Online unterwegs: Wir fahren mit Volvo ins Internetz

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Eine Woche Volvo fahren — kann man schon mal machen. Ich hatte das Vergnügen und konnte dabei auch das neue Sensus Connected Touch ausprobieren. Beim Trek durch fünf Bundesländer wurde mir klar, wozu Internet im Auto gut sein kann — und wozu nicht.

Online unterwegs: Wir fahren mit Volvo ins Internetz

Vorab sollte ich erwähnen, dass ich eine Art Radiofaschist bin. Ein Radiofaschist ist jemand, der fast alle Radiosender pauschal ganz fürchterlich findet. Ich kann keine einzige Radiostation ausstehen, außer den öffentlich-rechtlichen Sender RadioEins aus Berlin.

Da mir dieser aber leider regelmäßig auf dem Weg von Berlin nach Kiel irgendwo zwischen Putlitz und Karrenzin verloren geht, ist das üblicherweise der Zeitpunkt, an dem ich mein iPhone an die Hifi-Anlage des Autos anschließe.

Volvo S60 D3 Momentum: Mit Multimedia unterwegs

Nun aber zurück zum Volvo. Man stellte mir das Modell S60 zur Verfügung, Ausstattungsvariante „Momentum“. Mit 136 PS unter der Motorhaube und einer Menge Schnick-Schnack und Spielereien im Cockpit. Viele davon können Lebensretter sein. Andere helfen bloß faulen Menschen wie mir dabei, beim Einparken niemanden zu verärgern.

Diesen S60 D3 entführte ich nun auf eine Reise in den hohen Norden. Von Berlin sollte es über Hamburg in die Nähe von Kiel gehen. Ziel: Das schöne Eckernförde an der Ostsee. Dabei lernte ich sowohl das Auto als auch das Infotainment-System Sensus Connected Touch (ehemals „Kassettenradio“) genauer kennen.

Das „Internet- und Multimediasystem im Auto“ gehört zu den kleinen Spielereien im Cockpit. Über einen 7-Zoll-Monitor erhält man Zugriff auf Navigation, Radio und Fahrzeugeinstellungen. Aber auch Spotify, TuneIn und sogar ein Browser ist verfügbar. Vor der Fahrt schnell noch die Sperrung auf der B404 überprüft, alles im Lot.

Allerdings klappt das nur im Stehen, nicht während der Fahrt. Der Sicherheit wegen.

Sprachsteuerung: Endlich versteht mich jemand!

Bei der Bedienung all dieser Helferlein und Spielzeuge fällt mir etwas auf: Navigation und Telefonie können problemlos gesteuert werden, ohne den Blick von der Straße zu nehmen. Auch die Grundfunktionen der Unterhaltungs- und Medienapps lassen sich, mit etwas Übung, fast „blind“ über die Wähltasten am Lenkrad kontrollieren. Schwierig wird es allerdings bei der Sprachsteuerung.

Und das ist schade, denn sie ist, wider Erwarten, wirklich nicht schlecht. Adresseingaben werden zuverlässig erkannt, auch Kontakte mit ausländisch klingenden Namen versteht das System. Leider muss ich aber eine Schaltfläche auf dem Display drücken, um die Spracherkennung zu aktivieren. Über das Lenkrad funktioniert das nicht, was mir nicht so ganz einleuchtet.

Softwareseitig basiert das System auf Android 2.3.7 Gingerbread, von Parrot angepasst und auf Asteroid umgetauft. Im Grunde also ein 7-Zoll-Tablet — allerdings mit einem etwas störrischen Touchscreen.

Das heißt, er reagiert nicht immer sofort auf Berührung, man muss bisweilen schon ordentlich hinlangen. Das kann etwas frustrierend sein. Vor allem wenn die Zeit an der Ampel knapp wird und man doch nur noch schnell was bei GIGA suchen wollte... Ein allzu großes Ärgernis ist das aber nicht und mit etwas Übung weiß man auch, wie man wo drücken muss, damit es klappt.

Anmerkung für Technik-Freunde: Es handelt sich weder um ein resistives, noch ein kapazitives Display. Stattdessen sind in der Umrandung Infrarot-Sensoren angebracht, die Berührungen auch mit Handschuhen erfassen können.

