Übernahme-Krimi um Ubisoft: Sind die Franzosen noch zu retten?

Martin Eiser
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Schnappt sich Vivendi schon bald Ubisoft? Wir geben einen ausführlichen Überblick, warum Ubisoft zum Ziel einer feindlichen Übernahme werden konnte und wie sich die Franzosen dagegen wehren.

Übernahme-Krimi um Ubisoft: Sind die Franzosen noch zu retten?

Ein Thema, das uns schon seit etwa einem halben Jahr begleitet, ist in der letzten Woche noch einmal richtig hochgekocht. Der international agierende französische Medienkonzern Vivendi hat seinen Aktienanteil an Ubisoft weiter erhöht und besitzt nun fast 18 Prozent von dem französischen Games-Publisher. Es fehlen nur noch etwas mehr als zwölf Prozent, um ein Gebot für eine feindliche Übernahme abzugeben.

Gleichzeitig versucht Ubisoft alles, um genau das zu verhindern. Bereits im Herbst 2015 hat CEO Yves Guillemot wissen lassen, gegen den ungewollten Einstieg von Vivendi zu kämpfen. Man ist im Moment auf der Suche nach Investoren und versucht nun gezielt in Kanada neue Partner zu finden. In den vier Ubisoft-Studios Montreal, Toronto, Quebec und Halifax sind rund 3.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Obwohl Vivendi öffentlich weiter bekräftigt, kein Interesse an einer Übernahme zu haben, wird der Anteil immer weiter aufgestockt. Nach französischem Recht wird Vivendi aber zu einem Übernahme-Angebot gezwungen, sollte der Anteil bei über 30 Prozent liegen. Gleiches ist im Februar schon mit Gameloft passiert. Vivendi hat auch das erste Übernahme-Angebot bereits nachgebessert. Eine Entscheidung wird für Ende Mai erwartet. Der Mobile-Games-Spezialist, war ursprünglich eine 100-prozentige Tochter von Ubisoft und wird von Michel Guillemot geführt, dem Bruder von Ubisoft-CEO Yves Guillemot.

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Wer hoch steigt…

Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? Ubisoft war ein aufstrebender Star unter den Publishern. Selbst auf Wii und Nintendo DS sicherte man sich mit Inhalten, die speziell auf die Plattformen zugeschnittenen waren, ein relativ großes Stück vom Kuchen. Der Umsatz erreichte bereits 2008 die Marke von einer Milliarde Dollar. Die Budgets für die großen Titel stiegen und mit Assassin’s Creed begann der Hersteller, erstmals eine jährlich wiederkehrende Serie im ganz großen Stil zu entwickeln.

Doch das Erfolgsmodell von Ubisoft geriet ins Stottern. Nach dem Nintendo mit der Wii U weit unter den Erwartungen geblieben ist und auch die alten Erfolge auf dem neuen Handheld nicht wiederholt werden konnten, brach eine Säule weg. Das Phänomen Just Dance von der Wii auf andere Plattformen zu übertragen, hat bis heute keine echten Früchte getragen.

Wichtige Produktionen verzögerten sich deutlich. The Division beispielsweise sollte ursprünglich im Jahr 2014 erscheinen und wurde schließlich erst im Frühjahr 2016 veröffentlicht. Ähnliche Probleme hatte das Open-World-Rennspiel The Crew, das auf derselben E3 für Anfang 2014 angekündigt wurde. Erschienen ist The Crew dann Ende 2014 und das obwohl Entwickler Ivory Tower während der Entwicklung noch Unterstützung von Reflections bekam.

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…kann tief fallen

Doch dann folgte mit Assassin’s Creed: Unity der wahrscheinlich schwerste Schlag. Als das Action-Adventure im Weihnachtsgeschäft 2014 erschien, war es voller Fehler. Es folgten zahlreiche Updates, um die zum Teil gravierenden Mängel zu beheben. Nicht förderlich waren zahlreiche Diskussionen in der Gamer-Community, ob Ubisoft noch in der Lage sei, Qualität abzuliefern und die Assassin’s-Creed-Serie bereits Abnutzungserscheinungen zeige.

Assassin’s Creed: Syndicate im folgenden Jahr war zwar auch nicht ganz fehlerfrei, aber ein besseres Spiel. Die Anhänger aber haben Ubisoft offenbar nicht verziehen und verpassten dem Publisher einen Denkzettel: Syndicate verkaufte sich zum Start deutlich schlechter als der Vorgänger.

Im Februar 2016 gab Ubisoft dann überraschend bekannt, dass in diesem Jahr kein neues Assassin’s Creed erscheinen wird. Das Team will sich mehr Zeit nehmen, um 2017 ein besseres Spiel abzuliefern. Auch wenn die Nachricht in der Community überwiegend positiv aufgenommen wurde: Das wichtigste Spiel der Franzosen, eine fest eingeplante und sichere Einnahmequelle, wird nicht veröffentlicht. Die Börse reagierte umgehend, kurzzeitig rauschte der Börsenkurs von 26 Euro auf 19 Euro ab.

Auf der nächsten Seite geht es weiter mit den Zielen von Vivendi und Ubisoft.

Weitere Themen: Watch Dogs 2, The Division, Ghost Recon Wildlands, Assassin's Creed: Syndicate, The Crew, Assassin's Creed Unity, Rayman Origins, Watch Dogs, Rayman Raving Rabbids TV-Party , Ubisoft

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