Sperrfeuer

Im Jahr 2008 gab es weltweit ein Aufkommen von 62 Billionen Spam-Mails oder 9200 pro Erdenbürger. Geschätzte 33 Milliarden Kilowattstunden Energie und 100 Milliarden Stunden Arbeitszeit wurden beim Sichten und Löschen vergeudet. Hierdurch entstand in den USA ein Schaden von 22 Milliarden US-Dollar.
Manche E-Mail-Provider offerieren zwar
leistungsfähige Spamfilter, doch manchmal werden auch die Server jenseits des Atlantiks gewartet und man wundert sich über vermehrtes Spam-Aufkommen. Außerdem kann es passieren, dass wichtige E-Mails im Filter steckenbleiben und man diese manuell freischalten muss. Oft genug trifft dann die so befreite Mail bei hohem Traffic nicht sofort, sondern zu spät ein, da der Server stur seine Warteschlange abarbeitet. Um also selbst volle Kontrolle darüber zu haben, welche E-Mails durchgelassen werden und welche nicht, kann man eines der getesteten Programme einsetzen. Dazu sollte man beim Provider die Filterfunktion ausschalten.
Die vier Testkandidaten funktionieren alle mit Apple Mail und Microsoft Entourage. Von einigen werden auch weniger verbreitete Mail-Clients wie Eudora, Mailsmith und PowerMail unterstützt. Das kostenlose Mozilla Thunderbird hat einen eigenen bayesianischen Filter implementiert, der nach dem gleichen Prinzip wie unsere Testkandidaten arbeitet. Apple Mail verwendet eine andere Methode.
Die Apple-Lösung
Generell sollte der eingebaute Spamfilter von Apple-Mail für die meisten Anwender ausreichen. Die kommerzielle Konkurrenz mag zwar im Lauf der Zeit ein wenig mehr erkennen, doch kommt dies auf die jeweilige Situation an. Apple arbeitet nicht mit Wortlisten oder Provider-Blacklists. Vielmehr wird über das Apple Data Kit der gesamte Inhalt einer Nachricht analysiert. Das funktioniert mit Texten in beliebiger Sprache. Trainieren muss man auch Apple Mail. Nur so kann der Filtermechanismus kontextbezogen entscheiden.
Nicht undenkbar ist der Fall, dass Pharma-referenten und Apotheker in ihren E-Mails häufiger über Potenzmittel oder Diätpillen schreiben und diese Mails auch in ihrem Posteingang vorfinden wollen. Im Allgemeinen werden solche Mails aber zunächst gefiltert, da diese Themen negativ besetzt sind und Spam in allen Variationen hervorbringen.
Was muss DER Filter können?
Ein guter Spamfilter soll nicht nur impertinente Werbung erkennen, sondern auch die neuesten Maschen der Phishing-Mafia abfangen, die mit täuschend echt aussehenden Mails versucht, gutgläubigen Empfängern Passwörter zu entlocken. Auch Mails ohne jeglichen Text, die ihre Botschaft in Bildern verstecken, sollten erkannt werden. Zudem sollten möglichst
wenig erwünschte E-Mails irrtümlich auf der virtuellen Müllhalde landen. Eine Firma hätte sonst ein Problem, wenn etwa alle Anfragen von Neukunden, die dem System ja unbekannt sind, zunächst mühsam aus dem Spam-Ordner gefischt werden müssten.
SpamSieve 2.7.7

Das Tool filtert gleich beim ersten Probelauf erstaunlich gut die eintreffenden E-Mails. Das liegt an der umfangreichen Positiv-/Negativ-liste. Die Software differenziert unter den gefundenen Spams zusätzlich zwischen eindeutigen und unsicheren Kandidaten. Im Test landete die E-Mail eines Herstellers, der nach dem Software-Kauf die Seriennummer versendet hatte, zunächst im Junk-Ordner von Entourage, doch wurde sie der Kategorie „Uncertain Junk“ zugewiesen und farbig markiert.
Die Benutzung von SpamSieve zwingt zur sorgfältigen Pflege des Adressbuchs. Denn Absender, die nicht im Adressbuch stehen, gelten bereits als verdächtig. Alle Namen aus dem Adressbuch kommen hingegen auf eine Whitelist. Nutzer von Entourage sollten in den Entourage-Einstellungen die Synchronisation zwischen Apples Adressbuch und Microsofts Mail-Programm einschalten. Absender aus dem Adressbuch bleiben somit unangetastet.

Dieses Training kann auch automatisch auf alle neu eintreffenden Mails angewandt werden. Immerhin wartet SpamSieve nach zwei Monaten im Test mit einer Erkennungsquote von 96,7 Prozent auf. 57 Prozent aller empfangenen Post im Testzeitraum war unerwünschte Werbung.
Intego Personal Antispam X5

Filter beinhaltet jedoch nur englische und französische Vokabeln und Silben, so dass man mit dem Programm deutschsprachige Spams erst einmal einüben muss. Zugegebenermaßen sind rund 90 Prozent des Spam-Aufkommens englischsprachig. Doch selbst nach einem eingehenden Positivtraining des kompletten deutschen Posteingangs gingen Personal Antispam in der Anfangszeit noch viele Spam-Mails durch die Lappen. In den Einstellungen können Filter für E-Mail-Anhänge, URLs, Betreffzeilen und bestimmte HTML-Layouts zum Auffinden von Spam verwendet werden. Wer will, kann ankreuzen, dass Mails mit kyrillischen und fernöstlichen Zeichensätzen grundsätzlich nicht durchgelassen werden. Die
Resultate werden besser, wenn man – in den Einstellungen versteckt – unter Lexikalisch das Häkchen vor Automatisch mit neuen Nachrichten trainieren setzt. Insgesamt gestaltet sich die Bedienung von Personal Antispam einfach und übersichtlich. Zudem ist es der einzige Testkandidat, bei dem Anwendung und Anleitung komplett auf Deutsch vorliegen.
Wenn der Abodienst für neue Spam-Typen und Regeln nach 365 Tagen ausläuft, muss man ihn nicht unbedingt verlängern, um die Software weiter nutzen zu können. Wer stattdessen der Software regelmäßig nicht erkannte Spam-Typen antrainiert, fährt günstiger. Falls Ihnen der Preis für die Einzelplatzversion zu hoch erscheint, dann bietet Intego das Software-Bundle „Internet Security Barrier“ für 100 Euro an.


