Yahoo tauscht Bostock und drei weitere Bosse aus

Gleich vier namhafte “Member of the board” inklusive des Vorsitzenden, Roy Bostock, hat der Internetkonzern YAHOO! mit sofortiger Wirkung am gestrigen Dienstag von ihren Aufgaben entbunden, und damit wohl vor allem bei den Aktionären einen Seufzer der Erleichterung ausgelöst.

Yahoo tauscht Bostock und drei weitere Bosse aus

Kurzer Exkurs: Im Gegensatz zu deutschen Aktiengesellschaften sind die Verflechtungen zwischen Aufsichtsrat (Board of Members) und Vorstand (Board of Directors) in amerikanischen Aktiengesellschaften deutlich enger geknüpft, so dass eine solche Entscheidung  sich stärker auch im operativen Bereich auswirkt.

Yahoo ist ein Konzern mit wechselvoller Vergangenheit, aber dass sie 2008 der Übernahme durch Microsoft für 33 US-Dollar pro Aktie nicht zugestimmt haben, dass hat man der Geschäftsführung nie wirklich verziehen. Schon 2009 konnte Bostock daher nur 60% der Stimmen auf sich vereinen, als er sich auf der Aktionärsversammlung zur Wiederwahl stellte – ein schlechter Wert so ganz ohne Gegenkandidaten.

Dass bei dem schwächelnden Riesen, dessen Aktienkurs von 120 auf 15 US-Dollar gefallen ist, etwas passieren musste, war klar. Aber angesichts – HP lässt grüßen – immerhin vier CEO-Wechseln und diversen Umstrukturierungen im Board of Members innert 5 Jahren kann man ja nun auch nicht gerade von Stillstand sprechen. Getrieben von Analysten und Asset Managern herrscht bei Yahoo hektische Betriebsamkeit, die eben keinen zielgerichteten Eindruck hinterlässt. Ganz abgesehen davon, dass sie konzeptionell schon seit einer ganzen Weile hinterher (oder auch im Hühnerhaufen-Modus alle wild durcheinander, je nach Betrachtungsweise) laufen.

Ob neue Besen, wie der seit vier Wochen im Amt befindliche CEO Scott Thompson (ex PayPal), wirklich besser kehren, wird sich bald zeigen, bei Yahoo kehren sie jedenfalls momentan mal wieder ziemlich eisern. Ähnlich grob erscheint der aktuelle Versuch, die Handelsplattform Alibaba sowie die eigene Yahoo.jp-Seite zu veräussern; Yahoo-Aktionäre kann wohl nichts mehr schocken.

Ob sie damit wirklich den “turn over” schaffen? Nun, es sei ihnen gegönnt. Als vor Jahren schon Lycos an ähnlichen konzeptionellen Schwierigkeiten einging, standen viele Kunden vor der Frage, welchem Freemail-Provider sie am ehesten ein dauerhaftes Überleben zutrauen, um sich diesem anzuschliessen. Dass im Kapitalismus am Ende alles Einem gehört, beispielsweise dem Fooglebook, das wird zwar auch Yahoo nicht verhindern können, meine @yahoo.com-Adresse behalt ich trotzdem erstmal noch!

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