Telekom bestätigt: Drosselung kommt für alle Kunden

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Auf die Nebelbomben folgt die offizielle Bestätigung: Die Reduzierung der DSL-Geschwindigkeit kommt nicht nur für neue Kunden der Deutschen Telekom, sondern für alle. Gleichzeitig gibt der Konzern offen zu, einzelne Webseiten (z.B. YouTube) von der Drosselung ausnehmen zu wollen – wenn deren Betreiber bezahlen.

Telekom bestätigt: Drosselung kommt für alle Kunden

Jetzt ist es natürlich zu spät. Die Deutsche Telekom hat wieder einmal ihre Kunden an der Nase herumgeführt. Die Nachricht, dass der größte deutsche Provider eine Drosselung der DSL-Geschwindigkeit nach dem Verbrauch eines gewissen monatlichen Datenvolumens einführen will, hatte vor rund 10 Tagen für einen Proteststurm gesorgt. Der einzige Grund, dass darauf keine Kündigungswelle folgte, war die Aussage, dass die Beschränkungen nur für Neukunden ab dem 2. Mai 2013 gelten würden. Dann hatten verschiedene Medien berichtet, dass über den Umweg der geplanten Umstellung auf IP-Technologie doch alle Festnetz-Kunden der Telekom betroffen sein könnten. Der einzige Weg, das zu verhindern, sei eine freiwillige Umstellung auf IP, die noch vor dem 2.5. beantragt wird.

Die offizielle Stellungnahme folgte am gestrigen 1. Mai, und die Möglichkeit einer Umstellung ohne die Drosselung ist nun abgelaufen. In den ab heute gültigen AGB ist das monatliche Datenvolumen festgeschrieben, nach dessen Verbrauch die Geschwindigkeit auf 384 kbit/s verringert wird. Tarife für die zubuchbaren Volumina wurden noch nicht vorgestellt. Im Gespräch mit der “Welt” versucht Telekom-Deutschland-Chef Niek Jan van Damme die Gemüter damit zu beruhigen, dass die technische Durchsetzung der DSL-Drosselung erst für 2016 geplant ist, und die erzwungene Umstellung auf IP-Technologie (und somit die neuen AGB) erst 2018 abgeschlossen sein soll. Zudem spricht er offen davon, dass fünf Jahre im Internetzeitalter lang sind und daher die AGB dann wieder anders aussehen könnten: 2018 werden wir “in einer Internetwelt mit höheren Zugangsgeschwindigkeiten, neuen Partnerschaften, neuen Geschäftsmodellen, neuen Tarifen leben.”

Telekom: Offener Verstoß gegen Netzneutralität

Gleichzeitig legte van Damme offen, wie er sich diese “neuen Geschäftsmodelle” vorstellt. YouTube oder andere Webseiten könnten dafür bezahlen, dass die Telekom ihre Inhalte nicht gedrosselt zur Verfügung stellt (z.B. in das Entertain-Paket integriert). Denkt man diesen Gedanken konsequent zuende, würden nur die Inhalte schnell und bequem beim Nutzer ankommen, die das nötige Finanzvolumen im Hintergrund haben. Das wäre eine fatale Entwicklung für das Internet.

Die Petition gegen die Drosselung hat schon über 150.000 Unterzeichner, es bleibt aber unwahrscheinlich, dass sich ein Unternehmen wie die Telekom von einer formlosen Unterschriftensammlung beeindrucken lässt. Vielversprechender könnten Forderungen an die EU und die Bundesregierung sein, die Netzneutralität endlich gesetzlich festzuschreiben. Mehr zu den Hintergründen auch im “Handbuch Netzneutralität” der Digitalen Gesellschaft.

Titelbild: Montage von Flo/GIGA, unter Verwendung von Problems with the transfer of energy. via Shutterstock.

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