IP-Verträgen sein ein “Trick”, die DSL-Drosselung auch für die 12 Millionen Bestandskunden einzuführen.

Das Pottblog fragte nun bei der Telekom nach, wie die Umstellung auf IP-Technologie mit der Drosselung zusammen hängen könnte:

Das heißt, im Endeffekt sind 11 Mio Breitbandkunden demnächst von der möglichen Drosselung betroffen, da die nicht-IP-Kunden nach Telekom-Auskünften bis 2016 alle umgestellt werden. Diese bekommen nach meinen Informationen neue Verträge – die dann mit den neuen Regelungen ausgestattet wären. Oder irre ich mich da?

Die Antwort:

von der Volumenbegrenzung ist bis 2016 faktisch niemand betroffen, weil wir sie bis dahin nicht technisch umsetzen werden. Und selbst wenn sie umgesetzt ist, werden die allermeisten Kunden davon nichts merken, weil die Inklusivvolumina ausreichen. Wenn das Volumen nicht reichen sollte, können die Kunden problemlos Highspeedvolumen nachbuchen – wie im Mobilfunk auch.

Die ausweichende Antwort deutet auf ein klares Kalkül – die Telekom hofft, dass niemand merkt, wie hier durch die Hintertür ALLE Kunden von der DSL-Drosselung betroffen sein werden. “Der Anschluss der nächsten Generation”, womit der Konzern seinen IP-Anschluss bewirbt, würde in Wirklichkeit alle bisherigen Generationen in ein begrenztes Netz zwingen, das bestimmte Inhalte je nach Wirtschaftlichkeit bevorzugt und andere schwerer erreichbar macht.

Was kann man tun? Die Petition beim Deutschen Bundestag hat schon über 100.000 Unterzeichner, unklar bleibt, ob sich ein Unternehmen wie die Telekom von dieser politischen Forderung beeindrucken lässt. Wer Telekom-Bestandskunde ist, könnte versuchen, noch vor dem 2. Mai 2013 die Umstellung auf IP in Auftrag zu geben. Es gelten die AGB bei Vertragsabschluss. Auch der satirisch eröffnete Twitter-Account @Drosselkom kann sich über erboste Telekom-Kunden als neue Follower freuen.

Telekom wird Drosselkom: Entdecke die grenzenlose Freiheit

Die Debatte um Netzneutralität und Fortschritts-Blockade hatte zuletzt auch die Politik aufgerufen, sich einzuschalten. In der Antwort von Telekom-Chef René Obermann an Wirtschaftsminister Philipp Rösler heißt es:

Es geht aktuell in 2013 übrigens nur um eine Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen neuer Verträge. Die technische Begrenzung bzw. die Aufpreisangebote wollen wir, wie schon erwähnt, nicht vor 2016 umsetzen.

Wie Jens Matheuszik im Pottblog analysiert, könnte dies “aktuell” schon einen Hinweis auf zukünftige Pläne enthalten – auch die Aussage, es gäbe “bisher keine neuen Tarife”, habe bei der Telekom gerade vier Wochen gehalten, bis die Drosselung vorgestellt wurde.

Update: Derweil verteidigt Obermann die neue Tarifstruktur mit dem Argument, dass von der Drosselung nur wenige Nutzer betroffen seien. Derzeit lägen nur drei Prozent der Vertragskunden über der Volumengrenze von 75 GB pro Monat. Dass die durchschnittliche Nutzung schon 2016 deutlich anders aussehen könnte, bestreitet auch die Telekom nicht – sondern zieht dieses Argument sogar zur Begründung der Drosselung heran. Die durchschnittliche Nutzung 2016 könnte dank weiter ansteigender Video- und Games-Inhalte sowie dem weiteren demografischen Wandel durchaus bei über 75 GB liegen – dann wären nicht drei, sondern 100 Prozent betroffen.

via Jens, mobile geeks, caschy

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