Eine kleine Zusammenfassung - Carrier IQ bemüht sich um Aufklärung

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Die vergangenen Wochen sorgten für Aufregung bei vielen Smartphone-Nutzern. Die Software namens Carrier IQ soll auf mehreren Millionen Smartphones installiert sein und ohne Wissen der Nutzer alle erdenklichen Daten gesammelt haben – von Text-Nachrichten bis hin zu jedem Tastendruck. Der Hersteller der Software sagt allerdings, dass dies gar nicht der Fall sei und bekommt dabei Rückendeckung von Sicherheitsexperten. Und was sagen die Provider und Handy-Hersteller?

Eine kleine Zusammenfassung - Carrier IQ bemüht sich um Aufklärung

Wie schon in der letzten Woche bleiben viele Details der Angelegenheit weiterhin offen, etwa welche Daten nun konkret an wen übertragen werden. Aber immerhin hat mittlerweile Carrier IQ Rede und Antwort gegenüber mehreren Medienvertretern gestanden.

So hatte unter anderem AllThingsD die Gelegenheit mit Andrew Coward, dem VP of Marketing von Carrier IQ, zu sprechen. Angesprochen auf die im Video von Trevor Eckhart gezeigten Tastatureingaben, erwiderte Coward, dass man zwar sehen könne, dass diese auf dem Smartphone verfügbar sind, man aber nicht sehen könne, dass diese “verarbeitet, gespeichert, oder aus dem Gerät weitergeleitet” werden.

Was wird an die Mobilfunkbetreiber weitergeleitet, die Carrier IQ auf ihren Geräten installieren lassen?

“Wenn ein Anruf abgebrochen wurde, will der Betreiber das wissen”, so Coward. “Also zeichnen wir auf, wo man war, als der Abbruch stattgefunden hat und wo der genutzte Mobilfunkmasten ist.” Ähnlich sehe es bei fehlgeschlagenen SMS aus, auch hier will der Provider wissen, woran das Problem lag – ob am Handy oder Netz selbst.

“Wir lesen keine SMS. Wir sehen, wie sie ankommen. Wir sehen, welche Telefonnummern beteiligt sind. Allerdings speichern, analysieren oder verarbeiten wir die Inhalte der Nachrichten nicht.” Gleiches gelte auch für URLs, die Carrier IQ aufzeichnen kann, nicht aber den Inhalt der Seite selbst. Man könne also herausfinden, dass ein Gerät Probleme mit Facebook habe, die Software kann aber nicht die Inhalte der eigentlichen Seite sehen.

Wer bestimmt, was aufgezeichnet wird?

Die Antwort kommt in diesem Fall vom Carrier IQ CEO Larry Lenhart: “Der Mobilfunkanbieter bestimmt, welche Daten gesammelt werden sollen.” Basierend auf den Verträgen mit den Kunden legt der Provider fest was geloggt werden soll. Diese Daten werden in der Regel für 30 Tage gespeichert und sind die gesamte Zeit in der Hand von Carrier IQ.

Die Frage, ob Carrier IQ die Daten mit weiteren Anbietern teile, wurde laut AllThingsD vom CEO vehement verneint: “Wir würden die Daten niemals an Dritte abgeben. Unsere Abkommen verbieten dies.”

Untersuchung durch Sicherheits-Experten

Die L.A. Times hatte die Chance ein Interview mit dem Sicherheits-Experten Dan Rosenberg zu führen. Dieser habe die Software analysiert und beschreibt die im Video von Eckhart dokumentierten Keylogging-Eigenschaften – also das Erkennen der Tastatureingaben – wie folgt: Die Eingaben werden analysiert, aber nicht aufgezeichnet. Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Um Befehle ausführen zu können, muss die Software wissen, welche Tasten der Benutzer gedrückt hat.

Anwendungen wie Carrier IQ erlauben es den Anwendern und Ingenieuren bestimmte Tastatureingaben zu machen, um an administrative Optionen zu gelangen oder die Performance-Daten des Telefons abrufen zu können. Damit dies möglich ist, muss die Software die Eingaben am Handy aufzeichnen. Rosenberg sagte weiter, dass in Carrier IQ keinerlei Code zu finden sei, der darauf hinweist, dass Tastatureingaben gespeichert oder über das Internet übertragen werden. In Eckharts Video seien lediglich so genannte Debugging-Informationen zu sehen gewesen.

Reaktionen der Provider und Handy-Hersteller

Wie bereits in der letzten Woche berichtet, haben einige Hersteller und Mobilfunkprovider die Nutzung von Carrier IQ dementiert. Folgende Aussagen gab es von den jeweiligen Firmen zum Thema Carrier IQ:
- Geräte von Nokia
- Geräte vom US-Provider Verizon
- Geräte von RIM (BlackBerry)
- HTC sagt, dass sie keine Daten von Carrier IQ erhalten würden, die Software werde von den Providern aufgespielt
- Apple sagt, dass die Software seit “iOS 5 in den meisten Produkten” nicht mehr unterstützt wird und in einem kommenden Update vollständig entfernt werde
- Google dementiert jegliche Zusammenarbeit mit Carrier IQ, die Nexus-Smartphones sind also nicht betroffen
- T-Mobile USA, AT&T und Sprint setzen Carrier IQ ein
- Auf Windows-Phone- und webOS-Geräten kommt Carrier IQ nicht zum Einsatz
- Folgende Provider benutzen Carrier IQ ebenfalls nicht: Vodafone UK, O2 UK, Rogers (Kanada), sowie die deutschen Provider Telefónica Germany (O2), Vodafone und T-Mobile

Offene Fragen

Der Sicherheits-Experte Bruce Schneier vermutet, dass sich der Fall Carrier IQ in den nächsten Wochen noch ausweiten wird. Er stellt gleichzeitig die Frage, ob der Mobilfunk-Provider von Carrier IQ verlangen kann, alle erdenklichen Daten zu sammeln – etwa auf Nachfrage des FBI.

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