Sensus Connected Touch: Freie Fahrt auf der Datenautobahn?

Nun hänge ich also nach bequemer, Assistenz-gestützter Fahrt irgendwo an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern im stockenden Verkehr auf der A24 und möchte meinen Radiosender hören. Kein Problem, ab zum Medien-Center und die App gestartet. Eine Weile passiert überhaupt nichts. Dann, plötzlich, Stille.

Überraschung: Im Nirgendwo ist gar kein Empfang. Da hilft die cleverste Fahrzeugtechnik nichts, wenn weder 4G-Stick, noch Smartphone eine Verbindung herstellen, die stark genug für Audio-Streaming ist. Wir konstatieren: Internet auf der Autobahn ist nett, bis man es braucht. Gut, nehme ich also erst einmal mit der auf dem iPhone gespeicherten Musik vorlieb.

Später in Hamburg (der Umweg wegen der gesperrten B404 war der Horror) hat sich die Netzverbindung des Volvo dank Sensus Connected Touch dann doch noch als sehr nützlich entpuppt. Auch in der Hansestadt sind nämlich sämtliche Radiosender vollkommen inakzeptabel. Mobiles Internet dagegen gibt es zu Hauf. So höre ich über TuneIn den heimischen Lieblingssender und kann bei Bedarf auch meine Spotify-Playlisten bemühen. Gerettet!

Hier in der Zivilisation glänzt der Volvo mit noch einer praktischen Funktion. Die Verbindung aus dem Surfstick (nicht die aus dem Smartphone) kann er nämlich als WLAN-Hotspot vervielfältigen. Damit steht anderen Passagieren für Tablet, Smartphone und Notebook Internet zur Verfügung. So lassen sich Kinder beschäftigen, Mitfahrer ruhigstellen oder lange Fahrten mit YouTube-Orgien versüßen.

Insgesamt hängt es also stark davon ab, wo ihr unterwegs seid. Auf der Autobahn, abseits vernünftiger mobiler Datennetze, halten sich die Vorteile von Sensus Connected Touch in engen Grenzen. Im Stadtverkehr dagegen kann man sich Musik, Radio und Infos über Wetter und Verkehr bequem aufs Armaturenbrett holen.

Übrigens: Alle Armaturen sind hier digital, nicht nur das Info-Display. Tachometer, Drehzahlmesser und Temperaturanzeige ist Teil eines weiteren großen Displays hinterm Lenkrad. Das ermöglicht sogar eine Art „Boot-Animation“, wenn die Zündung eingeschaltet wird — ganz nett!

Fazit

Volvo hat mit dem Sensus Connected Touch einen Schritt in die richtige Richtung getan. Die Spracherkennung ist gegenüber Konkurrenzsystemen (Du bist gemeint, Mini Connected aus dem letzten Jahr!) deutlich verständiger. Die Oberfläche ist nicht zu wirr, es fehlt nur ein einfacher, schneller Zugriff auf Sprachsteuerung der Media-Apps.

Überhaupt gibt es derzeit für das Asteroid-System nicht gerade eine Vielzahl von Anwendungen, auch nicht im eigenen App-Store. Was die Internet-Verbindung im Fahrzeug angeht, so hat Volvo auf seiner Seite alles getan, was nötig ist. Es fehlt schlicht an ausreichender Netzabdeckung, um diese Funktion auch auf längeren Ausflügen sinnvoll nutzen zu können.

Das System kann ab sofort für alle Fahrzeuge nachgerüstet werden, die über ein 7-Zoll-Display verfügen und kostet mit Navigation 990 Euro, ohne Navigation 690 Euro (jeweils zzgl. Einbau). Wer einen Volvo mit 5-Zoll-Display fährt, kann dieses auf 7 Zoll aufstocken und dann ebenfalls Sensus Connected Touch einbauen lassen. Kompatibel ist es mit dem iPhone sowie Android-Smartphones verschiedener Hersteller.

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Weitere Themen: iPhone 5, iOS, Android, Volvo


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