Festplattenknappheit dauert an: Produktion “über mehrere Quartale” beeinträchtigt

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Seit im vergangenen Juli in Thailand der Chao Phraya und einige seiner Zuflüsse über die Ufer traten, befindet sich das Land in einer humanitären und wirtschaftlichen Notlage. Noch immer steht das Wasser in einigen Gegenden bis zu zwei Meter hoch und viele Industriezweige haben arge Probleme. Dass hiervon auch die Liefersituation für Macs betroffen ist, ließ sich bereits beobachten. Doch wie lange wird es noch dauern, bis die Region sich erholt?

Die von der Weltbank geschätzte Summe, die für Wiederaufbau und Reparaturen aufgewendet werden muss, beläuft sich auf insgesamt 25 Milliarden US-Dollar (das entspricht etwa 17 Milliarden Euro). Betroffen sind neben mehr als 12 Millionen Einzelpersonen auch eine große Anzahl Unternehmen aus dem IT-Bereich, die entweder selbst in Thailand ihre Fertigungslinien haben, oder bei Zulieferern einkaufen, die dort produzieren.

Wir haben zwei große Festplattenhersteller gefragt, wie Sie die Situation kurz- und mittelfristig einschätzen und in welchem Maße sie von der Knappheit betroffen sind.

Laut einer Sprecherin von Western Digital produziert das Unternehmen etwa zwei Drittel seiner Festplatten in Thailand. Die Fertigung findet in zwei verschiedenen Fabriken statt – beide wurden überflutet. Damit fiel also ein Großteil der Kapazität fort, bis in der vergangenen Woche eine der beiden Produktionsstätten wieder eröffnet werden konnte. Seit dem wird dort “wenn auch noch begrenzt” wieder produziert. Die zweite Fabrik steht nach wie vor unter Wasser und soll im Laufe der nächsten Woche wieder mit der Montage beginnen.

Betroffen seien mit den Zulieferern für Komponenten noch weitere Glieder der Produktionskette. Diese Ausfälle führen dazu, dass sich die Knappheit noch über die nächsten Quartale erstrecken wird. “Wir schrauben die Produktion Peu à Peu nach oben, aber da eine Festplatte aus ungefähr 200 Komponenten besteht, hängt es auch davon ab, wie schnell unsere Zulieferer wieder produzieren können”, so der Hersteller.

Entsprechend mager sehen demnach die Prognosen für die kommenden Monate aus. Weltweit rechnete man in der Branche vor der Katastrophe für das betroffene 4. Quartal mit 170 bis 180 Millionen produzierten Festplatten. Tatsächlich sieht es augenblicklich eher danach aus, als schafften die Hersteller gerade einmal 120 Millionen Stück. Western Digital musste seine Erwartungen von 58 Millionen im letzten Quartal des Jahres 2011 auf 22 bis 26 Millionen herunterschrauben.

Man gehe davon aus, dass sich die aktuelle Preissituation noch eine Weile halten wird. Einerseits orientieren sich die zum Teil völlig ausgelasteten Zulieferer an der aktuellen Nachfrage, andererseits merken Händler, dass der Nachschub knapp wird, die Nachfrage durch die Konsumenten aber weiter konstant bleibt. Sie heben dementsprechend die Preise an. Daraufhin sinkt die Nachfrage etwas, was wiederum die Preise drückt und so pendelt sich das System irgendwann ein, bleibt jedoch am Ende immer noch deutlich über dem Stand vor dem Sommer dieses Jahres.

Beim Wettbewerber Seagate sieht es nicht ganz so dramatisch aus. Nach eigenen Angaben sei man von den Fluten nicht direkt betroffen, spüre die Auswirkungen aber über die Engpässe bei Komponentenlieferanten ebenfalls. Daher werde man bis zum Ende des Jahres etwa 43 Millionen Festplatten produziert haben. Wie die Kollegen aus der Hardware-Abteilung von giga.de berichteten, könne ein Teil der geforderten Volumina durch Hersteller in anderen Ländern wie China, Malaysia oder den Philippinen ausgeglichen werden. Doch auch die geraten alsbald an die Grenzen ihrer Kapazität.

Vorerst ist also nicht mit einer Entschärfung der Lage am Festplattenmarkt zu rechnen. Sollten sich die Engpässe bei Herstellern und Zulieferern tatsächlich innerhalb der nächsten Quartale nicht lösen, also möglicherweise bis Mitte des kommenden Jahres andauern, könnte auch die nächste Runde Preissenkungen beim Mac ausfallen. Die Entwicklung des Dollarkurses trägt sein Übriges dazu bei, dass die Preisschilder an Apple-Rechnern sich voraussichtlich vorerst nicht drastisch verkleinern werden.

Bei alldem ist natürlich auch klar, dass die Menschen vor Ort noch lange nicht aus dem Gröbsten heraus sind. Die Beseitigung der schwersten Flutschäden ist eine Sache, der Wiederaufbau einer funktionierenden Infrastruktur und eines wirtschaftlichen Wachstums jenseits der 1,5 Prozent eine ganz andere.

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